https://www.faz.net/-gv6-6mffc

Adlon : Hauskrach im Luxushotel

  • -Aktualisiert am

Zufriedene Gäste, unzufriedene Investoren: Hotel Adlon in Berlin Bild: Christian Thiel

Am Freitag stimmen die Adlon-Anleger über eine Auswechslung des Fondsgeschäftsführers ab. Der seit Jahren schwelende Streit geht damit einem neuen Höhepunkt entgegen.

          3 Min.

          Im Eigentümerkreis des Berliner Luxushotels Adlon ist in diesen Tagen ein Gerangel im Gange, das so gar nicht zu dem gepflegten Ambiente des besten Hauses am Platze passen will. Die Edelherberge am Brandenburger Tor gehört einem geschlossenen Immobilienfonds, der 1994 von der Fundus-Gruppe aus Düren aufgelegt wurde. Deren Gründer und Chef Anno August Jagdfeld ist in Personalunion auch Komplementär, sprich Geschäftsführer des Adlon-Fonds (Fundus Fonds Nr. 31 KG). Wenn es nach der „Schutzgemeinschaft der Adlon-Anleger“ geht, ist er das aber nur noch bis zum Ende der Woche. Sie haben einen Antrag auf seine Abwahl gestellt. Der seit Jahren schwelende Streit geht damit einem neuen Höhepunkt entgegen.

          Entzündet hat sich der Unmut in der Anlegerschaft an der wirtschaftlichen Entwicklung des Adlon Fonds. Mehrfach schon gab es keine Ausschüttungen. Dies liegt nicht daran, dass wohlhabende Gäste zunehmend einen großen Bogen um das Luxushotel machen. Der Hotelbetrieb unter der Ägide der Kempinski-Gruppe lässt kaum etwas zu wünschen übrig. Es ist vielmehr ein Anbau im hinteren Teil des Gebäudes mit Gastronomieflächen und einem Spa-Bereich, der nachträglich von den Fondseignern gebilligt wurde, sich aber als Ballast erwiesen hat. Die Mieteinnahmen fallen geringer aus als erwartet.

          Kräftig austeilen

          Angesichts von rund 4400 Gesellschaftern sind die Anteile am Hotel Adlon breit gestreut. Verkauft wurden sie vor allem an vermögende Privatanleger, unter anderem von der Dresdner Bank. Die Streuung macht den Verlauf der morgigen Gesellschafterversammlung unberechenbar. Im Vorfeld haben sich die beiden Protagonisten – der erfahrene Immobilieninvestor Jagdfeld auf der einen Seite und der Berliner Anwalt Thomas Fritsch als treibende Kraft hinter der Schutzgemeinschaft auf der anderen – einen Schlagabtausch geliefert, der selbst in der konfliktträchtigen Welt der geschlossenen Immobilienfonds seinesgleichen sucht. Geführt wurde er bevorzugt in Briefform.

          Jagdfeld beklagte sich dabei vor allem über „die Kampagne von Herrn Rechtsanwalt Fritsch“, dessen Vorwürfe „grund- und haltlos“ seien. In seinen jüngsten Schreiben an die Adlon-Anleger verwies er gern auf eine Untersuchung von Deloitte & Touche, die im Auftrag des Fonds-Verwaltungsrats den von Fritsch erhobenen Vorwürfen nachgehen sollte. „Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat alle relevanten Unterlagen (Verträge, Bilanzen, Bankkonten, sonstige Geschäftspapiere, Protokolle der Gesellschafterversammlungen, Datenbank des Treuhänders und Ähnliches) untersucht (. . .). Der Verwaltungsrat stellt aufgrund dieser Untersuchung in seinem Bericht fest, dass mich keinerlei Pflichtverletzungen treffen.“ Doch Jagdfeld weiß die Auseinandersetzung durchaus auch auf persönlicher Ebene zu führen: „Entscheiden Sie selbst, ob Sie Herrn Fritsch tatsächlich den Adlon-Fonds anvertrauen wollen – mit der von ihm ausdrücklich angekündigten Folge, dass der Fonds die nächsten Jahre mit Prozessen verbringen wird, an denen nur einer verdient: Herr Fritsch.“

          Der so Angegriffene kann allerdings auch kräftig austeilen. „Genauso gut können Sie das Orakel von Delphi befragen“, kommentiert er zum Beispiel die Entlastung durch den Verwaltungsrat. Ein Unterstützerschreiben für Jagdfeld bezeichnet er als „substanzlose Propaganda auf dem Niveau unterhalb der „Bild“-Zeitung“. Fritsch gibt sich in einem offenen Brief an die Anleger schon siegessicher: „Unabhängig davon, dass die Mehrheit zur Abwahl von Anno August Jagdfeld steht, sollten Sie für sich persönlich die Entscheidung treffen, ob nicht nach all den gebrochenen Versprechungen das Vertrauensverhältnis zu Anno August Jagdfeld nachhaltig und grundsätzlich zerrüttet ist und ein Neuanfang, wenn auch noch mit einigen offenen Fragen, der bessere wirtschaftliche Weg ist.“

          Die praktischen Folgen

          Allerdings gibt es auch unter den Jagdfeld-Gegnern Stimmen, die eine Abberufung zum jetzigen Zeitpunkt nicht für sinnvoll halten. „Wenn ein Auto gewandelt werden soll, wechselt man doch nicht vor der Rückgabe den Motor“, sagt der Düsseldorfer Anlegerschutzanwalt Jens Graf. Er hat sich darauf spezialisiert, die Banken auf Schadensersatz zu verklagen, die den Adlon-Fonds verkauft haben. Eine Auswechslung der Geschäftsführung des Fonds hält er für kontraproduktiv, weil sie etwa Schadensersatzansprüche gefährden könnte. Vor diesem Hintergrund würden seine Mandanten nicht aktiv daran teilnehmen.

          Möglich gemacht hat die Eskalation des Hauskrachs im Adlon-Fonds der Bundesgerichtshof (BGH) mit einem Urteil vom 11. Januar dieses Jahres (Az. II ZR 187/09). Danach sind Initiatoren von geschlossenen Fonds nunmehr verpflichtet, die Namen und Anschriften von Fondsanlegern herauszugeben, wenn Mitgesellschafter dies verlangen. Über diesen Weg können nun Anwälte wie Fritsch direkt an die Anleger herantreten und für ihr Anliegen werben. Die praktischen Folgen des Urteils sind im Adlon erstmals zu besichtigen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ungebrochene Nachfrage: Ein Kurier liefert in New York City Amazon-Pakete aus.

          Der Gigant und die Krise : „Amazon ist fast schon systemrelevant“

          Die Handelsplattform versorgt die Kunden in Corona-Zeiten mit dem Wichtigsten und baut ihre Marktanteile aus. Doch das Wachstum bringt auch Probleme mit sich. Noch ist nicht klar, wie der Onlinehandel nach der Krise aussehen wird.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.