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Aktienfonds : Geld verdienen mit Übernahmekandidaten

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Für Ofi Cible ein Übernahmekandidat: Commerzbank Bild: dpa/dpaweb

Mit dem Auftrag, nach Übernahmekandidaten in Europa zu suchen und deren Aktien zu kaufen, ist der Fonds Ofi Cible 1997 in Frankreich aufgelegt worden. Seitdem hat er seinen Vergleichindex zumeist geschlagen. Jetzt ist er auch in Deutschland zu haben.

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          Thierry Pauwels fällt bei seiner ersten Rede als Manager des französischen Aktienfonds Ofi Cible in Deutschland gleich mit der Tür ins Haus. Den Vorwurf, er werbe unter allen Umständen für sein Produkt, kann man ihm nicht machen. „Wenn Sie nicht glauben, daß Zusammenschlüsse und Zukäufe von Firmen in Europa in den nächsten Jahren für Mehrwert sorgen werden, dann sollten Sie nicht in diesen Fonds investieren“, sagt er gleich zu Beginn.

          Und nennt im gleichen Atemzug das wesentliche Wesensmerkmal des Ofi Cible: Das „Flaggschiff“ der von Großbanken unanhängigen Fondsgesellschaft Ofivalmo aus Paris setzt gezielt auf mögliche Übernahmekandidaten. Mit dem Auftrag, entsprechende Firmen herauszufiltern und deren Aktien zu kaufen, ist der Aktienfonds im März 1997 an den Start gegangen - und zwar als erster seiner Art in Frankreich, wie Ofivalmo berichtet.

          Mit diesem Ansatz ist der Fonds eine Seltenheit. Zwar habe er Nachahmer im Heimatland gefunden. Aber in Deutschland ging es nicht viele Fonds zu kaufen, die sich entsprechend ausgerichtet haben. Der Präsentation beiwohnenden Dachfondsmachern von SEB fällt lediglich der britische M&G Recovery ein, der mit europäischen Titeln in den vergangenen fünf Jahren ein Plus von 8,3 Prozent erwirtschaftet hat und in den jüngsten zwölf Monaten um 26,1 Prozent hochgelaufen ist. Hinzu kommt noch ein ähnlicher Fonds von JP Morgan.

          Kaum vergleichbare Fonds auf dem Markt

          Allerdings setzen diese Fonds auf Unternehmen mit Chancen auf wirtschaftliche Erholung - das müssen nicht unbedingt Übernahmekandidaten sein. In den Fällen BP, Royal Dutch/Shell und Vodafone, die sich im M&G-Fonds finden, dürfte sogar kaum der Fall sein, eher handelt es sich bei diesem Unternehmen um mögliche Übernehmer. Der JP Morgan-Fonds hat zudem auch amerikanische Aktien im Portfolio. Insofern handelt es sich bei dem gut 660 Millionen Euro schweren Ofi Cible, der seit wenigen Wochen für den Vertrieb in Deutschland zugelassen ist, um einen interessanten Neuzugang (ISIN: FR 00 00 98 29 02).

          Zumal er sich seit Auflegung sehr gut entwickelt hat. Bisher steht ein Plus von 170 Prozent zu Buche. In den vergangenen fünf Jahren ist ein Kursgewinn von fast elf Prozent erreicht worden, während der Vergleichsindex Dow Jones Stoxx 600 fast 21 Prozent gefallen ist. Daß der Fonds ausgerechnet in den vergangenen Monaten der Benchmark hinterher hinkt und der seit Jahresbeginn erzielte Wertzuwachs von rund 14 Prozent und etwa vier Prozentpunkte unter dem Index liegt, verschweigt die Fondsgesellschaft indes nicht. Vielmehr spricht Pauwels dieses Problem direkt an.

          Zwei Fehler habe man gemacht: erstens Übernahmekandidaten wie Antonveneta zu früh verkauft zu haben, nämlich nach dem Erreichen des selbst errechneten fairen Werts, wie es sich nach der Investment-Philosophie des Fonds gehört; und zweitens zuwenig auf den Sektor Öl & Gas sowie nicht ausreichend auf Osteuropa geschaut zu haben, wo es eine Reihe interessanter Übernahmen gegeben habe. Zudem habe der Fonds eigentlich günstige Titel wie Marks & Spencer, BG Group und Casino zu früh erworben zu haben, wie sich im Nachhinein mit Blick auf die Performance gezeigt habe. Umgekehrt habe der Fonds von Käufen der Aktien der Commerzbank, AMB Generali, Rolls-Royce und Volkswagen stark profitiert.

          Neues Fondsmanagement seit Juni

          Grundsätzlich sieht Pauwels ein gutes Umfeld für weitere Firmenzusammenschlüsse und vor allem Übernahmen. Denn viele Unternehmen, vor allem Ölkonzerne und Energieversorger, hätten viel Geld in der Kasse und nach dem Abbau von Schulden recht geringe Verbindlichkeiten. Zudem träten Konzerne aus Schwellenländern, vor allem aus China, verstärkt als potentielle Käufer auf.

          Mögliche Übernahmekandidaten findet der seit Juni für Ofivalmo tätige Pauwels nach eigenen Angaben nicht aufgrund von unter Marktteilnehmern umlaufenden Spekulationen. „Ich kaufe keine Gerüchte“, hebt er hervor. Vielmehr fahnde er in Europa nach wirtschaftlichen gesunden Firmen mit Wachstumsperspektive, einer Marktkapitalisierung von wenigstens 50 Millionen Euro und ausreichender Liquidität der Aktien. Gekauft hat er in jüngster Zeit unter anderem den Energiewert BG Group, die in Asien stgark vertretene Bank Standard Chartered und den französischen Nahrungsmittelriesen Danone. Größte Position im Fonds ist STMicrosystems vor BG Group und Commerzbank.

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