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Abzocke : Reise gewonnen - Geld verloren!

  • -Aktualisiert am

„Kundendienst” der dubiosen Art Bild: Henning Bode

Seit Jahren schon warnen Verbraucherschützer vor angeblichen Reisegewinnen. Doch noch immer fallen angebliche „Gewinner“ darauf rein, sie werden gnadenlos abgezockt. Gewinnbenachrichtigung? - den Wisch einfach in den Papierkorb werfen!!

          Im ersten Moment war die Freude groß. "Herzlichen Glückwunsch" stand auf dem Anschreiben, das Elisabeth Friedrich Mitte vergangenen Jahres überraschend erhielt. Eine achttägige Flugreise in die Türkei für zwei Personen hatte sie gewonnen. Wert 996 Euro. Doch dann las sie weiter: Lediglich eine Buchungsgebühr von 75 Euro je Person sei noch zu entrichten, außerdem ein Kerosinzuschlag in nicht genannter Höhe, PAX-TAX für die Türkei und die Flugsicherheitsgebühren. Letztere ebenfalls nicht näher beziffert. Das kam der Wallgauer Rentnerin dann doch komisch vor, zumal sie sich auch nicht erinnern konnte, an dem Pisa-Studie-Gewinnspiel, das sie angeblich gewonnen hatte, überhaupt teilgenommen zu haben. Sie reagierte einfach nicht auf das Anschreiben.

          Eine gute Entscheidung, findet Hans-Frieder Schönheit, Touristikexperte bei der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Frankfurt. Denn hätte die Dame, die von einer kleinen Rente leben muss, den Gewinn angenommen, wäre sie das vermutlich noch teurer zu stehen gekommen. Der Anbieter Meier Europareisen lobt seit knapp zwei Jahren Gewinnreisen aus und ist Verbraucherschützern bestens bekannt. Neben fast 500 anderen Anbietern steht der angebliche Reiseveranstalter mittlerweile sogar auf einer "Liste der unseriösen Firmen", die die Verbraucherzentrale Hamburg ins Internet gestellt hat und laufend aktualisiert (http://www.vzhh.de/~upload/rewrite/TexteRecht/GewinnspieleListe.aspx).

          Angebliche Gewinner werden gnadenlos abgezockt

          Wer in der Vergangenheit gutgläubig seinen Gewinn angenommen hat, musste vor Ort noch kräftig draufzahlen. Nicht nur für Mittagessen wurde abkassiert, auch für diverse Ausflüge, die noch dazu keineswegs zu den Sehenswürdigkeiten des Landes führten, sondern zu Teppichhändlern, die dann versuchten, ihre Ware an den Mann zu bringen. "Gut 800 Euro" legte ein Paar aus München drauf, das seine Namen lieber nicht nennen möchte, "weil das ja irgendwie doch peinlich ist, darauf reingefallen zu sein".

          Stimmt. Das Phänomen ist keineswegs neu, betont auch Experte Schönheit. Es ist sogar so alt, dass nicht wenige Verbraucherschützer mittlerweile kurz vor der Kapitulation stehen. Seit Jahren schon, so eine Mitarbeiterin einer Verbraucherzentrale, werde in den Medien darüber berichtet, doch die "Gewinner" werden nicht schlauer. Die Anbieter, die die Adressen ihrer Opfer zumeist von professionellen Adresshändlern kaufen, hingegen schon. "Wellenweise" erläutert sie, ändern sie ihre Taktik.

          Derzeit, weiß auch Ute Klaus von der Verbraucherzentrale in Hessen, gibt es vor allem zwei Wege, über die angebliche Gewinner abkassiert werden. Der erste führt über kostenpflichtige Zusatzgebühren, die dann insgesamt so teuer sind, dass dadurch die gesamte Reise bezahlt wird. Besonders beliebt: Der Gewinn umfasst nur Hotel und Frühstück, die dazugehörigen Flüge und die Verpflegung sind dann extrem teuer. Oder er bezieht sich nur auf eine Person. Nimmt man jemanden mit, muss der den vollen, vollkommen überteuerten Preis zahlen. Und selbst wer tatsächlich alleine fährt, zahlt drauf, durch Einzelzimmerzuschläge, für die es anderswo Übernachtung mit Halbpension gibt.

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