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Abgeltungsteuer : Aktienkauf kann selbst für Pessimisten sinnvoll sein

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Bild: Fosshag; Bengt

Langfristig orientierte Anleger haben aus steuerlicher Sicht gute Gründe, sich noch vor dem Jahreswechsel mit Aktien einzudecken. Der Vorteil ist so groß, dass sich der Last-Minute-Erwerb selbst bei weiter fallenden Kursen lohnen kann.

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          Langfristig orientierte Anleger haben aus steuerlicher Sicht gute Gründe, sich noch vor dem Jahreswechsel mit Aktien einzudecken. Der Vorteil ist bei einem langen Anlagezeitraum so groß, dass der Last-Minute-Erwerb selbst für Pessimisten, die mit einem weiteren Kursverfall im kommenden Jahr rechnen, sinnvoll erscheinen kann.

          Die rechtzeitig vor der Einführung der pauschalen Abgeltungsteuer im kommenden Jahr gekauften Titel genießen Bestandsschutz. Kursgewinne können also wie bisher steuerfrei vereinnahmt werden, sofern die Aktien länger als ein Jahr gehalten werden. Nur die Dividenden werden für die rechtzeitig gekauften Aktien künftig pauschal mit 25 Prozent besteuert, zuzüglich des Solidaritätszuschlags und eventuell der Kirchensteuer.

          Aus steuerlicher Sicht ist der Aktienkauf vor dem Jahresende attraktiv, ...

          Wahlweise kann für die Dividenden statt der pauschalen Steuer auch die Besteuerung nach dem individuellen Einkommensteuersatz gewählt werden. Für Aktien, die erst im neuen Jahr gekauft werden, müssen die Anleger dagegen zusätzlich zu den Dividenden auch die Kursgewinne versteuern, unabhängig davon, wie lange die Papiere im Depot verbleiben.

          Aus steuerlicher Sicht ist der Aktienkauf vor dem Jahresende also attraktiv. Doch angesichts der Wirtschafts- und Finanzkrise und Kursverlusten, die sich in diesem Jahr für den Aktienindex Dax auf gut 40 Prozent summieren, schrecken viele Anleger aus guten Gründen vor einem Engagement zurück.

          Doch selbst eingefleischte Pessimisten, die einen weiteren Verfall der Kurse mit Sicherheit erwarten, sollten den Aktienkauf vor dem Jahresende zumindest prüfen. Bei langfristiger Anlage kann der Steuervorteil so groß sein, dass der Kauf vor Jahresende selbst dann eine vernünftige Entscheidung wäre, wenn man sicher wüsste, dass Aktien in einem Jahr zu günstigeren Kursen gehandelt werden als heute. Das zeigt eine Berechnung des Finanzberaters Yan Steinschen, Vorstand im Verein „Finanzplaner Deutschland Bundesverband“. Steinschen hat auf Anregung dieser Zeitung unter der Annahme eines Anlagezeitraums von 30 Jahren gerechnet. Außerdem lässt er seine Beispielrechnung mit einem Kurseinbruch im Jahr 2009 beginnen und setzt sie für die folgenden 29 Jahre mit einer Aktienrendite von durchschnittlich 6 Prozent im Jahr fort, die je zur Hälfte aus Dividende und Kursgewinnen resultiert.

          ... entscheidend ist jedoch, welche Kursentwicklung man erwartet

          Ob sich auch unter diesen Umständen die steuerlich motivierte Geldanlage auf den letzten Drücker lohnt, hängt selbstverständlich vom Ausmaß des befürchteten Kursverfalls ab. Bei einem angenommenen Kurseinbruch um etwa 18 Prozent im Jahr 2009 ist es egal, ob der Langfristanleger noch in diesem Jahr Aktien kauft und sich so die steuerlichen Vorteile für die Zukunft sichert oder ob er den - in der Beispielrechnung vorausgesetzten - Kursverfall zunächst abwartet und dann zu günstigeren Kursen und höheren Steuern ein Jahr später investiert. In beiden Fällen ist nach Ablauf von 30 Jahren eine jährliche Rendite von knapp 4,4 Prozent nach Steuern zu erwarten.

          Mit anderen Worten: Wer glaubt, dass die Aktienmärkte das Schlimmste hinter sich haben, kann jetzt zugreifen, um sich auf die Abgeltungsteuer vorzubereiten. Wer dagegen einen Fortgang der Baisse für wahrscheinlicher hält, sollte sich von steuerlichen Überlegungen nicht zu sehr ins Risiko locken lassen, zumal die geschilderte Rechnung nur aufgeht, wenn die Aktien in den kommenden drei Jahrzehnten nicht mehr angefasst werden. Finanzberater Steinschen, der die Beispielrechnung durchgeführt hat, zählt sich selbst übrigens zu den Pessimisten. Er erwartet, dass Aktien in fünf bis zehn Jahren zu deutlich geringeren Kursen als heute gehandelt werden.

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