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6000 neue Produkte täglich : Banken fluten den Zertifikatemarkt

Bild: F.A.Z.

Das Angebot an Zertifikaten nimmt zu: Anfang des Jahres wurden täglich fast 6.000 neue Produkte von den Banken begeben. Doch das immer größere Angebot stößt auf eine stagnierende Nachfrage.

          Das Angebot an Zertifikaten auf dem deutschen Markt nimmt rapide zu. Wie der Deutsche Derivate Verband (DDV) am Montag mitteilte, stieg die Zahl der ausstehenden Zertifikate, Optionsscheine und Knock-out-Papiere im Februar auf 654.730. Ende Dezember waren es noch rund 130.000 Produkte weniger gewesen. Im Januar und Februar wurden täglich im Durchschnitt fast 6000 neue Produkte von den Banken begeben. Das Emissionsvolumen hat sich im Vergleich zum Vorjahr damit verdoppelt.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Das immer größere Angebot an Zertifikaten stößt jedoch auf eine stagnierende Nachfrage. Ende 2010 waren in Deutschland gut 106 Milliarden Euro in Zertifikaten angelegt; ein Anstieg um nur 3 Prozent im Jahresverlauf in einem überaus guten Kapitalmarktumfeld. Die in den vergangenen Monaten deutlich beschleunigte Emissionstätigkeit der Banken im Zertifikatemarkt wird in der Branche auf einen verstärkten Wettbewerb zurückgeführt. „Der Markt wächst kaum und da wird der Kampf um Marktanteile zusehends schärfer“, sagt Heiko Weyand von HSBC Trinkaus. „Es herrscht seit der Finanzkrise ein intensiver Verdrängungswettbewerb, der derzeit nicht über neue Strukturen oder Basiswerte, sondern über die Zahl der Produkte und deren Preise geführt wird.“

          „Sinnvoll, ein möglichst breites Angebot zu haben“

          Die Emissionskosten eines Zertifikats fallen dabei kaum ins Gewicht. Die neuen Produkte bedürfen in der Regel keiner gesonderten Zulassung. Dadurch werden Massenemissionen begünstigt. Immer mehr Banken entwickeln sich so zu immer ausdifferenzierteren Vollsortimentanbietern. Auf zahlreiche Aktien und Indizes werden verschiedene Produktstrukturen mit Laufzeiten von wenigen Wochen bis einigen Jahren begeben und dies mit ausdifferenzierten Rendite-Risikoprofilen. So kommt bei rund 40 Zertifikateanbietern in Deutschland schnell eine große Zahl an Produkten zustande. Insbesondere im Bereich der riskanten Knock-out-Papiere und Optionsscheine sind permanent neue Emissionen nötig, um die Produktpalette auf einem aktuellem Stand zu halten.

          „Es wird derzeit eine sehr viel größere Marktbreite geschaffen“, sagt Mathias Schölzel von der Deutschen Bank. „Mittlerweile haben bald ein Dutzend Anbieter mehr als 30.000 Produkte im Angebot, vor einem Jahr hatten dies vielleicht drei oder vier Banken.“ Jeder wolle mittlerweile über ein möglichst breites Angebot verfügen. „Es lässt sich schlicht nicht vorhersagen, was der Kunde morgen gern handeln möchte, und da ist es sinnvoll, ein möglichst breites Angebot zu haben.“ Die Deutsche Bank ist mit gut 90.000 ausstehenden Produkten hinter der Commerzbank mit mehr als 100.000 Produkten der zweitgrößte Zertifikateanbieter in Deutschland.

          Konditionen zusehends günstiger

          Zum Nachteil der Anleger ist das große Angebot nicht. Zunächst hatte der scharfe Wettbewerb auch mit Indexfondsanbietern dazu geführt, dass Indexzertifikate in der Regel ohne Verwaltungsgebühren und ohne Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufkursen angeboten wurden. Mittlerweile werden auch die Konditionen anderer Zertifikatestrukturen zusehends günstiger. Auch die Handelbarkeit der Produkte leidet nicht unter dem großen Angebot. Zwar findet in den meisten Zertifikaten und Hebelpapieren über Tage und Wochen oder sogar nie Handel statt, die Emittenten stellen jedoch für alle Produkte täglich Kauf- und Verkaufkurse zu denen ein Handel jederzeit möglich ist. Anders als am Aktienmarkt ist es aus Anlegersicht deshalb kein Problem, wenn in einem Papier nur wenig Handel stattfindet. Die Produktkonditionen werden dadurch nicht schlechter. Die Kurse ergeben sich nicht durch Angebot und Nachfrage, sondern werden vom Emittenten auf Basis der Marktlage und der Produktausgestaltung berechnet.

          Für die derzeit mehr als 650.000 Produkte ist daher eine ungeheure Rechnerleistung in den Banken und an den Zertifikatebörsen Scoach in Frankfurt und Euwax in Stuttgart nötig. Dass dies einmal zum begrenzenden Faktor für weitere Neuemissionen werden könnte, erwartet jedoch kaum ein Marktteilnehmer.

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