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Aktienmarkt : Ein besinnliches Thanksgiving für Anleger

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Bild: FAZ.NET

Die Bullen können für vieles dankbar sein, was sich in der jüngsten Zeit ereignet hat. Doch andere Profis warnen, daß Goldlöckchens Geschichte zu Ende gehen wird, wenn die Bären wiederkommen.

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          Die Wall Street kann sich in dieser verkürzten Thanksgiving-Woche auf das besinnen, was ihr jüngst beschert wurde, denn die Aktienrally der jüngsten Zeit hat den Bullen eine Menge Gründe zur Dankbarkeit geliefert. Manche Analysten meinen, der Markt könnte den Investoren auch weiterhin eine mit Gewinnen reich gedeckte Tafel bringen. Einstweilen bleibt die Stimmung verhalten, denn andere wiederum empfehlen den Anlegern, vorsichtig zu sein und den Mund nicht zu voll zu nehmen.

          Am 17. November stieg der Dow Jones Industrial Average auf 12.342,5 Punkte und markierte damit bei Börsenschluß das seit Anfang Oktober 18. Allzeithoch. Der Standard & Poor's 500 erreichte ein Sechs-Jahres-Hoch von 1.401,2 Zählern. Beide Markt-Benchmarks gingen am 20. November leicht zurück, der Nasdaq Composite Index hingegen stieg.

          „The trend is your friend“

          Aktien erzielten ihre Gewinne der jüngsten Zeit im Gefolge der Entscheidung der Federal Reserve, ihre seit 24 Monaten andauernden Zinserhöhungsaktionen auszusetzen. Ein starker Rückgang der Ölpreise von den Höchstständen im Sommer nahe 79 Dollar je Barrel auf unter 60 Dollar und zunehmend weiter verbreiteter Hoffnung auf eine weiche konjunkturelle Landung trieben den Markt ebenfalls an.

          Am Umfang der Abschwächung am Wohnungsbaumarkt und an der Höhe der diesjährigen Verbraucherausgaben für die Weihnachtsfeiertage könnte sich bestimmen lassen, ob dieses Szenario der „goldenen Zeiten“ von Dauer ist oder eines Tages schließlich doch die Bären zurückkommen.

          Laut einigen Analysten weisen technische Indikatoren auf eine anhaltende Stabilität am Aktienmarkt hin. „Der Spruch „The trend is your friend“ trifft hier voll zu“, erklärt Chris Johnson, Vorstandschef und Chef-Investmentstratege bei der Johnson Research Group. „Wir haben einen Markt, der mit einigen Verkaufsphasen zwischendurch weiterhin zur Aufwärtsbewegung neigt, was eigentlich ganz gesund ist.“

          Inflation unter Beobachtung

          Da die meisten Unternehmen bereits ihre Ergebnisse vermeldeten, erwies sich das dritte Quartal als eine weitere recht solide Periode bezüglich der Unternehmensgewinne. Die Unternehmen des S&P-500 verzeichneten, auf das Jahr hochgerechnet, ein durchschnittliches Gewinnwachstum von rund 22 Prozent und erreichten damit laut S&P das 18. Quartal in Folge mit zweistelligem Gewinnwachstum. Exxon Mobil, Apple und Google gehörten zu den Leithammeln des Marktes, die überraschend hohe Gewinne einfuhren.

          Inflationsbefürchtungen sind in der letzten Zeit ebenfalls eher in den Hintergrund getreten, obwohl die öffentlichen Stellungnahmen der Fed-Vertreter nach wie vor kämpferisch sind. Zwei genau beobachtete Inflations-Meßgrößen, der Verbraucherpreisindex und der Erzeugerpreisindex, wiesen beide im Oktober einen unerwarteten Rückgang auf.

          Die Furcht vor dem Preisanstieg sollte nach Auffassung einiger Analysten allmählich nachlassen. „Die Inflation ist ein Papiertiger,“ meint Ed Yardeni, Chef-Investmentstratege bei Oak Associates. „In den noch verbleibenden zwei Monaten des Jahres könnte die Inflation sogar noch weiter sinken, wenn man den Rückgang der Ölpreise, die beträchtlichen Weihnachtsrabatte der Einzelhändler und eine weitere Runde von Anreizen zum Autokauf bedenkt.“

          Den Schaden reparieren

          Einstweilen hat eine Welle von Übernahme- und Fusions-Aktivitäten ihre Ausläufer in den Markt geschickt. Am 16. November vereinbarte Clear Channel Communications einen 18,7 Milliarden Dollar Buyout. Am 20. November richteten die Anleger ihr Augenmerk besonders auf die 25,9 Milliarden Dollar Transaktion von Freeport-McMoRan für Phelps Dodge und die Übernahme von Equity Office Properties durch die Blackstone Group für die Rekordsumme von 36 Milliarden Dollar.

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