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Aktienmarkt Amerika : Wie man amerikanische Aktien vorsortiert

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Ein NYSE-Listing ist immer noch ein Qualitätsmerkmal Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Amerikanische Aktien klingen für viele Investoren per se vielversprechend. Doch nicht jede Gesellschaft ist gleich vertrauenswürdig. Das Listing selbst gibt bereits Anhaltspunkte.

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          Der Neue Markt hat den deutschen Anlegern anschaulich vor Augen geführt, daß Börsennotiz nicht gleich Börsennotiz ist. Weniger Aktienkäufer wissen schon, daß man Freiverkehrswerten mit Vorsicht begegnen sollte. Aber in den Vereinigten Staaten kennt sich kaum jemand noch aus. Dabei ist es dort viel einfacher, den Überblick zu behalten.

          Während sich in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) als Nachfolger des erst 1995 gegründeten Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel sich immer noch schwer tut, dem Gemauschel auf dem virtuellen Börsenparkett Herr zu werden, ist die Börsenaufsicht SEC in Amerika eine mächtige Organisation mit einer nunmehr 72jährigen Geschichte.

          Die Nasdaq ist (noch) keine Börse

          Trotzdem sie wie die Polizei in der Regel erst aktiv werden kann, wenn ein Verstoß vorliegt, hat sie in Zusammenarbeit mit Börsenorganisationen wie der National Association of Securities Dealers NASD, den Aktienmarkt in Amerika soweit reguliert und transparent gemacht, daß die Art der Notierung eines Wertpapiers nicht nur einfach festzustellen ist, sondern auch eine Menge Anhaltspunkte über die Aktie gibt.

          Grundsätzlich sind Aktienbörsen (Stock Exchanges) von Handelsplattformen zu unterscheiden. Für den Aktienhandel sind in den Vereinigten Staaten zwei Börsen von Bedeutung: die New York Stock Exchange NYSE und in zweiter Linie die American Stock Exchange Amex.

          Unter den Handelsplattformen ist die von der NASD 1971 gegründete Nasdaq die ausschlaggebende. Sie kennt zwei Untersegmente, die National Markets sowie den Smallcap Market. Daneben gibt es verschiedenste Freiverkehrsplattformen. Die beiden bedeutendsten sind das OTCBB (Over-the-counter Bulletin Board) und die „Pink Sheets“.

          All diese Segmente unterscheiden sich durch die Voraussetzungen für ein Listing und dessen Kosten. Dabei sind nicht nur die geforderten Kennzahlen, sondern zum Teil auch die Kriterien selbst unterschiedlich.

          Hohe Standards an der NYSE

          Allgemein wird von den Unternehmen eine adäquate Verteilung des Aktienbesitzes gefordert, die eine Mindestliquidität gewährleistet. Des weiteren sollen die Unternehmen eine Mindestprofitabilität und Bewertung aufweisen.

          Dadurch kommen beispielsweise für ein NYSE-Listing nur relativ große Unternehmen in Frage. Denn die Börse setzt 2.000 sogenannte „Round-Lot-Holders“ voraus, die mindestens 100 Aktien halten müssen - oder 500 Aktionäre insgesamt. Dann aber muß das Handelsvolumen in den vergangenen zwölf Monaten im Monatschnitt eine Million Aktien betragen haben, kommt also für einen Börsengang gar nicht in Frage.

          Zusätzlich muß das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren einen kumulierten Vorsteuergewinn von zehn Millionen Dollar ausgewiesen haben, davon mindestens zwei in den beiden jüngeren Jahren. Es gibt alternative Anforderungen, die aber mindestens ebenso schwer zu erfüllen sind. Außerdem kostet das Listing mindestens 150.000 Dollar sowie mindestens weitere 35.000 Dollar pro Jahr.

          Mittlere Voraussetzungen an der Nasdaq

          Einfacher ist das Listing an Amex und Nasdaq, die aufgrund ihrer langjährigen Kooperation vergleichbare Standards haben. Die geringsten Anforderungen stellt die Amex. Vereinfacht gesagt, wird in jedem Fall wird ein Mindestpreis von drei Dollar vorausgesetzt und je nachdem 400 oder 800 freie Aktionäre bei einem korrespondierenden Free-Float von 500.000 bzw. einer Million Aktien, deren Marktkapitalisierung 15 bis 20 Millionen Dollar betragen muß. Die kann sich auf drei Millionen ermäßigen, wenn das Unternehmen im vorangegangenen oder in zwei der drei vorangegangenen Jahr mindesten 750.000 Dollar vor Steuer erwirtschaftet hat.

          Sehr ähnliche, aber ein wenig verschärfte Zugangsvoraussetzungen hat der Nasdaq Small Cap Market. Für das National Markets-Segment, in dem zum Beispiel auch Microsoft gehandelt wird, liegt die Latte entsprechend höher.

          Auch nach erfolgreichem Listing müssen die Unternehmen an allen Handelsplätzen weiter bestimmte Kriterien erfüllen, um auf Dauer dort gelistet bleiben zu können. So darf auf den Nasdaq-Märkten der Geldkurs nicht dauerhaft unter einen Dollar fallen.

          Für den Anleger bedeutet das, daß er einen gewissen Schutz insofern genießt, als er mit steigendem Listingvoraussetzungen zunehmend davon ausgehen kann, daß das Unternehmen einem geregelten Geschäftsbetrieb nachgeht und die Aktie einigermaßen liquide ist. Ausnahmen wie Enron bestätigen auch in diesem Fall die Regeln.

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