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Aktienmarkt-Ausblick : Sieben Faktoren, die 2007 in Japan die Kurse diktieren

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Viel fehlt nicht mehr zu neuen Hochständen Bild: AP

Der japanischen Börse wird in diesem Jahr von nicht wenigen Experten ein Comeback zugetraut. Laut den Fondsmanagern von Martin Currie kommt es auf sieben Faktoren an, ob sich die Hoffnungen erfüllen werden oder nicht.

          Nach einer eher schwachen Vorstellung im Jahr 2006 trauen viele Aktienstrategen in ihren Prognosen für dieses Jahr dem japanischen Aktienmarkt ein Comeback zu. Nach einer deutlichen Kurserholung im Dezember tut sich die japanische Börse 2007 bisher aber noch etwas schwer, die Vorschlusslorbeeren zu rechtfertigen.

          Der Nikkei 225 Index notiert aber nicht weit entfernt von seinen höchsten Notierungen seit dem Jahr 2000. Und falls neue Mehrjahreshochs gelingen sollten, wäre das charttechnisch gesehen ein wichtiger Durchbruch.

          Zinserhöhungen könnten Bankaktien begünstigen

          Ob das gelingt, wird sich erst noch zeigen müssen. Was fundamental gesehen in diesem Jahr die Kurse am Aktienmarkt in Tokio bewegen dürfte, haben die Japan-Fondsmanager von Martin Currie zusammengefasst. Aus Sicht der für die Fonds Japan Fund (Isin LU0094044905) and Japan Mid-Cap Funds (Isin LU0185060505) zuständigen Manager John Millar, Keith Donaldson und Michael Thomas sind es insgesamt sieben Faktoren, die über die Kursrichtung in 2007 entscheiden werden.

          Die von der japanischen Notenbank schon bald erwarteten Zinserhöhungen dürfte den Bankaktien dabei helfen, besser als im Vorjahr abzuschneiden, als sie schlechter abschnitten als der Gesamtmarkt. Die jüngsten Unternehmensergebnissen hätten aber bereits gezeigt, dass den Branchenvertreter die Trendwende gelungen sei.

          Der deutlich gestiegene Renditeabstand zwischen Krediten und Einlagen würden beim Geschäfte machen helfen. Einschränkend dazu heißt es aber, sofern sich Hinweise auf einen Fortbestand der Deflation in Japan einstellen sollten, würde dies die Notenbank vermutlich davon abhalten, die Leitzinsen auf normale Niveaus anzuheben.

          Gewinne könnten stärker steigen

          Die Gewinnprognosen für die japanischen Unternehmen machen einen sehr konservativen Eindruck. Nach einem starken ersten Halbjahr 2006 hätten die Firmen ihre Ausblicke nicht angehoben. Doch die dem zu Grunde liegende vorsichtige Konjunktureinschätzung habe sich im zweiten Halbjahr nicht eingestellt.

          Derzeit werde der Markt auf Basis der geschätzten Gewinne niedriger bewertet als noch vor einem Jahr. Absolut betrachtet seien Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 19 auf Basis der für das Geschäftsjahr 2006/2007 erwarteten Gewinne ebenso wenig niedrig wie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 für 2007/2008. Aber diese Relationen wären dann sehr vernünftig, wenn es den Unternehmen tatsächlich gelingen sollte, starke Gewinnsteigerungen zu realisieren.

          Höhere Löhne könnten Konsum antreiben

          Die Entwicklung der Löhne hat einen enormen Einfluss auf die weiteren konjunkturellen Aussichten in Japan. Denn der Konsum hängt letztlich davon ab, wie stark die Löhne anziehen. Dass es 2006 keine nennenswerten Lohnsteigerungen gab, war einer der größten Enttäuschungen im Vorjahr. Obwohl der Arbeitsmarkt angespannt ist, entsteht entgegen der reinen Lehre deswegen bisher kein Lohndruck.

          Möglicherweise handelt es sich dabei aber nur um eine zeitliche Verschiebung dieses Prozesses und die Löhne ziehen demnächst doch noch an. Die Gewerkschaften haben zuletzt jedenfalls schon höhere Lohnforderungen angemeldet. Außerdem dürfte der lohndämpfende Effekt auslaufen, der während der Restrukturierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre Lohndruck verhinderte.

          Populismus oder Reform?

          Nach Skandalen hat das Ansehen des neuen Premierminister Abe gelitten. Bis zu den Parlamentswahlen im Juli wird er versuchen, sein Image aufzupolieren. Das könnte zum Beschluss populistischer Maßnahmen führen. Doch wenn das Land auf Wachstumskurs bleiben wolle, bedürfe es weiterer Reformen. Ausländische Investoren werden deshalb ganz genau darauf achten, was für eine Politik betrieben wird und ob die Fehler der Vergangenheit wiederholt werden.

          Fusionen und Übernahmen

          Wie schon im Vorjahr dürfte sich auch in diesem Jahr der Bereich Fusionen und Übernahmen als eine Stütze für den Aktienmarkt erweisen. Dabei haben die regen Käufe der Private-Equity-Gesellschaften Japan noch lange nicht in so einem starken Ausmaß erfasst, wie dies im Rest der Welt zu beobachten ist. Erste Anzeichen, dass Private Equity künftig auch in Japan eine wichtigere Rolle spielen wird, gibt es aber bereits.

          Nebenwerte mit Aufholpotential

          Eine der auffälligsten Entwicklung an der japanischen Börse im Jahr 2006 war die stark unterschiedliche Performance der Standard- und der Nebenwerte. So ist der Topix 100, der die 100 größten Aktien enthält, um 6,7 Prozent gestiegen, während der Topix Small Index um 12,2 Prozent gefallen ist. Gut denkbar, dass 2007 ein Umdenken bei den Investoren stattfindet, zumal sich gerade mittelgroße Titel mit vernünftigen Bewertungsrelationen präsentieren.

          Stimmung könnte zu pessimistisch ein

          Nachdem viele Investoren Anfang 2006 sehr optimistisch für Japan waren, hat sich die Stimmung im Laufe des Jahres gewandelt. Doch das Pendel hat jetzt vermutlich zu weit in die andere Richtung ausgeschlagen und viele Marktteilnehmer dürften in Japan untergewichtet sein.

          Martin Currie bleiben optimistisch

          Aufbauend auf den genannten Faktoren, kommen die Fondsmanager von Martin Currie zu dem Schluss, dass die Chancen und Risiken in Japan gut ausbalanciert sind. Zu den Risiken gehören zu stark steigende Leitzinsen oder eine populistische Politik. Negativ wäre zudem ein stark steigender Yen. Extern berge zudem eine Einbruch der amerikanischen Konjunktur oder an der Wall Street Gefahren.

          Trotzdem geben sich die Experten von Martin Currie zuversichtlicher als noch vor einem Jahr. Zu tun hat diese Haltung nicht zuletzt mit der Aussicht, dass die Gewinnschätzungen deutlich angehoben werden. Die Ausländer hätten zuletzt jedenfalls bereits wieder zurück an den japanischen Aktienmarkt gefunden und es sei von einem Anhalten dieses Trends auszugehen.

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