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Aktienfonds : „Türkische Aktien können schnell 20 bis 30 Prozent zulegen"

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Der Dialog mit der EU beflügelt die türkische Börse Bild: EPA

Die jetzt von der EU beschlossene Aufnahme von Beitrittsverhandlungen hat den türkischen Aktienmarkt zuletzt auf neue Rekorde getrieben. Aufbauend auf der EU-Perspektive blicken Türkei-Fondsmanager optimistisch nach vorne.

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          Das Thema EU-Beitritt ist momentan das Thema, welches die Kurse am türkischen Aktienmarkt bewegt. Und das dürfte auch so bleiben, nachdem sich die EU-Kommission zur Wochenmitte zugunsten einer Empfehlung zur Aufnahme von Verhandlungen über einen Beitritt zur Europäischen Union ausgesprochen hat. Dem 06. Oktober könnte somit rückblickend eine große Bedeutung mit Blick auf die weitere Entwicklung an der türkischen Börse zukommen.

          Wie wichtig das Thema ist, läßt sich unschwer an der Entwicklung des ISE National 100 ablesen. Der Aktienindex hat seit Mitte Mai in der Spitze um rund 38 Prozent zugelegt und notiert in Landeswährung gerechnet auch aktuell nahe an seinem Rekordhoch. Zentraler Kurstreiber war dabei neben volkswirtschaftlichen Fortschritten die Aussicht auf die Aufnahme von EU-Beitrittsgesprächen, nachdem davon inzwischen allgemein ausgegangen wird.

          Auf die EU-Perspektive kommt es an

          Auch den auf die Türkei spezialisierten Aktienfonds ist die positive Kursentwicklung zu Gute gekommen. So hat der Türkei 75 Plus (ISIN: LU0093368008) von der Ceros Vermögensverwaltung AG seit Jahresanfang um über 30 Prozent zugelegt. Und auch der Espa Stock Istanbul (ISIN: AT0000704341) von der Erste Sparinvest kommt fast auf ein Plus von 30 Prozent.

          Vertraut man auf Harald Gallob, Co-Fondsmanager des Espa Stock Istanbul, dann ist die in den ersten neun Monaten erzielte Performance nun möglicherweise sogar in den nächsten drei Monaten drin. „Nach dem positiven EU-Votum kann ich mir einen Anstieg zwischen 20 und 30 Prozent im vierten Quartal durchaus vorstellen“, lautet seine Botschaft.

          Allerdings komme es nicht nur auf die Aufnahme von Gesprächen an, sondern auch darauf, welche Bedingungen daran geknüpft werden. Denn dies könne die Haltung der türkischen Anleger, die für rund 90 Prozent der Handelsumsätze stehen, entscheidend mitbeeinflussen. Können sie aber mit den Bedingungen leben, sei nach dem Auslaufen der momentan zu beobachtenden Korrektur ein schneller Anstieg zu erwarten.

          Auto- und Bankaktien bleiben gefragt

          Um von dieser erwarteten Entwicklung richtig zu profitieren, rät Gallob zu Aktien mit einem hohen Beta, also Titeln, die bei Kursgewinnen am Gesamtmarkt typischerweise noch stärker steigen. Dazu zählen laut Gallob traditionell die Banken, aber auch die Exportwerte. Da die Yapi Kredit Bank und der Autobauer Ford Otosan ein hohes Beta mitbringen und zudem mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von sechs bzw. acht auf Basis der für 2005 geschätzten Gewinne günstig bewertet seien, zählen diese beiden Titel zu seinen Favoriten.

          Mit dem Autoproduzenten Tofas setzt Mike Bayer, Fondsmanager des Türkei 75 Plus, ebenfalls aus Bewertungsgründen auf einen Autokonzern. Allerdings zieht er Tofas gegenüber Ford Otosan vor, weil das Unternehmen stärker binnenorientiert sei und somit stärker von der stark wachsenden Wirtschaft profitiere. Auch mit dem Bankensektor kann Bayer etwas anfangen, wobei ihm kleinere Institute, wie etwa die Disbank, am besten gefallen.

          Anders als Gallob gibt sich Bayer mit Blick auf die kurz- und mittelfristigen Kursperspektiven aber etwas reservierter. Er kann sich vorstellen, daß die verkündete Empfehlung zur Aufnahme von EU-Verhandlungen für die Börse zu einem Non-Event wird. Alles entscheidend ist für ihn erst der Dezember, wenn endgültig über grünes Licht in Sachen EU-Verhandlungen entschieden wird. Im Falle eines positiven Votums könne man dann relativ optimistisch in das Jahr 2005 gehen. „Die Türkei würde dann langsam zu einem Konvergenzspiel. Und was die EU-Perspektive an anderen Börsen bewirkt hat, weiß man ja zur Genüge.“

          Ganz risikofrei ist ein Engagement an der türkischen Börse aber natürlich nicht. Wie Bayer zu bedenken gibt, handelt es sich noch immer um ein Schwellenland und wie schnell die Stimmung an der volatilen türkischen Börse umschlagen kann, habe die Vergangenheit bereits oft bewiesen.

          Stattliche Wertzuwächse in drei Jahren

          In den vergangenen Jahren stimmt aber der Trend, wie sich auch an der Performance des Espa Stock Istanbul ablesen läßt. Der Fonds hat es laut Berechnung von Standard & Poor´s in den vergangenen drei Jahren auf ein Plus von rund 150 Prozent gebracht und dabei den Vergleichsmaßstab klar geschlagen. Wer einen langen Atem bewiesen hat, wurde also für die manchmal volatilen Kursausschläge reichlich belohnt.

          Geht es nach den Fondsmanagern bei Baring Asset Management dann soll sich dieser Mut auch künftig lohnen. Denn basierend auf dem starken Wachstum beurteilen auch sie die Investmentaussichten für die Türkei positiv und haben den Markt in ihrem Osteuropaportfolio deshalb übergewichtet.

          Ein Risikofaktor, den die Anleger aber unbedingt im Auge behalten sollten, ist die türkische Lire. Diese hat in diesem Jahr rund 15 Prozent gegenüber dem Euro an Wert verloren, was den Türkei-Fonds auf Euro-Basis gegenüber dem Vergleichsmaßstab Performance gekostet hat. Doch sowohl Gallob als auch Bayer gehen im Falle einer sich konkretisierenden EU-Perspektive von einem Abflauen der Lire-Schwäche aus.

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