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Aktienmarkt Amerika : Anleger sollten sich zurückhalten

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Kurzfristig scheinen die Börsen zwar überverkauft zu sein. Wichtige Indikatoren stehen gleichzeitig unmittelbar vor der Generierung eines bedeutenden langfristigen Verkaufssignals, so Mark Arbeter, technischer Chefanalyst bei S&P.

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          Der Aktienmarkt gab zu Beginn der vergangenen Woche deutlich nach und erreichte dabei fast eine wichtige mittelfristige Unterstützung, bevor er sich gegen Ende der Woche stabilisieren konnte. Auf kurze Sicht deuten viele Meßgrößen (dabei unter anderem Kurs, Umsatz sowie interne Bewertungsmaßstäbe) auf eine extrem überverkaufte Situation hin, und wir glauben, daß der Markt jederzeit zu einer Rally ansetzen könnte. Allerdings gibt es nach unserer Ansicht kaum Hinweise auf einen mittelfristig bedeutenden Tiefpunkt, so daß wir uns nach wie vor in Zurückhaltung üben würden.

          Die führenden Indizes haben einigen technischen Schaden erlitten und sich rasch von ihren jüngsten, im August markierten zyklischen Höchstständen entfernt. Bei seinem Tagestief von 1.168,20 Punkten am Donnerstag, den 13. Oktober, hatte der S&P 500 gegenüber seinem Schlußhoch am 3. August (1.245,04) 6,2 Prozent eingebüßt. Beim Nasdaq Composite Index betrug das Tagestief am vergangenen Donnerstag 2.025,58 Punkte, womit sich der Index um 192,57 Punkte bzw. 8,7 Prozent von seinem Schlußhoch am 2. August (2.218,15) entfernt hatte. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor unterdessen 10,9 Prozent gegenüber seinem Höchststand im August, der Oil Service Index gab im Wochenverlauf um fast 15 Prozent nach, und der Housing Index verzeichnete gegenüber seinem Schlußhoch Ende Juli einen Rückgang von mehr als 100 Punkten bzw. 17,3 Prozent.

          Anzeichen für einen Bärenmarkt sind auszumachen

          Das Kursgemetzel hat auch die Small Caps nicht verschont. Der Russell 2000 lag gegenüber seinem Schlußhoch Anfang August mit mehr als 10,7 Prozent im Minus. Die Schwäche im Markt ging dabei in erster Linie von Bereichen aus, die ansonsten Stärke beweisen, was in unseren Augen kein gutes Zeichen ist.

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          Unsere technischen Analysen deuten darauf hin, daß im früheren Verlauf dieses Jahres ein Bärenmarkt einsetzte - ein Prozeß, der sich sehr langsam herausgebildet hat - und sich viele Indizes mittlerweile in ihrer ursprünglichen Abwärtsphase befinden. In der Vergangenheit haben sich Markthochs nicht von heute auf morgen herausgebildet. Denn in der Regel ist es nie so, daß Aktien, Sektoren und Indizes alle zur gleichen Zeit ihren Höhepunkt erreichen. Wie sich feststellen läßt haben viele der oben genannten Indizes ihren Spitzenstand während der Sommermonate markiert. Der Dow Jones Industrials und der Dow Jones Transportation Index erreichten ihre Spitze jedoch bereits im März, während der Höchststand des Philadelphia Bank Index im Dezember 2004 war und damit noch weiter zurückliegt. Diese Nonconfirmations, bei denen einige Indizes ihren Höchststand früher erreichen als andere, sind Teil des Prozesses eines Bullenmarkt-Hochs sowie eines von vielen Merkmalen, die eine Hausse in fortgeschrittenem Stadium kennzeichnen.

          Im vergangenen Jahr konnte auf Ebene der internen Indikatoren eine ziemliche Verschlechterung beobachtet werden. Davon abgesehen kommt es recht häufig vor, daß technische Indikatoren ihren Höhepunkt erreichen, noch lange bevor die führenden Indizes ihren Rückzug antreten (mitunter gibt es Vorlaufzeiten von zwölf bis 18 Monaten). Der jährliche Rate-of-Change-Indikator (ROC) im S&P 500 verzeichnete zum Beispiel während des zyklischen Bullenmarktes seinen höchsten Stand von 36 Prozent im Februar 2004. Seit dieser Zeit hat der S&P 500 höhere Kurshochs markiert, während der jährliche ROC nicht einmal in die Nähe seines Februar-Höchststands kam. Dieser langfristige Indikator gehört damit zu den vielen, die in bezug auf die Kursstärke eine eindeutige negative Divergenz aufgebaut haben.

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