https://www.faz.net/-gv6-7k82t

Aktien-Indexfonds : Deutsche Bank plant ETF-Offensive

  • -Aktualisiert am

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: dpa

Im Laufe des ersten Quartals 2014 sollen die Aktien-Indexfonds der Deutschen Bank auf eine physisch replizierende Methode umgestellt werden. So soll der Rückstand auf den Marktführer iShares verringert werden.

          Die Deutsche Bank will in ihrem Geschäft mit Indexfonds unter der Marke DB X-Trackers verlorenes Terrain gutmachen. Dazu ändert die Bank für große Teile ihres Geschäfts mit Aktien-Indexfonds die Methode. Dies kündigte die Deutsche Bank am Wochenende in Frankfurt an. Indexfonds sind auch unter ihrer englischen Bezeichnung ETF für Exchange Traded Funds bekannt. „Wir wollen in unserem ETF-Geschäft wieder kräftig wachsen“, sagte Kai Bald, Leiter für den öffentlichen Vertrieb von ETF, gegenüber dieser Zeitung. „Wir wollen in Europa spätestens bis Ende 2015 einen Marktanteil von 20 Prozent erreichen.“ Derzeit kommt DB X-Trackers auf 12,5 Prozent und liegt damit klar hinter Marktführer iShares zurück. Die ETF-Marke der amerikanischen Fondsgesellschaft Blackrock kommt auf einen Marktanteil von 50,6 Prozent.

          Von Anfang 2014 an sollen im Laufe des ersten Quartals 18 große Aktien-ETF von einer synthetischen Abbildung der ihnen zugrunde liegenden Aktienindizes auf die physisch replizierende Methode umgestellt werden. Davon betroffen sind Indexfonds auf führende europäische Aktienindizes wie die auf den Dax, den Euro Stoxx 50, den Cac 40, den FTSE 100, den SMI, den ATX, den FTSE MIB oder auch den Ibex. Die Umstellung betrifft laut Bald ein verwaltetes Vermögen von 9,5 Milliarden Euro. Dies entspricht rund 40 Prozent aller Aktien-ETF von DB X-Trackers. Insgesamt verwaltet die Deutsche Bank mit Indexfonds ein Vermögen von 35,9 Milliarden Euro.

          Anleger investieren vermehrt in ETF

          Die Umstellung von der synthetischen Abbildungsmethode auf die physisch replizierende mag technisch klingen. Doch der Streit zwischen diesen beiden Methoden hat in den vergangenen zwei bis drei Jahren heftige Auseinandersetzungen in der gesamten Finanzwelt ausgelöst. Dies zeigt ein Blick in die Funktionsweise von ETF: Indexfonds sind vor etwas mehr als zehn Jahren in Europa populär geworden als kostengünstige Alternative zu traditionellen Investmentfonds.

          Während der Fondsmanager beispielsweise eines Aktienfonds auf deutsche Standardwerte besser als der Dax abschneiden will, soll ein Dax-ETF den Index gar nicht übertreffen, sondern dessen Verlauf so genau wie möglich nachzeichnen. Dafür sind die Kosten geringer: Während die Deutsche Bank für den Aktienfonds DWS Deutschland, der sich am C-Dax orientiert, eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1,4 Prozent nimmt, fordert sie für den Indexfonds Dax Ucits ETF von DB X-Trackers eine Gebühr von 0,15 Prozent jährlich.

          Auch wenn die beiden Produkte nicht ganz vergleichbar sind, weil der C-Dax die Kursentwicklung aller an der Börse Frankfurt amtlich notierten Aktien abbildet und der Dax nur die von 30 Standardwerten, haben viele Anleger in den vergangenen Jahren stark in ETF investiert. Nach Zahlen des Analysehauses ETF-GI in London ist das weltweit in Indexfonds verwaltete Vermögen im November auf den Rekordwert von 2,4 Billionen Dollar (1,8 Billionen Euro) gestiegen.

          „Wir können uns nicht gegen den Markt stellen“

          In der Anfangszeit der Indexfonds wurden Indizes ausschließlich dadurch abgebildet, dass die Wertpapiere im Index möglichst exakt nach ihrem Gewicht in diesem Index gekauft werden. Diese Methode heißt physisch replizierend. Anbieter wie DB X-Trackers oder auch Lyxor von der Société Générale setzten zunächst ausschließlich Swaps ein. Dies sind Finanzinstrumente aus der Welt der Derivate. Diese als synthetisch bezeichneten ETF wurden allerdings von den Anbietern physisch replizierender Indexfonds heftig kritisiert. In vorderster Linie der Kritiker fand sich die Fondsgesellschaft Blackrock mit ihrer Marke iShares.

          Nun erklärt die Deutsche Bank eine teilweise Kapitulation und stellt den Aktienbereich weitgehend auf physisch replizierende ETF um. „Wir können uns nicht gegen den Markt stellen“, sagte Bald. „Und der Markt will eben physisch replizierende ETF.“ Die Umstellung erfolge automatisch, ohne dass betroffene Anleger aktiv werden müssten. Nach der Gründung von DB X-Trackers 2007 habe sich das Geschäft zunächst dynamisch entwickelt, in den vergangenen zwei Jahren jedoch abgeflaut. In diesem Jahr habe DB X-Trackers Mittelabflüsse von rund 4 Milliarden Euro netto verzeichnet. Als Reaktion auf die Kritik an synthetischen ETF hatte DB X-Trackers zunächst fünf Aktien-ETF in beiden Varianten angeboten.

          Den ersten Umstellungen auf physisch replizierende Aktien-ETF sollen weitere folgen. „Wir prüfen, weitere Aktien-ETF auf physisch replizierend umzustellen“, sagte Bald. „Aber synthetische Indexfonds werden in unserem Produktportfolio weiter eine Rolle spielen.“ Im Bereich von Anleihe-ETF kombiniert die Deutsche Bank beide Methoden: So besteht beispielsweise bei einem ETF, der in zehnjährige Bundesanleihen investiert, das Portfolio aus Bundesanleihen. Die optimale Indexperformane wird durch den Swap hergestellt. „So lassen sich Anleihen optimal abbilden“, sagt Bald.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson : Alles andere als irrwitzig

          Der neu gewählte Tory-Vorsitzende und künftige Premierminister Boris Johnson ist nicht „mad“. Verrückt ist nur die Lage des Landes – drei Jahre nach dem Brexit-Referendum. Ein Kommentar
          Der radikale Konzernumbau der Deutschen Bank führt zu Milliardenverlusten im zweiten Quartal 2019.

          In drei Monaten : Die Deutsche Bank macht 3,1 Milliarden Euro Verlust

          Das größte und wichtigste deutsche Kreditinstitut will und muss sich radikal verändern. Die Belastungen durch den Umbau des Konzerns führen zu tiefroten Zahlen. Besonders betroffen ist die einst bedeutendste und berüchtigtste Sparte des Unternehmens.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.