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20 Jahre Börsencrash : Ein Verlust von 22,6 Prozent an einem Tag

  • Aktualisiert am

Panik mitten im Krach: Der Kurssturz 1987 dominierte die Schlagzeilen Bild: AP

Vor genau zwanzig Jahren erlebte die Wall Street ihren schwärzesten Tag. Der Krach konnte die Jahrhunderthausse aber nur kurz unterbrechen.

          2 Min.

          Als die New Yorker Börse vor zwanzig Jahren ihren schwärzesten Tag erlebte, saß Alan Greenspan im Flugzeug von Washington nach Dallas. Nach der Landung fragte der frischgebackene Chef der amerikanischen Notenbank Fed sein Empfangskomitee als Erstes nach dem Schlussstand beim Dow-Jones-Index. Im Flugzeug hatte es kein Telefon gegeben. Die Börsenkurse waren bereits stark gefallen, als Greenspan losgeflogen war, und er machte sich Sorgen.

          „Er ist Fünf-Null-Acht runter“, antworteten die Vertreter der Federal Reserve von Dallas, die Greenspan abholten. Das beruhigte den Notenbanker kurz, wie er in seinen Memoiren schreibt. Er dachte nämlich, dass „Fünf-Null-Acht“ 5,08 Punkte bedeutete, und so freute er sich über die vermeintliche Erholung. Aber auf den Gesichtern seiner Kollegen war keine Erleichterung zu erkennen.

          Immer wieder im Oktober

          Mit der Kurzformel „Fünf-Null-Acht“ wollten die Notenbanker aus Dallas Greenspan bedeuten, dass der Dow Jones um 508 Punkte eingebrochen war - dies war ein Verlust von 22,6 Prozent an einem einzigen Tag. Während der kurzen Zeit, in der Greenspan im Flugzeug saß, verpuffte also fast ein Viertel des amerikanischen Börsenkapitals.

          Es war der zweitgrößte prozentuale Tagesverlust in der Geschichte des Dow Jones. Nur im Dezember 1914 war der Index einmal stärker gefallen. Zum Vergleich: Der Leitindex der amerikanischen Aktienmärkte, der aktuell um 14.000 Punkte pendelt, müsste jetzt an einem Tag um mehr als 3.150 Punkte stürzen, um den Rekord von damals einzustellen.

          Am heutigen Freitag jährt sich der Tag dieses Börsenkrachs, der 19. Oktober 1987, zum zwanzigsten Mal. Der „schwarze Montag“ von 1987 trug auch mit dazu bei, dem Börsenmonat Oktober die Reputation eines für starke Kursverluste anfälligen Zeitraums zu geben. Auch der Börsenkrach von 1929, der die Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre einleitete, hatte im Monat Oktober stattgefunden. Damals waren die Aktienkurse an zwei Tagen um insgesamt 23 Prozent gefallen. Auch an einem Oktobertag vor zehn Jahren hatten die Kurse der amerikanischen Börsen um mehr als 7 Prozent nachgegeben.

          Parallelen und Unterschiede

          Das runde Jubiläum eines nervenaufreibenden Börsenkrachs ist für Börsianer immer ein Grund, die aktuelle Lage zu prüfen. Parallelen gibt es genug. Heute wie damals befand sich der Dow Jones auf einem Rekordniveau. Der Kurs des amerikanischen Dollar stand damals ebenfalls unter Druck, und die Vereinigten Staaten sorgten sich wegen ihres großen Außenhandelsdefizits und wegen des wachsenden Einflusses großer asiatischer Exportnationen. Damals war Japan der Angstgegner, heute ist es China. In beiden Jahren machten Beteiligungsgesellschaften wie Kohlberg Kravis Roberts mit großen Übernahmen börsennotierter Unternehmen Schlagzeilen. Und in beiden Jahren gab es Verwerfungen im Kreditmarkt.

          Allerdings bestehen auch große Unterschiede - weswegen sich Börsianer an den amerikanischen Aktienmärkten keine großen Sorgen machen, dass es diesen Oktober zu einem neuerlichen Einbruch kommt. Vor zwanzig Jahren waren die Kurse zuvor viel steiler gestiegen als heute. Allein 1987 hatte der Dow Jones zeitweilig um mehr als 40 Prozent zugelegt. Im laufenden Jahr lag der Dow, als er am 11. Oktober das Rekordhoch von 14.198 Punkten erreichte, mit vergleichsweise bescheidenen 14 Prozent im Plus. Zudem sind Aktien im Vergleich zu den erwirtschafteten Gewinnen der Unternehmen günstiger bewertet als vor zwanzig Jahren.

          Ein großer Unterschied besteht auch in der Position der Fed. Greenspan hatte die Geldpolitik erst nach dem schwarzen Montag gelockert. Sein Nachfolger Ben Bernanke hat die Leitzinsen in diesem Jahr während der Vertrauenskrise am Kreditmarkt rasch gesenkt. Das hatte nach den Börsenturbulenzen im Sommer für eine rasche Erholung der Aktienkurse gesorgt.

          Der 19. Oktober 1987 hat die Hausse nur kurz unterbrochen. Seitdem hat sich der Dow Jones versiebenfacht. Das verklärt die heutige Wahrnehmung dieses brutalen Kurseinbruchs und lässt die Panik von damals vergessen. „Blickt man zurück auf 1987, war der Tag nach dem Börsenkrach die beste Kaufgelegenheit aller Zeiten“, resümiert Ann Sonders, die Chef-Anlagestrategin beim Wertpapierhandelshaus Charles Schwab.

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