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Aktienmärkte : Korrektur oder nicht - das ist die Frage

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Bild: Sentix

„Wir erleben nur eine gesunde Korrektur“ - so oder so ähnlich lassen sich die Reaktionen der Mehrheit der Anleger auf die jüngsten Kursverluste an den Börsen zusammenfassen. Vielleicht wollen sie die Realität einfach nicht wahrhaben.

          „Wir erleben nur eine gesunde Korrektur“ - so oder so ähnlich lassen sich die Reaktionen der Mehrheit der Anleger auf die Kursverluste an den Börsen in den vergangenen Tagen zusammenfassen.

          Auf den ersten Blick scheint sich auch nicht viel geändert zu haben. Das globale Wachstum scheint robust zu sein, die Bewertungen sehen angesichts der vielfach linear aus der Vergangenheit in die Zukunft extrapolierten Gewinnprognosen vernünftig aus und angesichts der Preis- und Zinstrends in den vergangenen Jahrzehnten scheint niemand so richtig an ein nachhaltiges Inflationsproblem zu glauben.

          Widersprüche: Erwartungen und Positionierung

          Auf der anderen Seite zeigen Umfragen klar, daß für die Kursverluste die Unsicherheit über die Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank, Inflations- und Konjunktursorgen, die hohen Rohstoffpreise und nicht zuletzt auch die aufkommende Volatilität am Devisenmarkt verantwortlich gemacht werden. Das heißt, die Erwartungen scheinen widersprüchlich zu sein.

          Auch die Charts widersprechen dem vielfach geäußerten Optimismus. Sollte der Dax jetzt unmittelbar neue Tiefs unter 5.588 Punkten erreichen und das, ohne zuvor eine nennenswerte Erholung gezeigt zu haben, so argumentieren Charttechniker, wären weitere Kursverluste sehr wahrscheinlich. Wollten die Anleger so weiter machen wie bisher, so machen das die komplexen Reaktionsmuster der Märkte in aller Regel nicht ganz so einfach. Denn eine Korrektur sei in der Regel erst dann beendet, wenn die Angst über weitere Kursverluste die Kauflust nachhaltig beeinträchtigt hat, argumentieren andere.

          Davon kann im Moment aber noch nicht die Rede sein. Vor allem die Profis scheinen sich allzu sicher. „Möglicherweise spiegelt sich in der „Sicherheit“ eine selektive Wahrnehmung und kognitive Dissonanz,“ so die Analysten von Sentix. „Gelingt dem Markt kein überzeugendes Comeback durch diese Käufe, wird die zweite Welle nicht minder unangenehm,“ erläutern sie weiter und deuten auf diese Weise die Möglichkeit für weitere Kursverluste an.

          Liquidität wird abgeschöpft

          Zu dieser Beobachtung passen auch die favorisierten Branchen. Denn Pharma- und Telekommunikationswerte liegen als defensive Instrumente in der Gunst weit vorne, während Technologieaktien nicht gerade auf Gegenliebe stoßen. Auch diese Positionierung widerspricht faktisch zu großem Optimismus.

          Insgesamt stellt sich die Frage, ob sich nicht doch fundamental mehr verändert hat, als man wahrhaben möchte. Dabei dürfte sich der Blick auf die Zentralbanken richten. Sie sind dabei, die üppige Liquidität weltweit abzuschöpfen. Gerade diese hatte in den vergangenen Jahren in Verbindung mit tiefen Zinsen die Entwicklung beflügelt. So läßt sich fragen, ob nicht alleine schon eine restriktivere Geldpolitik den Preisauftrieb bei den Vermögenswerten ausbremsen kann und muß, um Übertreibungen und Ungleichgewichte zu vermeiden oder abzubauen.

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