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Aktienmarkt-Analyse : Prognosen für die türkische Börse bleiben ein Roulettespiel

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Mit turbulenten Kursausschlägen hat die türkische Börse allen Marktteilnehmern das Leben im Jahr 2006 schwer gemacht. Und für 2007 sprechen gleich mehrere Gründe für eine unverändert hohe Volatilität.

          Börsianer, die an der türkischen Börse aktiv sind, brauchten im abgelaufenen Jahr ein ganz dickes Nervenkostüm. Denn es ging noch volatiler zu, als sonst ohnehin schon üblich am Istanbuler Aktienmarkt.

          Zunächst begann alles noch ganz harmlos und es schien so, als ob der Markt seinen zuvor dreijährigen Aufwärtstrend nahtlos fortsetzen wolle. Der ISE National 100 Index kletterte bis Ende Februar um mehr als 21 Prozent und markierte dabei ein neues Rekordhoch. Doch danach ging ihm die Puste aus und während der Krise, welche die Schwellenländer im zweiten Quartal erfaßt, traf es die türkische Börse mit am härtesten.

          Der ISE 100 sackte bis auf 31.492 Punkte ab, was gemessen am Hoch ein Minus von fast 35 Prozent bedeutete. Aber damit nicht genug der volatilen Ausschläge. Bis zum Jahresende erholte sich der ISE 100 wieder bis auf 39.117 Punkte, so daß am Ende im Jahresvergleich gerade einmal ein Minus von 1,7 Prozent zu Buche stand.

          Doppel-Wahlen stellen ein großen Unsicherheitsfaktor dar

          Das ist aber nur die halbe Wahrheit, wie skizziert ging es vielmehr sehr turbulent zu. Und es scheint keine gewagte Prognose zu sein, auch für 2007 einen sehr volatilen Handelsverlauf vorherzusagen. Zumindest sprechen gleich mehrere Gründe für diese Annahme. Der mit Abstand wichtigste Unsicherheitsfaktor ist mit Sicherheit die Politik. Mit den Präsidentschaftswahlen im April und den Parlamentswahlen im November stehen in der Türkei im Jahr 2007 gleich zwei Urnengänge an. Da sind Turbulenzen fast vorprogrammiert. In der Vergangenheit forderten Wahlen in der Türkei jedenfalls meistens ihren Tribut in Form von starken Kursschwankungen.

          Das wird vermutlich auch dieses Mal nicht anders sein. Nach den Ereignissen des Jahres 2006, zu denen auch die Schwierigkeiten bei den EU-Aufnahmeverhandlungen zählen, sitzt die regierende AKP jedenfalls längst nicht mehr so fest im Sattel, wie noch vor einem Jahr gedacht. Wie aufgehitzt die Stimmung bereits jetzt ist, zeigt sich auch daran, daß die türkische Opposition bereits angekündigt hat, die Präsidentenwahl im Parlament zu boykottieren, falls sich der noch amtierende Ministerpräsident Tayyip Erdogan als Kandidat aufstellen lassen sollte. Der Hintergrund dafür ist, daß Erdogans Partei im Islam verwurzelt ist. Die säkularen Parteien befürchten, daß bei seiner Wahl zum Präsidenten die strikte Trennung zwischen Staat und Religion aufgeweicht werden könnte.

          Volkswirtschaftlichen Rahmendaten haben sich verschlechtert

          Unabhängig von Personen steht bei den Wahlen die politische Stabilität auf dem Spiel, die in den vergangenen Jahren maßgeblich dazu beigetragen hat, einen soliden Aufschwung zu bescheren. Dieser basierte natürlich auch auf den seit 2002 vorherrschenden disinflationären Trend. Doch im Zuge der Marktturbulenzen im Mai und im Juni, die sich auch in einem starken Einbruch der türkischen Lira manifestierten, kam es anschließend zu einer stark anziehenden Inflation. Die Notenbank reagierte darauf mit deutlichen Zinserhöhungen. Insgesamt wurde der Leitzins um 425 Basispunkte auf derzeit 17,5 Prozent erhöht.

          Um in Sachen Inflationsbekämpfung glaubhaft zu bleiben, war das zwar sicher die richtige Entscheidung. Trotzdem hinterläßt das Drehen an der Zinsschraube natürlich auch negative Spuren. So hat sich das Wachstum im dritten Quartal bereits mit 3,4 Prozent auf das geringste Plus seit 2002 abgeschwächt und die Konjunktur wird nach Einschätzung der Notenbank vermutlich auch nicht vor dem zweiten Halbjahr 2007 wieder an Fahrt gewinnen, weil die hohen Zinsen die Konsum- und Investitionsbereitschaft dämpfen. Und mit einer zügigen Senkung der Zinsen kann vorerst nicht gerechnet werden. Das beherzte Anziehen der Zinszügel brachte zwar bereits erste Erfolge im Kampf gegen die Inflation. Im November lag sie mit 9,9 Prozent aber noch immer deutlich über dem von der Notenbank angestrebten Inflationsziel von vier Prozent.

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