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Aktienfonds : Manager von Arabienfonds hoffen auf Erholung

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Saudi-Arabiens Börsianer hoffen auf eine Erholung Bild: AP

Nach der starken Korrektur der arabischen Börsen im vergangenen Jahr hoffen die Manager des Meridio Arab World auf eine nachhaltige Erholung. Ihre Kollegen setzen weiterhin auf „Ausweichregionen“.

          3 Min.

          Glaubt man bösen Zungen, so ist die vermehrte Auflage von Fonds zu einem bestimmten Thema oder für eine bestimmte Region ein sicherer Kontraindikator für deren Chancen. Das ist auch nicht unplausibel. Bis die Chancen einer Region wahrgenommen werden und dann ein Fonds konstruiert ist, vergeht viel Zeit.

          Das könnte auch für Fonds zutreffen, die in der arabischen Welt anlegen. Dabei handelt es sich zwar nur um drei Fonds, zwei davon aber wurden im November 2006 bzw. im März 2007 aufgelegt, als die arabischen Börsen längst eingebrochen waren.

          Deutliche Einbrüche

          Der MSCI Arabian Markets hatte im Februar 2006 seinen Zenit erreicht und stürzte dann bis Ende November um mehr als die Hälfte ab. Der jordanische Börsenindex erreichte 2005 über 8.000 Punkte, 2006 waren es 5.500 Zähler. Ähnlich stark korrigierten die Börsen in Abu Dhabi, Katar, Dubai und Saudi-Arabien.

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          Das ging auch nicht spurlos an den Fonds vorbei, wenn auch den neueren Anlagevehikeln die volle Wucht der Korrektur erspart blieb. Dagegen schlug sich der Platzhirsch dieser kleinen Anlageklasse, der JP Morgan Middle East Equity insoweit gut, als Langzeit-Anleger weiterhin gute Gewinne verbuchen konnten, wenngleich der durchschnittliche Zwei-Jahres-Ertrag mit 27,6 Prozent deutlich unter der Drei-Jahres-Rendite von 36,6 Prozent zu liegen bekam, weil der Anteilspreis im Sommer 2006 um 28 Prozent abstürzte.

          Derzeit machen sich die Fondsmanager wieder mehr Hoffnungen. Die Meridio Vermögensverwaltung, die für Axxion, ein Gemeinschaftsunternehmen der PEH Wertpapier AG und der fo.con S.A. den Meridio Arab World verwaltet, glaubt, dass die Korrektur abgeschlossen ist.

          Attraktive Fundamentaldaten

          An den Märkten sei eine signifikante Bodenbildung zu verzeichnen, zudem seien die Wirtschaftsdaten gut, da die Auswirkungen des Börsencrashs auf die Wirtschaft
          begrenzt geblieben seien. Das Gewinnwachstum liege bei rund 21 Prozent, die Kurs-Gewinn-Verhältnisse seine mit 13 bis 15 wieder attraktiv. Viele große Unternehmen handelten mit einem einstelligen KGV. Tatsächlich hat sich der MSCI Arabian Markets seit seinem Tief wieder nach oben entwickelt und rund 20 Prozent zugelegt.

          Meridio setzt dabei weiter vor allem auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Dubai, wo der 12,43 Millionen Dollar leichte Fonds mit 38,1 Prozent engagiert ist. Wiederum 28 Prozent sind in Ägypten investiert, das den Crash vergleichsweise gut überstand und dessen CSE-30-Index jüngst erst ein neues Hoch erreichte. Knapp zwölf Prozent entfallen auf Katar, knapp zehn Prozent auf Jordanien und eine kleine Position auf den Libanon.

          Die Wertentwicklung war dennoch bislang nicht übermäßig. In der Fondswährung Dollar stehen 2,9 Prozent seit der Auflage im März zu Buche, in Euro sind es lediglich 0,6 Prozent. Deutlich erfolgreicher war da der in Euro denominierte Deka Middle East, der ein Plus von 17,4 Prozent verzeichnete, während es JP Morgan in Dollar auf 11,7 und in Euro auf 9,7 Prozent brachte.

          Deka und JP Morgan setzen auf Türkei, Israel und Ägypten

          Anders als Meridio aber setzt die Deka auch auf Aktien von Unternehmen, die ihren Sitz in den nordafrikanischen Mittelmeeranrainerstaaten sowie den Staaten der ehemaligen Sowjetunion haben. Und so ist auch ein Drittel des Fondsvolumens von 13,6 Millionen Euro in der Türkei und knapp ein Fünftel in Israel angelegt. Ägypten ist mit 17 Prozent vertreten, sogar die Niederlande mit 5,5 Prozent und die Ukraine mit drei Prozent. Arabische Länder im engeren Sinne verschwinden im Anteil der „Sonstigen“ von 10,5 Prozent.

          Ähnlich sieht es auch mit dem JP-Morgan-Fonds aus, der zu knapp 32 Prozent auf die Türkei, zu 27 Prozent auf Ägypten und zu 25 Prozent auf Israel setzt, während Jordanien lediglich mit fünf, die Vereinigten Arabischen Emirate mit 2,2 und der Oman mit einem Prozent vertreten ist.

          Hier zeigt sich abermals, dass eine enge geografische Fokussierung ihre Nachteile hat. Denn der Meridio-Fonds setzt voll auf die arabische Halbinsel. Hauptmärkte sind laut Beschreibung vor allem die Staaten des Golfkooperationsrates, also Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain, Katar, Oman und die Vereinigte Arabischen Emirate sowie Ägypten, Jordanien und der Libanon. Damit hat der Meridio-Fonds erheblich weniger Ausweichmöglichkeiten.

          Zwar kann er möglicherweise von einer überproportionalen Erholung in höherem Umfang profitieren, während die anderen Fondsmanager erst umschichten müssen. Angesichts der kurzen Fondshistorie wäre das indes noch unter Beweis zu stellen.

          Allerdings konstatierten auch die Deka-Manager im Mai erfreut, dass die Börsen des Gebietes des Golfkooperationsrates außerhalb Saudi-Arabiens im Durchschnitt zweistellige Kursgewinne verzeichneten, so dass die Chancen anscheinend gegeben sind.

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