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Aktien : „Die Märkte sind eher teuer als günstig“

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Ja, der wesentliche Punkt ist die Tatsache, dass Unternehmen bei der Gewinnermittlung Goodwills nicht mehr amortisieren müssen. Der Effekt wird deutlich, wenn man die Kurse mit den Cashflows vergleicht: Das durchschnittliche Kurs-Cashflow-Verhältnis hat deutlicher zugenommen, als das durchschnittliche KGV. Berücksichtigt man diesen Effekt, so sind die Aktien noch teurer.

Sagen die oft zitierten „Markt-KGVs“ in diesem Sinne überhaupt etwas aus?

Diese so genannten „Markt-KGVs“ werden oft dominiert von den Kennzahlen der einzelnen im Index schwer gewichteten Unternehmen. Ermittelt man dagegen den ungewichteten, arithmetischen Durchschnitt, so liegt dieser nicht selten höher. Beim Dax liegt das „Markt-KGV“ auf Basis der abgelieferten Gewinne bei 14,4, der ungewichtete Durchschnitt liegt bei 17,94. Im FTSE 100 liegt das ausgewiesene KGV bei 14,0 und das ungewichtete bei etwa 17,5.

Insgesamt sollte man solche Verzerrungen berücksichtigen, denn sie führen einerseits zu interessanten Möglichkeiten. So konnten wir beispielsweise im Jahr 2000 die „Old-Econonmy-Aktien“ günstig kaufen, die uns im Jahr 2000 und 2001 dann eine gute Performance gebracht haben. Haben wird dagegen Mühe, genügend günstige Werte zu finden, so ist das für uns ein Indiz dafür, dass die Märkte eher teuer als günstig sind.

Sind wir jetzt in dieser Situation?

Ja, das sind wir jetzt!

Mit welcher Konsequenz?

Da immer mehr Aktien ihre faire Bewertung erreichen, verkaufen wir. Auf diese Weise kommt Liquidität herein. Auf der anderen Seite finden wir immer weniger günstige Gelegenheiten. Das führt dazu, dass unser Liquiditätsquote zunimmt. Beim unserem Classic Value Equity Fund, der noch für Neugelder offen ist und der prozyklisch Zuflüsse verbucht, liegen wir bei einem Cashanteil von gegen 30 Prozent.

Das heißt, Sie neigen zu einer gewissen Vorsicht?

Ja, ich denke, eine gewisse Vorsicht ist jetzt sicherlich gerechtfertigt. Man muss sich nicht völlig von den Aktien verabschieden, das wäre völlig falsch. Langfristig ist die Aktie das richtige Instrument, um Vermögen zu bilden. Wichtig ist jedoch, in der so genannten Asset Allocation Disziplin zu wahren. Wenn man sagt, für meine Vermögensverhältnisse sind 50 Prozent Aktien im Depot das Richtige, so nimmt dieser Anteil im Rahmen steigender Kurse automatisch auf 55 oder gar 60 Prozent zu. Hier sollte man sich von der Euphorie nicht mitreißen lassen, sondern reduzieren. Alleine schon deswegen, damit man reagieren kann, sobald wieder andere Zeiten kommen. Man sollte nicht die Strategie ändern, nur weil es gegenwärtig gut aussieht.

Rechnen Sie mit einer baldigen Korrektur?

Ich habe keine Ahnung, wann die Märkte „verschnaufen“ oder gar korrigieren werden. Aber man muss einfach sehen, dass die Risiken gegenwärtig höher als im Durchschnitt sind, wenn man einen gesamten Börsenzyklus betrachtet.

„Fahren“ Sie auch Absicherungsstrategien?

Ja, wir sind sogar soweit gegangen, dass wir uns im Classic Global Equity Fund, der seit zehn Jahren besteht und der für Neugelder geschlossen ist, gleich positionieren wie im Classic Value Equity Fund. Da wir in diesem Fonds noch relativ viele Einzelwerte halten, die noch nicht voll bewertet sind und die wir aus diesem Grund nicht vorzeitig verkaufen wollen, haben wir Futures verkauft, um eine Marktneutralität von etwa 30 Prozent zu erreichen.

Wir gewichten auf diese Weise das „Vorsichtsprinzip“ etwas höher als sonst. Wir sind grundsätzlich schon vorsichtig, indem wir immer versuchen, solide Werte zu günstigen Preisen ins Depot zu nehmen. Das ist die Grundabsicherung gegen nachhaltige Verluste. Gleichzeitig ist es gut, dann „Munition“ in Form von Liquidität zu haben, sobald die Euphorie einmal verflogen sein wird.

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