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Aktienhandel : In Millisekundenschnelle

  • Aktualisiert am

Aktienhandel der Gegenwart: Viel Technik und etwas Wartung durch den Menschen Bild: dpa

Der Computer ersetzt an der Börse immer häufiger den Menschen. Algorithmischer Handel macht 40 Prozent des Handels aus. Automatisch gleichen Algorithmen die Kurse an - schneller, als ein Mensch es könnte.

          3 Min.

          Der algorithmische Handel erlangt an den Börsen ein immer größeres Gewicht. Auf dem elektronischen Handelssystem Xetra macht er schon 40 Prozent aller Handelsaktivitäten aus. Die Tendenz ist steigend.

          Unter algorithmischem Handel sind jene Wertpapieraufträge zu verstehen, die auf der Basis von Computermodellen ohne menschliches Eingreifen aufgegeben werden. Die Rechenmaschinen sind so programmiert, dass sie bei bestimmten Szenarien am Aktienmarkt eine bestimmte Aktie in einer bestimmten Menge kaufen oder verkaufen. Ein lebender Händler hat damit unmittelbar nichts mehr zu tun.

          Hauptsache, es ist etwas los

          Auch spielt die generelle Stimmung an der Börse keine Rolle. „Uns ist es am liebsten, wenn es an der Börse hoch hergeht, ob die Kurse steigen oder nicht, spielt dabei keine Rolle“, sagt Timo Wagner, Geschäftsführer der International Algorithmic Trading GmbH (IAT). Im einfachsten Fall profitiert sein Unternehmen von einem Kursunterschied derselben Aktie an zwei Börsen. Kostet eine Daimler-Aktie in Frankfurt beispielsweise 4 Cent mehr als in Mailand, sorgt das Computerprogramm augenblicklich dafür, dass in Frankfurt Daimler-Aktien verkauft und in Mailand Daimler gekauft werden, bis sich die Preise angeglichen haben.

          „Die Risiken sind größer geworden”

          Etwas komplizierter sind die Algorithmen auf bestimmte statistische Auffälligkeiten: Aus historischen Daten lässt sich womöglich erkennen, dass der Kursverlauf einer Aktie in einem engen Verhältnis zum Gesamtmarkt steht. Steigt zum Beispiel der Dax-Future kurzfristig schnell an und der Kurs der Siemens-Aktie ist noch unverändert, wird diese häufig bald darauf auch einen Anstieg erfahren. Das Computerprogramm sorgt unmittelbar für den Kauf.

          Zehn Millisekunden sind eine Ewigkeit

          Da viele Händler statistische Auffälligkeiten beobachten, kommt es beim Handel auf jede Millisekunde an, weil die erwartete Reaktion sonst eintritt, bevor der Computer reagiert hat. Die nahe Hamburg beheimatete IAT hat deshalb 30 Hochleistungs-Server direkt an der Börse in Frankfurt aufgestellt. „Der Wertpapierauftrag braucht etwa eine Millisekunde auf 100 Kilometer“, erklärt Wagner.

          „Bis Hamburg und zurück gingen uns so etwa 10 Millisekunden verloren, das ist zu viel.“ Die Deutsche Börse selbst braucht für die Ausführung und Bestätigung einer Order noch ungefähr 15 Millisekunden - es soll bald noch schneller gehen. IAT investiert etwa 65.000 Euro monatlich in seine Computertechnik, weitere 25.000 Euro kommen für Neuanschaffungen hinzu.

          Handeln statt analysieren

          Ihre Gewinne erwirtschaften die allein auf computergesteuerten Handel setzenden Händler nicht dadurch, dass sie das Geschäftsmodell eines Unternehmens für langfristig erfolgreich halten, sondern weil sie ihr Computermodell richtig programmiert haben. „Bei einer Allianz-Aktie beträgt unsere Gewinnspanne durchschnittlich 5 Cent je Aktie“, sagt Wagner. Das sind gerade mal knapp 0,04 Prozent des aktuellen Kurses von knapp 134 Euro.

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