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Aktienanleihen : Plus-Varianten für weniger Mutige

Bild: F.A.Z.

Das Investment in Aktienanleihen erfordert Mut zum Risiko. Laufen die Kurse gegen den Anleger, kann es starke Verluste geben. Für weniger Mutige gibt es Varianten mit Puffer. Doch für das Minus an Risiko verzichten Anleger auf das Plus an Ertrag.

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          Aktienanleihen locken mit hohen Kupons. 9 Prozent pro Jahr etwa bot jüngst die französische Bank BNP Paribas für eins dieser Produkte, das sich auf den Kurs der RWE-Aktie bezieht bei einer Laufzeit von einem Jahr. Das klingt verlockend, doch liegt die Tücke darin, dass sich die Rückzahlung am RWE-Aktienkurs orientiert. Liegt dieser unter dem im Vorhinein festgelegten Zielkurs, so erhält der Anleger eine entsprechende Anzahl RWE-Aktie und/oder einen Barausgleich, jedenfalls zu diesem Zeitpunkt weniger als das ursprünglich eingesetzte Kapital.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dies ist das Risiko, was oft genug nicht durch den höheren Zins ausgeglichen wird. Die Inhaber der im April 2008 von der BHF-Bank ausgegebene Anleihe auf die Aktie des Energieversorgers RWE (Isin DE000BHF2KZ5) etwa müssen hoffen, dass deren Kurs sich bis zum kommenden April wieder deutlich erholt. Beim aktuellen Kurs betrüge ihre Rendite trotz der Kuponzahlungen von 8,75 Prozent pro Jahr minus 4,5 Prozent pro Jahr.

          Easy und Protect

          Um die Produkte trotz dieser Risiken attraktiver zu gestalten, haben die Emittenten Aktienanleihen kreiert, die auch Kapitalschutzelemente enthalten. Beispielsweise begibt die Hypo-Vereinsbank (HVB) derzeit eine sogenannte „Aktienanleihe Protect“ auf die Aktie der Deutschen Bank (Isin DE0005140008). Diese wird bei einer Laufzeit von einem Jahr und acht Monaten mit 7 Prozent jährlich, also insgesamt etwa zwischen 11 und 12 Prozent verzinst.

          Gleichzeitig ist sie mit einem Sicherheitspuffer von 35 Prozent versehen. Das bedeutet, dass der Aktienkurs der Deutschen Bank gegenüber dem Xetra-Schlussauktionskurs vom 11. Oktober 2010 bis zum 13. Juni 2012 bis zu 35 Prozent fallen kann, ohne dass der Anleger Abstriche bei der Rendite von rund 6,17 Prozent (einschließlich eines Agios von 1 Prozent) machen muss. Fällt der Kurs unter die Sicherheitsschwelle, so erhält der Anleger zwar immer noch den Kupon, doch ist dies angesichts von einer reduzierten Nominale von mindestens 35 Prozent doch eher ein schwacher Trost. Ähnliche Produkte gibt es von der LBBW unter dem Namen Easy-Aktienanleihe.

          Das Plus mit Risiko

          Eine Variante davon ist etwa die Europa Kupon Anleihe der Credit Suisse (Isin DE000CS8AEB8) - mit einem entscheidenden Unterschied: Hier darf der zugrundeliegende Index, der Eurostoxx 50, bis zum 13 April 2012 niemals unter 50 Prozent des Wertes Schlusskurses vom 11. Oktober, auch nicht einmal zwischenzeitlich an einem Tag zu irgendeiner beliebigen Uhrzeit.

          Der Schutz ist damit trotz des höheren Puffers nicht unbedingt größer als beim Produkt der HVB. Zudem beträgt der Kupon nur 5,25 Prozent, die maximale Rendite einschließlich des Agios also nur 4,9 Prozent. Auch Deutsche Bank, Commerzbank und WGZ-Bank haben ähnliche Produkte zumeist als „Aktienanleihe Plus“ aufgelegt.

          Komplizierte Variante 2.0

          Eine neue Variante bietet die UBS unter dem Stichwort von der „Aktienanleihe 2.0“, ein kompliziertes Produkt einer rollierenden Index-Anleihe auf den Eurostoxx 50 (Isin DE000UB2RAA2). Hierbei wird gleichsam jeden Monat aus dem Erlös einer Aktienanleihe mit einer Laufzeit von einem Monat in die nächste umgeschichtet. Zusätzlich enthält der Basispreis einen Sicherheitspuffer von 5 bis 15 Prozent.

          Die jährliche Verzinsung ist variabel und richtet sich nach dem EZB-Leitzins zuzüglich eines Aufschlags von 3,6 Prozentpunkten. Allerdings werden die Zinsen monatlich gezahlt und auch nur dann, wenn der Kurs des Eurostoxx nicht unter den Basispreis gefallen ist. In diesem Fall wird der Nominalwert der Anleihe reduziert. Dieser kann aber dadurch wieder aufgefüllt werden, dass zusätzlich der Kupon auf den EZB-Leitzins oder gar auf null reduziert wird. Liegt in der Folgezeit der Eurostoxx in einer Periode wieder über dem Basispreis wird der nicht gezahlte Teil des Kupons zur Aufstockung der Nominale verwendet.

          Renditeaussagen sind angesichts der variablen Verzinsung naturgemäß schwierig. Derzeit beläuft sie sich auf maximal 4,6 Prozent. Insofern ist die „Rolling Aktienanleihe“ eine Doppelspekulation auf den Eurostoxx und den Leitzins. Nach Angaben der UBS hätte sie zwischen Januar 2003 und April 2010 mit rund 7 Prozent rentiert. Allerdings hätte der durchschnittlich ausbezahlte Kupon bei 5,17 Prozent gelegen, da auch der EZB-Leitzins in diesem Zeitraum durchschnittlich bei rund 2,5 Prozent lag, so dass die tatsächliche Kupon-Zahlung unterhalb der höchstmöglichen gelegen hätte.

          Das alte Spiel

          Klassische Aktienanleihen lohnen nur bei leicht steigenden und gleich bleibenden Kursen. Fallen die Kursanstiege größer aus, ist die Anleihe die schlechtere Variante, fallen die Kurse gibt es Verluste. Aktienanleihen mit Absicherungen erweitern dieses Spektrum auf in Maßen fallende Kurse.

          Dafür aber fallen die Kupons niedriger aus, so dass die Risiken ebenso niedriger sind wie die Ertragschancen. Eine klassische Anleihe der Deutschen Bank auf die Anleihe der BASF bei einem Basispreis von 46,50 Euro, die fast taggleich im Juni begeben wurde wie eine Aktienanleihe Plus mit einem Basispreis von 46,80 Euro wird mit 10 Prozent verzinst, die Plus-Anleihe lediglich mit 6,5 Prozent. Für ein lohnenswertes Investment in die ein oder die andere Variante ist also jedenfalls eine dezidierte Meinung über die Kursentwicklung von Nöten.

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