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Aktienanleihen : Riskanter als Anleihen

Bild: F.A.Z.

Für Anleger sind mit Aktienanleihen zwar höhere Renditen als mit Anleihen möglich. Sie tragen aber trotz der Risikopuffer ein Aktienkursrisiko. Zudem könnte der Emittent ausfallen, so dass die Anleger ihren Einsatz verlieren.

          „“ hat die FAZ im Dezember 2008 einen Artikel überschrieben. Das Anlegerinteresse an dieser und auch an folgenden, ähnlich hoch verzinsten Anleihen aus dem Hause des Stuttgarter Automobilherstellers war immens.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Kein Wunder, dass derzeit auch die Nachfrage nach Aktienanleihen hoch ist, wenn die Anbieter nur einen ausreichend hohen Kupon auf die Papiere schreiben, wie zum Beispiel jüngst die Hypo-Vereinsbank mit einem Kupon von 10 Prozent auf ein Daimler-Papier.

          Eine Anleihe ist keine Anleihe einer Aktiengesellschaft

          In der jüngsten Monatsstatistik des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) wird Aktienanleihen ein Marktanteil von 3,4 Prozent zugewiesen. Damit sind in Deutschland derzeit fast vier Milliarden Euro in Aktienanleihen angelegt, ein Jahr zuvor waren es nicht einmal zwei Milliarden Euro. Damit weisen Aktienanleihen das stärkste Wachstum im Bereich der Zertifikate auf.

          Dabei sollten die Anleger jedoch sehr genau zwischen einer Daimler-Anleihe und einer Daimler-Aktienanleihe unterscheiden. Wenn Daimler wie im Dezember 2008 geschehen um das Geld der Anleger wirbt und dafür einen jährlichen Kupon von 9 Prozent bietet, braucht den Anleger nichts zu interessieren, außer der Zahlungsfähigkeit des Autoherstellers. Bleibt dieser bis zum Ende der Laufzeit, die im Fall der Anleihe mit der Isin XS0403611204 bis Ende Januar 2012 datiert ist, solvent, bekommt der Anleger sein eingesetztes Kapital am Ende der Laufzeit wieder und hat zudem jährlich neun Prozent Zins kassiert.

          Eine Aktienanleihe hingegen bietet eine Reihe zusätzlicher Risiken. Zunächst einmal wird sie nicht von Daimler selbst begeben, sondern von einer Bank, hier der Hypo-Vereinsbank, dem Marktführer bei Aktienanleihen in Deutschland. Sollte diese während der Laufzeit der Aktienanleihe zahlungsunfähig werden, droht dem Anleger der Verlust des eingesetzten Kapitals, unabhängig von der Entwicklung der Daimler AG. Aktienanleihen sind wie alle anderen Zertifikate auch Schuldverschreibungen, bei denen der Anleger das Emittentenrisiko trägt.

          Hoffen auf die 40 Euro

          Hinzu tritt bei Aktienanleihen ein Aktienkursrisiko. Damit der Anleger am Ende der Laufzeit das anfangs eingesetzte Kapital wiederbekommt, muss der Aktienkurs der jeweils zugrunde gelegten Aktie oberhalb einer bestimmten Schwelle notieren. Im Beispiel der Daimler-Aktienanleihe wurde diese Schwelle im Juli auf 40 Euro je Aktie festgesetzt. Am Montag wurden für eine Daimler-Aktie 39,50 Euro gezahlt.

          Der Kurs muss bis zum Ende der Laufzeit im Juli 2011 also noch leicht steigen, damit je Zertifikat 1000 Euro zurückgezahlt werden. Am Montag notierte die Aktienanleihe mit der Isin DE000HV5BRS8 an der Stuttgarter Zertifikatebörse Euwax mit knapp 96 Prozent. Anleger die jetzt einsteigen, können also neben dem Kupon noch gut 4 Prozent Kursgewinn erzielen, falls der Daimler-Aktienkurs am Ende der Laufzeit bei mehr als 40 Euro notiert.

          Sollte der Kurs einer Aktie im Juli 2011 jedoch unter 40 Euro liegen, so bekommt der Anleger Aktien geliefert, und zwar 25 Aktien je 1000 Euro Nominalbetrag. Angenommen, eine Daimler-Aktie kostete am Ende der Laufzeit 30 Euro, so erhielte der Anleger einen Gegenwert von 750 Euro. Selbst zuzüglich des Kupons von 100 Euro verbliebe ein deutlicher Verlust, gegenüber einer Anfangsinvestition von 1000 Euro.

          Positiv und vorsichtig

          Der Kupon mindert allerdings den Verlust gegenüber dem Direktkauf einer Daimler-Aktie. Dafür entgeht dem Besitzer der Aktienanleihe die Dividende, die Daimler wahrscheinlich im Frühjahr zahlen wird. Auch hätte er nichts von möglichen Kursgewinnen der Daimler-Aktie über 40 Euro hinaus, seine Auszahlung bleibt auf den Nominalbetrag von 1000 Euro zuzüglich des Kupons beschränkt.

          Dass eine Aktienanleihe weitaus riskanter ist als eine Unternehmensanleihe aus dem Hause Daimler, verdeutlichen auch die Renditeunterschiede zwischen den beiden Anlageklassen. Eine Daimler-Anleihe mit Laufzeitende Mitte Juni 2011 wirft auf ein Jahr gerechnet gerade noch 1,6 Prozent Rendite ab, die Aktienanleihe mit Laufzeit bis Anfang Juli 2011 hingegen auf ein Jahr gerechnet hingegen 15 Prozent (Kupon zuzüglich Kursgewinne von 96 Prozent auf 100).

          Die Käufer von Aktienanleihen sollten somit nicht nur eine positive Grundüberzeugung von der die Aktienanleihen begebenden Bank haben, sondern auch von dem Unternehmen, dessen Aktie dem Papier zugrunde liegt. Für vorsichtigere Anleger bieten sich daher mittlerweile auch zahlreiche Aktienanleihen mit Sicherheitspuffern an (siehe Tabelle). Hier kann der Aktienkurs zum Beispiel um 30 Prozent fallen, ohne dass dies die Rückzahlung zum Laufzeitende schmälert. Dafür fällt der Kupon geringer aus. Ebenfalls ein gemindertes Risiko bieten Indexanleihen, da sie statt von der Entwicklung eines einzelnen Aktienkurses von der Entwicklung vieler Papiere abhängen und so einzelne Ausreißer nach unten aufgefangen werden können.

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