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Abu Dhabi : Krankenhaus mit deutschem Fonds-Geld

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Abu Dhabi schreibt sich vor allem im Futur: Simulation des künftigen Kulturviertels „Saadiyat Island”. Das Scheichtum soll auch ein deutsches Krankenhaus bekommen Bild: dpa

In der Boomstadt Abu Dhabi baut nicht nur der französische Architekt Jean Nouvel eine Außenstelle des Louvres. Ein Fondsinitiator will ein deutsches Krankenhaus errichten und sammelt derzeit 48 Millionen Euro bei hiesigen Anlegern ein.

          Arabische Patienten sind derzeit gern gesehen bei europäischen Krankenhausbetreibern. Auf die wachsende Nachfrage nach medizinischer Versorgung reagiert der Nürnberger Fondsinitiator Shedlin Capital, den die My Finance Financial Consulting vor wenigen Monaten ins Leben gerufen hatte.

          Shedlin vertreibt derzeit einen geschlossenen Fonds, den Shedlin Middle East Health Care 1 und will ein Eigenkapital von 48 Millionen Euro bei institutionellen und privaten Anlegern einsammeln. „70 Prozent dieses ersten Fonds sind jetzt plaziert“, sagt Schmidt. Insgesamt peilt Shedlin ein Volumen von 100 Millionen Euro an, mit denen ein Krankenhaus und zwei Ärztehäuser in Abu Dhabi finanziert werden sollen.

          Im Herbst soll der Bau des Krankenhauses beginnen, das vom Herbst 2009 an vermögenden arabischen Patienten mehr als 100 Betten bieten soll. Deutsche Ärzte und deutsches Personal sind für die Betreuung der Patienten vorgesehen. Die Schwerpunkte werden laut Shedlin in der operativen und konservativen Behandlung der Bereiche Kardiologie, Orthopädie und Innere Medizin liegen.

          Keine Fremdfinanzierung

          Mit einem zweiten Fonds, der aber noch nicht zugelassen ist, will Shedlin den restlichen Betrag einsammeln. „In beiden Fonds haben wir keine Fremdfinanzierung“, sagte Robert Schmidt, Vorstandsvorsitzender von Shedlin. Das senkt zwar aus Anlegersicht die Rendite, aber gleichzeitig auch die Risiken. „Insgesamt ist unsere Kalkulation sehr konservativ“, sagte Schmidt.

          So könnte es durchaus sein, dass die medizinischen Geräte unter Umständen doch nicht gekauft, sondern geleast werden können, wodurch sich der Investitionsbedarf reduziere. Geplant sei, in sieben Jahren das Krankenhaus zu verkaufen. „Das könnte aber auch früher passieren“, sagte Schmidt. Denn neben der klassischen Verwertung über einen Börsengang oder den Verkauf an eine Klinikgruppe sei auch die Veräußerung an das Management des ersten deutschen Krankenhauses in Abu Dhabi, dem künftigen „German General Hospital“, denkbar. Dieses sei schon an dem Fonds beteiligt.

          Fonds unterliegt deutscher Abgeltungsteuer

          Eine jährliche Rendite von 14,28 Prozent stellt Schmidt in einem „Mid-Case-Szenario“ in Aussicht. Allerdings müssen Anleger darauf achten, dass sie zwar Teilhaber eines deutschen Fonds werden, der zwar klassisch als GmbH & Co KG firmiert. Tatsächlich ist aber vor Ort eine lokale Gesellschaft, die als eine „Free Zone Company“ registriert ist. Dadurch kommt sie in den Genuss von Steuervorteilen, so dass die Ausschüttung eventueller Gewinne an die deutsche Fondsgesellschaft steuerlich nicht vorbelastet ist.

          Eventuelle Gewinne deutscher Anleger sind dann in Deutschland der Abgeltungsteuer unterworfen. Steuerfrei sind lediglich Veräußerungsgewinne, falls diese bei der Verwertung des Krankenhauses und der Ärztehäuser anfallen.

          Wie bei allen geschlossenen Fonds müssen sich Anleger darüber im Klaren sein, dass sie letztlich eine unternehmerische Beteiligung eingehen - mit allen Chancen und Risiken, die sich daraus ergeben. Die Anlagesumme liegt bei mindestens 15.000 Euro, auf die Shedlin noch ein Agio von 5 Prozent erhebt. Die geplante Laufzeit beträgt sieben Jahre. Dabei sollten Anleger beachten, dass es unter Umständen sehr schwer sein kann, die Anteile an einem geschlossenen Fonds vor Ablauf zu verkaufen.

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