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Aktien : „Die Märkte sind eher teuer als günstig“

  • Aktualisiert am

Thomas Braun von Braun, von Wyss & Müller Bild: Braun, von Wyss & Müller

Die internationalen Aktien seien noch günstig, heißt es immer wieder. Fondsmanager Thomas Braun von Braun, von Wyss & Müller schließt sich dieser Ansicht nicht an. Der Erfolg gab ihm und seinem Partner bisher recht.

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          Fondsmanager sind nur dann ihr Geld wert, wenn sie mittel- und langfristig den Markt schlagen können. In diesem Sinne sind jene Fonds und ihre Fondsmanager interessant, die nach einem klaren Konzept arbeiten und die ihren Erfolg immer wieder beweisen.

          Die Produkte der Braun, von Wyss & Müller AG, der Classic Global Equity Fund und der Classic Value Equity Fund, zählen sicherlich dazu. FAZ.NET unterhielt sich mit Thomas Braun über den gegenwärtigen Boom an den internationalen Börsen. Er teilt den verbreiteten Optimismus nur bedingt. Die Märkte seien keineswegs so günstig, wie sie immer wieder dargestellt werden, denkt er.

          Braun ist nicht nur Teilhaber am Unternehmen, sondern verwaltet die beiden Fonds zusammen mit Georg von Wyss nach dem so genannten Value-Prinzip. Das heißt, sie suchen nach unterbewerteten Aktien.

          Die Börsen haben sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt und laufen weiterhin dynamisch nach oben. Sind Sie auch so optimistisch wie der Markt?

          Es macht unser Geschäft nicht einfacher, wenn die Leute so optimistisch geworden sind wie in den vergangenen Quartalen. Denn wir suchen nach unterbewerteten Aktien. Wenn jedoch die Börsen so steigen, so ist die Wahrscheinlichkeit etwas zu finden deutlich kleiner als beispielsweise vor vier Jahren.

          Haben sie wirklich den Eindruck, der Optimismus ist sehr ausgeprägt momentan?

          Ja, den habe ich schon. Das kann man daran ablesen, wie die Marktteilnehmer die Lage beurteilen. So sind unter anderem die Aussichten der so genannten „Gurus“ äußerst positiv, nicht zuletzt wegen des positiven wirtschaftlichen Umfeldes. Dazu kommt die Bewertungsfrage.

          Die Märkte seien noch relativ günstig, heißt es vielfach. Ist das nicht so?

          Wenn man die durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnisse der gewichteten Marktindizes betrachtet, so mag diese Feststellung korrekt sein, dass wir im langfristigen Mittelfeld von etwa 15xEarnings liegen. Allerdings sind zwei Punkte zu berücksichtigen.

          Die sind?

          Erstens darf man nicht übersehen, dass die Gewinnmargen der Unternehmen gegenwärtig deutlich über den langfristigen zyklischen Durchschnittswerten liegen. Heute leben Industrie und die Finanzwelt in sehr guten Zeiten. Hatten vor vier Jahren Weltuntergangsszenarien dazu geführt, dass die Unternehmen kräftig an der Kostenschraube nach unten gedreht haben, so haben uns diese Effekte in den vergangenen beiden Jahren gut getan. Denn wenn eine steigende Nachfrage auf einen maßvollen Kostenblock stößt, so ist das sehr gut für die Margen.

          Betrachtet man beispielsweise das Verhältnis von Unternehmensgewinnen zum Sozialprodukt in den Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahren, so liegen wir im Moment bei mehr als zehn Prozent. Der langfristige Durchschnitt dagegen liegt bei knapp acht Prozent. Das heißt, wir befinden uns gegenwärtig 20 bis 30 Prozent über dem langfristigen Schnitt. Wenn man Märkte auf Basis der langfristigen Durchschnittsmargen bewertete, so wären sie 20 bis 30 Prozent teurer. Das durchschnittliche Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) von 15 würde hochgehen auf 18 bis 19,5.

          Und das ist für Sie entscheidend?

          Ja, denn wir als so genannte Value-Investoren, wir bewerten die Unternehmen nie aufgrund der aktuellen Gewinne. Wir versuchen immer herauszufinden, wo die durchschnittlichen Margen- und Gewinnniveaus liegen. Aus diesem Grund waren im Jahr 2003 viele Unternehmen für uns günstig, obwohl die KGVs zum Teil hoch waren. Die Gewinne und die Margen lagen jedoch massiv unter den langfristigen Durchschnitten. Im Moment ist jedoch gerade das Gegenteil der Fall.

          Kann man die KGVs von heute überhaupt mit denen der Vergangenheit vergleichen? Zumindest in Europa hat sich die Rechnungslegung doch deutlich geändert und die Gewinne optisch steigen lassen.

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