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Absolute Return Fonds : Das schwierige Ertragsversprechen

  • -Aktualisiert am

Händler im Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main Bild: dpa

Vor zehn Jahren wurden in Deutschland Fonds erlaubt, die eine stets positive Rendite versprechen dürfen. Das jedoch gelingt vielen bis heute nicht.

          3 Min.

          Mit einem großen Versprechen kamen Absolute-Return-Fonds vor zehn Jahren in Deutschland auf den Markt. Die neue Fondsgattung sollte den Anlegern die großen Sorgen abnehmen und, unabhängig von den Kapitalmärkten, stets eine positive Rendite abwerfen. „Zur richtigen Zeit im richtigen Markt“ – mit diesem Motto warb die Fondsgesellschaft DIT im Jahr 2004 für ihre ersten Absolute-Return-Fonds. Dumm war nur: Bevor der Anleger den Test machen konnte, war der DIT verschwunden. Die Fondsgesellschaft der Dresdner Bank ging kurz nach dem Untergang ihres Mutterschiffs im Jahr 2007 in der Allianz Global Investors auf.

          Bis heute fällt es vielen Anbietern von Absolute Return schwer, ihr Versprechen einzuhalten. 89 Prozent aller Absolute-Return-Fonds erzielten im Fünf-Jahresvergleich eine positive Rendite, heißt es in einer Untersuchung, die der Absolute-Return-Spezialist Lupus Alpha per Ende 2013 mit dem Fondsanalysehaus Lipper durchführte. Das sieht vordergründig ganz gut aus. Immerhin erreichten ein Jahr zuvor nur 65 Prozent der Absolute-Return-Fonds eine positive Rendite.

          Doch die starke Verbesserung ist dem Umstand geschuldet, dass viele Fondsgesellschaften ihre Absolute-Return-Strategien aufgegeben haben. Sie zogen die Konsequenzen aus dem dauerhaften Misserfolg ihrer angeblichen verlustfreien Anlagestrategien und lösten die Verlustfonds auf. Mit 620 Fonds hatte die Absolute-Return-Welle im Jahr 2011 in Deutschland ihren Höhepunkt erreicht. Seitdem schmolz der Bestand bis Ende vergangenen Jahres auf 505 Fonds.

          „Wie auch bei klassischen Fonds muss ein Anleger bei Absolute-Return-Fonds die Spreu vom Weizen trennen“, sagt Ralf Lochmüller, Vorstand und Gründer von Lupus Alpha. Ein Fonds müsse über mehrere Börsenzyklen hinweg seine Qualität bewiesen haben, fordert Lochmüller deshalb. Lupus Alpha zählte zusammen mit der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, zu den ersten Anbietern, die vor zehn Jahren Absolute-Return-Fonds auf den deutschen Markt brachten.

          „Der Markt bestraft die performanceschwachen und kleinen Fonds“, heißt es in der Untersuchung von Lupus Alpha und Lipper. Viele Fonds seien in den vergangenen Jahren liquidiert worden, nachdem sie ihren Anlegern im Durchschnitt einen Wertverlust von 3,1 Prozent im Jahr 2012 gebracht hatten. Die Folge: Es werden mehr Absolute-Return-Fonds liquidiert. 144 wurden allein im vergangenen Jahr aufgelöst. So hoch war die Zahl noch nie.

          Es werden zugleich weniger aufgelegt. 144 Neulingen kamen im Jahr 2010 auf den Markt – trotz der Finanzkrise, die im Herbst 2008 ihren Höhepunkt mit dem Zusammenbruch der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers erreicht hatte. Oder vielleicht waren die Anleger gerade wegen der großen Unsicherheit im Zuge der Finanzkrise für Absolute Return empfänglich. Jedenfalls geht die Zahl neuer Fonds Jahr für Jahr zurück. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 30.

          Dabei sind Anlagestrategien mit Sicherheitsnetz offenbar noch gefragt. Das Vermögen, das die deutschen Anleger in Absolute-Return-Strategien anlegen, steigt und steigt. Im vergangenen Jahr erhöhte es sich auf 125,4 Milliarden Euro. Insgesamt verwaltet die Fondsbranche in Deutschland ein Vermögen von 2,1 Billionen Euro, erhob der Branchenverband BVI per Ende Februar dieses Jahres. In ihrem Ziel sind sich alle Absolute-Return-Strategien ähneln: Sie streben unabhängig von der Börsenkonjunktur eine positive Wertentwicklung an.

          Die Wege dahin sind so verschieden wie selten. Da gibt es Ansätze, die aus der Welt der Hedgefonds stammen, sehr mathematisch aufgebaut sind, auf komplexen Modellen basieren und stärker Derivate einsetzen als es in anderen Fonds der Fall ist. Andere Fondsmanager wiederum versuchen, Risiko und Kursschwankungen in den Griff zu bekommen, indem sie die Tatsache ausnutzen, dass manche Vermögenswerte auf bestimmte Ereignisse weniger stark reagieren als andere.

          Oder sie machen sich unterschiedliche Korrelationen zunutze: Von einer positiven Korrelation beispielsweise zwischen zwei Aktien sprechen die Finanzprofis dann, wenn der eine Aktienkurs steigt, wenn auch der andere in die Höhe geht. Genauso gibt es auch negative Korrelationen, die sich Fondsmanager zunutze machen.

          In den vergangenen Jahren hat die Fondsbranche daran gearbeitet, Absolute-Return-Fonds auch für Ausnahmesituationen krisenfest zu machen. Dennoch mahnt Lochmüller: „Auch bei Absolute Return muss man als Fondsmanager eine gewisse Demut mitbringen.“ Schon bei ihrer Einführung vor zehn Jahren hob diese Zeitung hervor: „Je größer das Anlageuniversum des Fonds ist und je mehr man in solch einen Fonds investiert, um so weniger hat der Anleger noch Einfluss auf seine gesamte Portfoliostruktur.“

          Die Kritik von damals hält Lochmüller durchaus für gerechtfertigt. „Ein Anleger sollte sich nie auf Gedeih und Verderb einem einzigen Fondsmanager aussetzen“, warnt Lochmüller. „Aufgrund der vielen verschiedenen Ansätzen gibt es auch in Absolute Return so große Unterschiede, dass es Sinn macht, nicht alle Eier in einen Korb zu legen.“

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