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Agrarfonds : Rentabel und umstritten

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Gelbes Gold vom Feld: Ernte von Winterweizen in Hannover-Wülferode Bild: dpa

Investmentfonds, die sich auf Aktien aus der Landwirtschaft fokussieren, stehen in der Kritik. Dabei sind längst nicht alle ethisch fragwürdig.

          3 Min.

          Um fast 20 Prozent ist in diesem Jahr der Anteilswert des Aktienfonds SAM Sustainable Agribusiness Equities gestiegen. Ist das verwerflich? Angesichts von rapide steigenden Preisen für Weizen oder Mais stellen sich viele Anleger diese Frage: Ist es in Ordnung, an der Knappheit von Nahrungsmitteln in der Welt zu verdienen?

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Bei der Schweizer Vermögensverwaltung SAM Sustainable Asset Management lautet die Antwort: ja – aber unter dem Vorbehalt, dass man es richtig macht und das Problem nicht verschärft. „Die Notwendigkeit, die Nahrungsmittelversorgung einer wachsenden Bevölkerung zu sichern, ist der wichtigste Treiber des Agrarsektors“, wird Fondsmanager Martin Jochum zitiert. „Ein zentraler Trend der nächsten Jahrzehnte wird die nachhaltige Intensivierung der Agrarproduktion sein, die ein Gleichgewicht zwischen der Maximierung der Ernteerträge und der Begrenzung der negativen Folgen für die Agrarrohstoffe finden muss.“ Der sperrige Satz verdeckt eine klare Aussage: Ohne Investitionen in die Landwirtschaft wird die Spekulation noch schlimmer werden.

          Einige namhafte Anbieter fehlen

          Zwölf Aktienfonds, die den Fokus auf Landwirtschaft legen, sind laut der Fondsratingagentur Morningstar in Deutschland zum Verkauf an Privatanleger zugelassen. Doch einige namhafte Anbieter fehlen. Die Union Investment beispielsweise ist der Fondspartner der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken, die ihre Stärke aus den ländlichen Gegenden ziehen. Einen Aktienfonds, der in Landwirtschaft investiert, führt sie dennoch nicht.

          Viele Agrarpreise notieren momentan auf Rekordhoch. Die Preise für Weizen haben sich seit Mitte Juni um 40 Prozent verteuert. Während man für einen Scheffel (etwa 35 Liter) Weizen im Juni 6,50 Dollar bezahlte, sind es heute fast 9 Dollar. Noch dramatischer ist es bei Mais: Im Juni kostete ein Scheffel 5 Dollar und heute 8 Dollar. Die Ursache für den steilen Preisanstieg sind Ernteausfälle in Nordamerika und Russland. Der Maisgürtel im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten wird von der schlimmsten Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1895 heimgesucht. Deswegen hat das amerikanische Landwirtschaftsministerium die Ernteprognose gesenkt: Nur noch 11 Millionen Scheffel Mais erwartet die Behörde nun. Das sind 17 Prozent weniger, als sie zu Jahresbeginn erwartet hatte.

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          Doch mit dieser Spekulationswelle wollen die Fondsmanager von Agrar-Aktienfonds nichts zu tun haben. Sie wollen, wie es einer von ihnen formuliert, Teil der Lösung sein und nicht Teil des Problems. Die meisten investieren in ähnliche Titel: In den Portefeuilles finden sich Aktien des Herstellers von Landmaschinen Deere oder von Caterpillar und Titan International. Auch Düngemittel- und Pflanzenschutzhersteller sind dabei, Bayer zum Beispiel oder Potash, K+S oder Bunge, und Saatgutproduzenten wie Syngenta. Manche investieren auch in Agrarkonzerne wie den Fruchtproduzenten Dole. So heißt es bei Allianz Global Investors, dass der Global Agricultural Trends nicht die Spekulation unterstützen, sondern eines der großen Probleme der Menschheit ansprechen soll, um unternehmerisch kreative Lösungen zu finden.

          Die DWS, Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, setzt mit dem DWS Invest Global Agribusiness etwas andere Akzente: „Unser Ziel ist es, mit dem Fonds zur Steigerung der Effizienz in der Erzeugung von Nahrungsmitteln beizutragen“, sagt Produktspezialist Stefan Meinhold. „Deshalb investieren wir nicht nur in die Produktion, sondern auch in Unternehmen, die im Absatz von Lebensmitteln aktiv sind, beispielsweise in die Nahrungsmittelhersteller oder Supermärkte.“

          DWS beteiligt sich nicht an Agrarpreisspekulation

          Zwar dominieren auch hier Aktien von Düngemittelherstellern. Doch Nahrungsmittel, Fleisch und Nahrungsmitteleinzelhändler machen zusammen gut 20 Prozent des Fondsvermögens von gut 1,7 Milliarden Euro aus. 2006 gegründet, ist der DWS-Fonds der älteste Agrar-Aktienfonds und laut Meinhold zugleich der größte der Welt. „Insgesamt verwaltet die DWS 2,5 Milliarden Euro in Agrar-Aktienfonds.“

          Was Agrarspekulationen betrifft, fährt die DWS eine klare Linie. „An der Agrarpreisspekulation beteiligt sich der DWS-Fonds nicht“, sagt Meinhold. „Seit zweieinhalb Jahren gibt es das harte Ausschlusskriterium, nicht in Rohstoffe zu investieren.“ Allerdings habe das der Fonds auch davor seit seiner Auflegung 2006 nicht gemacht. „Der Agribusiness ist nicht als Nachhaltigkeitsfonds konzipiert, nimmt aber viele Aspekte auf“, sagt Meinhold weiter. „Wir verstehen uns als aktiver Investor, der den Dialog mit den Unternehmen sucht, aber auch mit den verschiedenen politischen Organisationen, die im Agrarbereich aktiv sind.“

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