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Aktienmarkt-Analyse : Kartenhaus China

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Bild: Bloomberg

S&P zufolge würde eine Kurskorrektur in China die internationalen Märkte zwar erzittern lassen, jedoch keine Zusammenbrüche auslösen.

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          Der Shanghai-Composite-Index ist seit Januar 2006 um sagenhafte 248 Prozent in den Himmel gestiegen, hat jedoch nach unserer Ansicht zu langfristig unhaltbar hohen Bewertungen chinesischer Aktien geführt.

          Der Index wird aktuell mit dem 37fachen der Durchschnittsprognosen für das Gewinnwachstum 2007 gehandelt. Zum Vergleich: der S&P-500 liegt momentan um das 16,2-fache über den durchschnittlichen Gewinnschätzungen, während der MSCI EAFE als führender Index für ausländische Aktien entwickelter Länder die Gewinnprognosen derzeit um das 14,8-fache übertrifft.

          Furcht vor Wirtschaftskrise

          Die Wachstumsaussichten Chinas sind ohne Zweifel stärker als jene der Vereinigten Staaten oder anderer entwickelter internationaler Märkte, wir sind jedoch der Ansicht, dass diese die gegenwärtig üppigen Bewertungsaufschläge nicht rechtfertigen.

          Der Index fiel am 30. Mai um 6,5 Prozent, nachdem die chinesische Regierung die Steuer auf Aktiengeschäfte verdreifachte, um der Überhitzung entgegenzuwirken. Internationale Investoren stellen sich zusehends besorgt die Frage, welche negativen Auswirkungen das Platzen der chinesischen Aktienblase auf die internationalen Aktienmärkte haben würde.

          Vor dem Hintergrund der zunehmend vom Wachstum Chinas abhängigen Weltwirtschaft fürchten Anleger, dass diese kritische Volkswirtschaft durch einen starken Einbruch auf dem chinesischen Aktienmarkt in die Krise geraten könnte. Hierdurch würden wiederum multinationale Konzerne aus den Vereinigten Staaten, Europa und Asien getroffen, die immer stärker von ihren Umsätzen im Reich der Mitte abhängen.

          Chinas Wirtschaftsboom setzt sich fort

          Der derzeitige Ausverkauf an den chinesischen Aktienmärkten dürfte zwar kurzfristig zu einigen förderlichen Gewinnmitnahmen auf den internationalen Märkten führen, ernstere Auswirkungen sind nach unserer Ansicht indes nicht zu erwarten. Standard & Poor's rechnet damit, dass die Stärke der chinesischen Wirtschaft nach einem Wachstum von 11,1 Prozent im ersten Quartal anhalten und von der zunehmenden Aufwärtsdynamik im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele in Peking 2008 profitieren wird.

          Darüber hinaus ist der Konsum bei einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von lediglich 1.500 Dollar nicht die wichtigste Triebfeder des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das Wachstum wird vielmehr durch Exporte vorangetrieben, was die Volkswirtschaft weniger empfindlich auf einen Abschwung am Aktienmarkt reagieren lässt.

          Und letztlich steckt die Infrastruktur des chinesischen Kapitalmarkts noch in den Kinderschuhen, was auch daran ersichtlich wird, dass der Löwenanteil des chinesischen Vermögens nicht an den Aktienmärkten investiert, sondern auf Banken verwahrt und in Immobilien veranlagt ist.

          Kurzfristige Schwankungen weiter möglich

          Für 2007 rechnet S&P aufgrund kräftiger Exporte und anhaltender Erweiterung der inländischen Infrastruktur mit einem Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts zwischen 10,2 und 10,6 Prozent. Wenn die robuste Verfassung der Realwirtschaft Chinas anhält, werden nach unserer Ansicht auch die Umsätze der multinationalen Konzerne weiterhin solide ausfallen, woraufhin Anleger die kurzfristigen Schwankungen der lokalen illiquiden chinesischen Aktienmärkte größtenteils ignorieren können. Solange die Wirtschaftsdaten aus Peking den eingeschlagenen Kurs fortsetzen, wird China nach Überzeugung von S&P ein weiterhin bullischer globaler Aktienindikator bleiben.

          Für die kommenden zwölf Monate hält S&P an seiner Favorisierung von Aktien gegenüber Rentenwerten und Barreserven fest. Ihr empfohlenes globales Portfolio besteht zu 65 Prozent aus Aktien, zu 25 Prozent aus Anleihen und zu 10 Prozent aus Barreserven. Die Aktiengewichtung von 65 Prozent setzt sich aus 40 Prozent amerikanischen und 25 Prozent internationalen Titeln zusammen. Die Auswahl amerikanischer Aktienwerte umfasst 34 Prozent Standardwerte, vier Prozent mittelkapitalisierte und zwei Prozent Nebenwerte.

          Bei der Strukturierung internationaler Aktien gewichten wir den MSCI-EAFE-Index (der sich aus ausländischen Titeln entwickelter Märkte in Europa, Australien und Hongkong zusammensetzt) mit 17 Prozent, Schwellenmärkte mit fünf Prozent und Japan mit drei Prozent, was den Diversifikationsvorteilen seiner mit 0,29 niedrigen Korrelation zum S&P-500 Rechnung trägt.

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