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Aktien-Check : Bei deutsche Aktien ist Selektion Trumpf

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Die deutschen Aktien seien im internationalen Vergleich noch günstig, kann man immer wieder lesen. Es stimmt allerdings nur bedingt. Nur zwölf Prozent der Aktien des Prime All Share Index haben ein KGV von weniger als zwölf.

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          Nach den deutlichen Kursverlusten während der Baisse unmittelbar nach der Jahrtausendwende haben sich die deutschen Aktie in den vergangenen zwei Jahren mit deutlichen Kursgewinnen von ihren Tiefs erholt. Besonders gut schnitten dabei die Wertpapiere kleinerer und mittelgroßer Unternehmen ab.

          Während die 30 bekannten Dax-Aktien seit dem Indextief im März des Jahres 2003 inzwischen insgesamt knapp 81 Prozent zugelegt haben, kommen die Werte des MDax auf ein Kursplus von 109 Prozent und die Werte des SDax sogar auf eine Performance - das heißt Kursgewinne plus Dividendeneinnahmen - von knapp 119 Prozent. Während der MDax im Trend weiterhin nach oben zeigt und der SDax nach einer Zwischenkonsolidierung bis in den Herbst des vergangenen Jahres erneut Dynamik gewann und neue Rekordhochs verbuchen konnte, ist dem Dax immerhin der Ausbruch auf der Konsolidierungszone nach oben gelungen.

          Deutsche Aktien nur noch bedingt günstig

          Viele geben den deutschen Börsen weiteres Kurspotential. Denn im internationalen Vergleich seien die deutschen Aktien immer noch relativ preiswert, kann man immer wieder lesen. Wirft man allerdings einen Blick auf die Bewertung der Indizes, so mag das auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr noch für den Dax in begrenztem Maße gelten. Problematischer wird es jedoch für den MDax. Denn er sieht mit Kurs-Gewinnverhältnissen von mehr als 20 in der Tendenz überbewertet aus.

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          Geht man die Einzeltitel durch, so weisen nicht einmal mehr ganz zwölf Prozent der Werte Prime All Share Index ein Kurs-Gewinnverhältnis von weniger als zwölf aus und sind damit gemessen an den Gewinnschätzungen für das laufende Jahr noch günstig. Das Bild mag verzerrt werden durch die Tatsache, daß vor allem für einige der kleineren Werte keine Gewinnschätzungen vorliegen. Das heißt, sie können sich operativ recht gut schlagen, fallen aber bei einer Datenbanksuche durch den Filter.

          Auf der anderen Seite besteht das Risiko, daß die Analystenerwartungen angesichts der verhaltenen Konjunkturentwicklung in Deutschland und Europa zu optimistisch sind. Das heißt, jene Werte, für die Schätzungen vorliegen, könnten unter Umständen optisch zu günstig aussehen. Aus diesem Grund ist eine genauere Analyse der Werte und ihres Umfeldes nötig. Das gilt insbesondere dann, wenn es krasse Unterschiede in den Ergebnisschätzungen zwischen den Jahren 2005 und 2006 gibt, wie zum Beispiel bei EM.TV, bei Macropore, 3U Telecom oder auch bei Beate Uhse.

          Optischer Eindruck kann täuschen

          Sicher dürfte sein, daß die Automobilwerte nicht umsonst so günstig zu sein scheinen. Denn die Konjunktur in Europa ist nicht nur verhalten, sondern auch der Rabattiltis aus Amerika schlägt immer öfter durch auf die Margen. Gleichzeitig nimmt die Konkurrenz aus Asien immer mehr zu. Die Produkte, die von den dort ansässigen Unternehmen auf dem europäischen Markt angeboten werden, haben oft ein deutlich besseres Preis-Leistungsverhältnis als das der heimischen Hersteller.

          Gleichzeitig gibt es Werte, die trotz deutlichen Kursgewinnen in den vergangenen Monaten zumindest angesichts der Gewinnschätzungen nach wie vor günstig bewertet sind. Auch hier dürfte man darauf achten müssen, ob die Analysten nicht über das Ziel hinausgeschossen sind und das „Auslaufen“ bisheriger Erfolgsstories verpassen. So stellt sich beispielsweise bei MPC Capital die Frage, wie lange die Geschäfte mit den Schiffsfonds noch so gut laufen wie in der Vergangenheit. Oder ob die Kunden das Puma-Logo in näherer Zeit nicht einfach über haben und die Produkte des Unternehmens einfach links liegen lassen.

          Damit läßt sich wieder einmal das bekannte Fazit ziehen: Bewertung ist nicht alles, aber ohne günstige Bewertung ist alles nichts. Stimmt die Bewertung nicht mehr, läßt sich eine Aktie nur anhand technischer Kriterieren beurteilen. Das gilt für viele Werte in der Biotech- oder Internetbranche. Dort dürfte immer dann Gefahr drohen, wenn ein Trend bricht. Gleichzeitig ist eine günstige Bewertung in Verbindung mit einem konsistenten Aufwärtstrend ein gutes Zeichen.

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