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Aktienanlage : Von der Verzweiflung zum Prinzip Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Eine Frage reizt die Analysten und Marktstrategen in diesen Wochen ganz besonders: Welche Werte sind denn noch zu empfehlen? Und doch gibt es manche Mutige, die den Aktienmarkt schon im späten Stadium der Baisse sehen. Das ist doch beruhigend, oder?

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          Auf die Frage, in welche Aktien man in den kommenden sechs bis zwölf Monaten investieren sollte, reagieren Anlagestrategen dieser Tage gereizt. Die meisten entgegnen, dass sie nicht sagen könnten, wie lange die Rezession dauere, wie tief sie sein werde oder wie sich risikoscheue Anleger nach den kräftigen Kursrückgängen an den Aktienmärkten verhalten sollten.

          Einige werden ihnen erzählen, dass es auf kurze Sicht nur wenige lukrative Kaufgelegenheiten gebe, während andere auf Maßnahmen für geduldige Anleger verweisen, anstatt sich Zweifeln und Pessimismus hinzugeben oder das Versagen einer diversifizierten Portfoliostruktur einzuräumen. Geduld heißt in diesem Fall, dass man es sich leisten kann, mit seinen Investments auf absehbare Zeit keine positive Rendite einzufahren.

          Da die Investmentwelt im Laufe der Krise auf den Kopf gestellt wurde und heftige Marktschwankungen inzwischen zum Alltag gehören, bat Business Week einige bereits für frühere Artikel befragte Finanzexperten um ihre Einschätzung der aktuellen Situation. Die Entscheidung, welche Investment-Gurus diesmal konsultiert werden sollten, erwies sich allerdings als schwierig, waren doch die von zahlreichen Marktexperten für 2008 abgegebenen Prognosen viel zu optimistisch ausgefallen, selbst wenn sie von Personen stammten, auf deren zukunftsgerichtete Aussagen in der Vergangenheit am meisten Verlass war.

          Ein weiterer Rückgang?

          Rob Arnott, Vorsitzender des Vermögensverwalters Research Affiliates, der Anlagekonzepte an Unternehmen wie Pimco lizenziert, wäre nicht überrascht, wenn es in dieser Baisse zu einem weiteren Rückgang käme. Die Aktien, die sich während der Turbulenzen und dem Gemetzel bislang am tapfersten schlugen (Wachstumswerte der Branchen Technologie, Telekommunikation und Gesundheitswesen), dürften nach seiner Ansicht noch nicht das volle Ausmaß der bevorstehenden Risiken widerspiegeln.

          „Wenn wir im frühen Stadium einer Rezession sind, dann befinden wir uns wahrscheinlich in einem späten Stadium der Baisse“, so Arnott. „In den kommenden sechs bis zwölf Monaten werden wir in den Wachstumssektoren eine klare Kapitulation erleben, die das Fundament für eine Hausse legen wird.“ Er bezweifle, dass der Häusermarkt vor 2010 einen Boden finden werde, wohingegen die Wirtschaft in jenem Jahr bereits auf dem Wege der Erholung sei.

          Bruce McCain, Chefinvestmentstratege der Key Private Bank, erinnert daran, dass massive Verkäufe, wie wir sie in den vergangenen Wochen beobachten konnten, typischerweise die Zittrigen aus dem Markt schütteln, woraufhin nur jene zurückbleiben, die sich langfristig engagieren. Doch wie in den frühen 1930er-Jahren könnten sich die Herausforderungen für das Finanzsystem am Ende als vergleichsweise moderat oder als sehr ernst erweisen, je nachdem, ob die staatlichen Maßnahmen einige der vor fast 80 Jahren begangenen Fehler werden vermeiden können. Auf kurze Sicht rechnet Bruce McCain mit einer Aktienrally und einem anschließenden neuerlichen Test der Anfang Oktober markierten Tiefs.

          Einige Marktstrategen sagen eine Jahresendrally voraus

          Als Zeichen einer Erholung würde McCain ein Austrocknen des Verkaufsvolumens während eines möglichen neuerlichen Tests der früheren Tiefs bevorzugen. Wenn der Markt nicht auf neue Tiefstände vordringe, dann rechne er mit einer Aufhellung der Anlegerstimmung, die eine Aufwärtsbewegung des Marktes anstoßen könne. Nach seiner Ansicht würden sämtliche Fortschritte bei der Aktienbewertung jedoch nur langsam und stetig erfolgen. „Wir können Aussagen über das mögliche Szenario im kommenden Jahr treffen, solange wir eine Entwicklung in diese Richtung beobachten und solange die Wirtschaft nicht stärker einzubrechen beginnt“, so McCain.

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