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Aktienfonds : Viele Wege führen Brasilien-Fonds zum Erfolg

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Petrobras ist in Brasilien-Fonds die wichtigste Aktie Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Zu den besten Fonds der vergangenen Monate gehören die drei Brasilienfonds von iShares, HSBC und EMIF. Alle drei Fonds verfolgen unterschiedliche Strategien - und haben stark unterschiedliche Kosten.

          3 Min.

          Investmentstories haben es an sich, daß sie bisweilen zügig wechseln. Andere halten sich dagegen dauerhaft. Zu den Stories, die sich bislang haben gut halten können, gehört BRIC, das Zauberwort der vergangenen Monate für Kursgewinne und Rendite.

          Rendite gab es zum Beispiel in den vergangenen Monaten recht viel mit Brasilienfonds. Ob über einen Monat, sechs Monate oder ein Jahr - Fonds, die auf Aktien aus dem Mutterland des Samba setzen, hatten mit Wertzuwächsen von 15, 62 und 97,5 Prozent die Nase vorn. Lediglich über drei Monate mußten sie sich hinter Türkei- und Gold-Fonds mit Platz Drei bescheiden.

          Brasilianischer Aktienmarkt auf Allzeithoch

          Naturgemäß ist die Auswahl in einem so engen Anlagefeld nicht übermäßig groß. Lediglich drei aktiv gemanagte Fonds und ein ETF tummeln sich hier. Dabei muß man den von der SEB verwalteten und von Aquila Capital vertriebenen Osprey Brasilien Inside Fonds gleich außen vor lassen. Denn dieser Fonds wurde erst am 30. November aufgelegt und Daten über die Wertentwicklung sind noch nicht veröffentlicht.

          Bild: FAZ.NET

          Die gute Wertentwicklung ist allerdings kaum verwunderlich. Denn der brasilianische Aktienmarkt befindet sich seit nunmehr drei Jahren in einem steilen Aufwärtstrend. Der Bovespa-Index schloß am Mittwoch auf einem Allzeithoch von 38.484,84 Punkten - 285 Prozent höher als vor drei Jahren. Im vergangenen Jahr brachte es der Index auf ein Plus von 42,4 Prozent, der Dax „nur“ auf 27,1 Prozent.

          Während der Bovespa für den EMIF-Fonds der belgischen KBC die Benchmark darstellt, orientieren sich die beiden anderen Fonds am MSCI Brazil Index, der sich in den vergangenen drei Jahren auf Dollarbasis verfünffachte und es im vergangenen Jahr auf ein Plus von 50 Prozent brachte.

          Lieblingsaktie Petrobras

          Ob ETF oder aktiv gemanagt, alle drei Fonds haben ein Schwergewicht: Petrobras. Mit Stamm- und Vorzugsaktien macht sie am ishares MSCI Brazil Fund fast ein Viertel des Volumens aus. In beiden anderen Fonds kommt sie auf eine Gewichtung von etwas über acht Prozent.

          Indes ist die Aktie der brasilianischen Ölfirma in den vergangenen Monaten nicht mehr gut gelaufen. An den deutschen Börsen gaben die ADRs seit Oktober mit dem Ölpreiseinbruch um fast 30 Prozent, in New York um 25 Prozent nach.

          Besser gelaufen ist die Aktie des Bergbau- und Logistikkonzerns Vale do Rio Doce, gemeinsam mit Petrobras das größte Unternehmen Brasiliens. Seit Börseneinführung im Herbst 2004 haben sich die ADRs auf Stämme und Vorzüge mehr als verdoppelt und notieren auf Allzeithochs. Im indexnachbildenden iShares-Fonds machen sie fast 17 Prozent aus, so daß die beiden größten brasilianischen Unternehmen in dem indexorientierten ETF mit 41,7 Prozent deutlich übergewichtet sind. Im EMIF-Fonds machen sie dagegen nur 16,4 Prozent aus.

          HSBC setzt auf den Zuckerpreis

          HSBC setzt neben Petrobras eher auf kleinere Werte. So machen die außer Petrobras neun größten Positionen 48, 34 Prozent dieses Fonds aus - im iShares sind sie jedoch lediglich mit insgesamt 2,88 Prozent gewichtet. Mit dem Top-Wert Cosan setzt HSBC-Manager Luiz Ribeiro auf den steigenden Zuckerpreis. Cosan ist nach eigenem Bekunden der größte Pflanzer und Verarbeiter von Zuckerrohr auf der Welt.

          Das EMIF-Team setzt dagegen eher auf größerer Werte und hat mit der Banco Bradesco den zweitbesten Wert des vergangenen Jahres im Bovespa im Depot - mit Usiminas allerdings auch einen deutlich zurückgebliebenen.

          Ob Brasilienfonds weiter so ertragreich sein werden, muß man indes ein wenig hinterfragen. Denn zum einen profitierten die Fonds bislang auch vom starken Real. Die südamerikanische Währung hat in den vergangenen drei Jahren rund 57 Prozent aufgewertet und im vergangenen Jahr um 14 Prozent.

          Der starke Real wird zum Kernproblem

          Dieser Renditetreiber könnte in diesem Jahr wegfallen, sich möglicherweise sogar ins Gegenteil verkehren. Denn Präsident Lula will die Wirtschaft des Landes wieder auf verstärkten Wachstumskurs bringen, nachdem das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr nur noch um geschätzte 2,2 Prozent zulegte. Dafür riskiert er auch eine verstärkte Inflation.

          Und er hat die Rückendeckung der Zentralbank, die bereits seit einiger Zeit versucht, den Real zu schwächen, weil dieser die Exporte verteuert. Daher stehen die Zeichen auch eher auf weiteren Zinssenkungen. Auf der anderen Seite befürchten einige Analysten, daß ein weiter starker Real früher oder später zulasten der Exporte und des Wachstums geht. So fielen die Exporte im Januar mit 9,27 Milliarden Dollar auf den niedrigsten Stand seit neuen Monaten.

          Im Januar gab es auch einige Anzeichen, die für eine schwächere Entwicklung der Währung sprechen könnten. So fielen die Netto-Dollarzuflüsse nach Brasilien um 30 Prozent. Indes war 2005 in dieser Hinsicht ein Rekordjahr seit 1992.Auch die Entwicklung bei Petrobras konnte zuletzt nicht so recht überzeugen

          Stark unterschiedliche Kosten

          Auf der Kostenseite spricht einiges für den iShares-Indexfonds. Dagegen stört die sehr hohe Gewichtung von Petrobras und Vale do Rio Doce, die sich auch in der vergleichsweise schwächeren Wertentwicklung in den vergangenen Monaten niederschlägt.

          Noch vergleichsweise günstig ist mit einem Ausgabeaufschlag von drei Prozent und einer Managementgebühr von jährlich 1,5 Prozent der EMIF-Fonds. Doch dieser Fonds hatte in der Vergangenheit die schwächste Wertentwicklung.

          HSBC kommt auf die beste Entwicklung im vergangenen Jahr, berechnet aber einen stolzen Ausgabeaufschlag von 5,54 Prozent und eine Managementgebühr von jährlich 1,75 Prozent.

          Auch der Osprey Fonds berechnet neben fünf Prozent Ausgabeaufschlag jährlich eine Managementgebühr von 1,7, eine Depotbankgebühr von 0,25 sowie eine Vertriebsstellenvergütung von maximal 0,6 Prozent. Zudem wird eine Performancegebühr von 15 Prozent des Wertes fällig, um den die Wertentwicklung eines Quartals den Drei-Monats-Euro-Libor übersteigt. Insofern braucht der Fonds angesichts einer noch unbekannten Wertentwicklung gute Argumente für sich.

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