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Aktienfonds : DWS Sterne Europa setzt auf dynamische Rand-Märkte

  • Aktualisiert am

Die Börsen von Finnland, Griechenland, Österreich oder Schweden laufen besser als die großen europäischen Märkte. Davon will der neue Fonds DWS Sterne Europa profitieren, der Aktien aus diesen Ländern und aus Osteuropa vereint.

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          Die 315 Produkte zählende und mithin ziemlich unübersichtliche Gruppe der Europa-Aktienfonds erhält Zuwachs: Zum 30. Mai kommt der DWS Sterne Europa auf den Markt. Dieser Fonds (WKN: 515 237) vereinigt vor allem Standardwerte kleinerer europäischer Börsen auf sich und hat deshalb Seltenheitswert.

          Die größten Anteile entfallen auf Schweden, Österreich, Norwegen und Griechenland. Auch Titel aus Irland, Osteuropa, Belgien und Finnland sind recht stark gewichtet. Zudem engagiert sich der Fonds in Randmärkten wie Island, Lettland und der Slowakei. Bei den Branchen haben Finanzen, die fast ein Drittel des Portfolios ausmachen, die Nase deutlich vorn vor dauerhaften Konsumgütern, Telekommunikation und Energie.

          Die DWS legt den Fonds nicht von ungefähr auf: Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind nicht nur politisch die tonangebenden Staaten in Europa. Auch ihre Börsen stellen die größen Aktienmärkte dar. Gemessen an der Marktkapitalisierung in Euro stellen die Dax-Familie, die CAC-Gruppe und der FTSE-Block gut 58 Prozent, wobei Rußland und die Türkei eingeschlossen sind; allein die britische „Footsie“-Familie mit einem Börsenwert von 2,189 Billionen Dollar kommt auf mehr als 35 Prozent. Dagegen wirkt der österreichische Markt mit einem Anteil von 0,5 Prozent oder 31 Milliarden Dollar wie ein Winzling.

          ASE wie ATX beim Börsenwert ein Winzling, aber...

          Doch bei der Wertentwicklung läßt der durch eine gehörige Portion Osteuropa-Phantasie getriebene Wiener ATX die großen Brüder hinter sich. Binnen Jahresfrist ist er um 51 Prozent schwerer. Seit Jahresbeginn hat er trotz einer Korrektur im ausgehenden Frühjahr mehr als 13 Prozent zugelegt und knabbert am kurzfristigen Abwärtstrend. Ähnliches gilt für den griechischen ASE und den finnische OMX, die seit Anfang Januar um mehr als zehn Prozent hochgelaufen sind und mithin Dax, CAC 40 und FTSE 100 hinter sich lassen.

          Zu den Börsenstars haben auch in diesem Jahr die Märkte von Polen, der tschechischen Republik und Ungarns gehört, deren wichtigste Werte im CeCe-Index zusammengefaßt sind. Allerdings geht es mit dem CeCe seit Anfang März abwärts, sodaß lediglich ein mageres Plus von 2,5 Prozent seit Jahresbeginn zu Buche steht. Und das Institut für Wirtschaftsforschung Halle warnt vor einem spekulationsgetriebenen Boom. Die Aktienentwicklung könne kaum durch fundamentale Faktoren erklärt werden, meint das Institut.

          „Sonderkonjunkturen“ in Irland und Griechenland

          Die DWS hält mehrere Argumente dagegen und rechtfertigt dadurch den Anteil von 10,1 Prozent an osteuropäischen Titeln im Portfolio: Die stärkere Einbindung in den europäischen Binnenmarkt stütze das Wachstum über den privaten Konsum, die Exporte und die ausländischen Direktinvestitionen. Die Länder im „jungen Europa“ hätten erhebliche Standortvorteile wie niedrige Lohnkosten und flexible Arbeitsmärkte für sich. Zudem sei die politische Stabilität in Polen oder der tschechischen Republik fast so ausgeprägt wie in den westeuropäischen Ländern und fördere das Vertrauen der Investoren.

          Für Irland spreche die Sonderstellung durch sehr niedrige Unternehmenssteuern und als Standort vieler Softwarefirmen. „Dies lockt internationale Unternehmen und junge Besserverdienende ins Land“, merkt die Fondsgesellschaft an. So ist das Bruttoinlandsprodukt Irlands im vergangenen Jahr um fünf Prozent gestiegen und soll dieses Jahr um 4,8 Prozent klettern; die Börse tritt indes seit Jahresbeginn unter dem Strich auf der Stelle. Griechenland habe die Deregulierung des Finanzsystems auf seiner Seite. Dort gebe es eine „Sonderkonjunktur bei Hypothekenfinanzierungen“.

          In den wirtschaftlich relativ kleinen Ländern seien das Gewinnwachstum und zum Teil auch die Dividendenrenditen höher als in den großen Märkten. Dabei seien andererseits viele Aktien niedriger bewertet. Unter anderem dies spreche für gute Chancen auf weiteren Wertzuwachs.

          Ein Fonds zum Beimischen

          Die DWS preist ihr neues Produkt als „Beimischung in einem diversifizierten Depot“ an. Der Sterne Europa eigne sich für den erfahrenen Anleger, der um Chancen und Risiken von Aktienanlagen wisse. Der Fonds bevorzugt übrigens Aktien mit einem Börsenwert von mindestens fünf Milliarden Euro. Das trifft rechnerisch etwa für die norwegischen Ölwerte Norsk Hydro und Statoil, die Telekom Austria, den tschechischen Versorger Cez, die Allied Irish Banks oder die finnische Nokia zu. Auf welche Titel der Fonds im einzelnen setzen wird, sagt die DWS noch nicht; dies will sie erst einen Monat nach dem Debüt bekanntgeben.

          Eines ist den meisten Märkten, in denen der Fonds investieren wird, gemeinsam: Sie befinden sich entweder wie der finnische OMX 25 im Aufwärtstrend oder sich wie der Wiener ATX und der Brüsseler Bel20 dabei, den kurzfristigen Abwärtstrend zu überwinden. Etwas getrübt wird derzeit das Bild durch den irischen Markt und den CeCe.

          Der DWS Sterne Europa wird zum Eröffnungspreis von 52,50 Euro einschließlich eines Ausgabeaufschlags von fünf Prozent verkauft. 1,4 Prozent des Fondswertes werden jährlich als Managementgebühr einbehalten. Eine Gesamtkostenquote wird noch nicht genannt, da sie wegen der Neuauflegung noch nicht verfügbar sei. Die Dividende wird ausgeschüttet.

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