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Aktienmärkte : Stockpicker sieht Dax klar unter der fairen Bewertung

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Mit Deutschland-Fonds spitze: FPM-Manager Wirth Bild: FPM

Der Dax ist zeitweise unter die Marke von 3.900 Punkten gerauscht - und damit klar unterbewertet, wie Fondsmanager Martin Wirth (FPM Stockpicker Germany) meint. Erst bei mehr als 5.000 Punkten würde er nachdenklich.

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          Der deutsche Aktienmarkt erlebt am Donnerstag den herbsten Einbruch seit Mai vergangenen Jahres, als er an einem Tag 4,6 Prozent einbüßte. Der Dax hat zum Teil mehr als 165 Punkte oder 4,16 Prozent abgegeben und ist im Zuge dessen zeitweise sogar unter die Marke von 3.900 Punkten gerauscht. Noch schlimmer beutelt es den TecDax, der bisher seit dem Ende der Baisse die stärkste Wertsteigerung gesehen, aktuell aber um sechs Prozent schwächer notiert als am Mittwoch. Relativ am besten hält sich der MDax, der 3,3 Prozent verliert, aber ebenso wie der technologieorientierte Index nun charttechnisch angeschlagen ist ().

          Begleitet wird dieser Einbruch von Andeutungen der Europäischen Zentralbank, europäische Aktienmärkte seien überbewertet. Diese Einschätzung kann Martin Wirth von Frankfurt Performance Management, einer der beiden Manager des seit drei Jahren mit Abstand erfolgreichsten Deutschland-Aktienfonds FPM Stockpicker Germany Fund, nicht teilen. Aus seiner Sicht ist der Dax aktuell klar unterbewertet. 4.000 Punkte sieht er als „unteren Rand für die fairen Bewertung“ an, wie er im Gespräch mit FAZ.NET sagte. Dagegen sei der amerikanische Aktienmarkt deutlich höher bewertet. Deshalb verstehe er, wenn dort die Kurse abwärts tendierten. Insofern orientiere sich der deutsche Aktienmarkt mit Blick auf die aktuelle Entwicklung zu sehr an der Wall Street.

          „Viele Aktien weiter attraktiver als deutsche Staatsanleihen“

          Wirth knüpft seine Einschätzung der fairen Bewertung des deutschen Aktienmarkts an die gegebenen Rahmenbedingungen. Dazu zählt das vergleichsweise niedrige Zinsniveau. Dieses wird indes nach seiner Einschätzung bis auf weiteres fortbestehen, auch wenn Bundesbank-Präsident Ernst Welteke gesagt hat, Ölpreise und niedrigerer Euro deuteten höhere Zinsen an. „Das sieht der Bondmarkt gerade anders. Zudem ist eine steigende Inflation eine wesentliche Bedingung für steigende Zinsen, und ich weiß nicht, wo die herkommen soll.“ Schließlich dämpft der weiter niedrige Dollarkurs die Importpreise, und die Nachfrage von Konsumenten ist schwach, wie die EZB selbst festgestellt hat. Wirth meint, der Anleihemarkt liege angesichts dessen mit seiner Sicht der Lage nicht falsch.

          Mithin dürfte die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen als möglicher Alternative zu Aktien weiter um vier Prozent pendeln und damit auf niedrigem Niveau, wie der Mehrjahresvergleich zeigt. Und dies spreche für die Dividendenpapiere, denn es gebe eine ganze Reihe von Aktien mit einer deutlich besseren Jahresrendite. Dabei sei die Bewertung gerade von Unternehmen im Dax, die frisch berichtet und die Erwartungen übertroffen haben, nicht hoch. Wirth nannte als Beispiele RWE, Eon und auch die Deutsche Telekom, bei der er den freien Cashflow von zuletzt acht Milliarden Euro und den erwarteten freien Cashflow von jeweils gut sechs Milliarden Euro in den nächsten Jahren hervorhob. RWE und Eon seien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa zehn gewiß nicht hoch bewertet, und in der zweiten Reihe gebe es mit Titeln wie Freenet oder Celesio eine Reihe von unterbewerteten Papieren. Celesio habe derzeit ein KGV von 13, während diese Kennziffer in den vergangenen Jahren zum Teil deutlich über 20 gelegen habe.

          Aktuelle Entwicklung eine „technische Veranstaltung“

          Auf mehr Abstand zum deutschen Aktienmarkt zu gehen, sieht er auch aus anderen Gründen nicht als sinnvoll an. „Das Schlimmste, was passieren kann, sind euphorische Anleger und Unternehmen sowie hohe Bewertungen. Das ist aber alles nicht gegeben“, meint Wirth. In den Markt sei Skepsis zurückgekehrt. Unternehmen prognostizierten eher vorsichtig als zu optimistisch. Viele lieferten trotz der schleppenden Konjunktur höhere Gewinne als erwartet. Und die Europäische Zentralbank tue nichts, um die nach ihrer eigenen Einschätzung reiche Liquidität zu verknappen.

          Die aktuelle Entwicklung am deutschen Aktienmarkt sieht Wirth als „technische Veranstaltung“ an, bei denen Verluste den Fall unter Stop-Loss-Marken hervorrufen und zu weiteren Verlusten führen. So etwas habe es zuletzt ausgeprägt im September gegeben, als der Markt um rund 15 Prozent abgesackt sei. „Nach zwei Wochen war diese Veranstaltung wieder beendet.“

          Angesichts dessen geht der Fondsmanager davon aus, daß sich der deutsche Aktienmarkt wieder erholt. Für 4.500 Punkte sei der Dax in diesem Jahr auf jeden Fall noch gut. Aus heutiger Sicht sollte er aber nicht deutlich über 5.000 Punkte steigen, weil er sich andernfalls zu sehr von seiner fairen Bewertung entfernte.

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