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Finanzskandale (12): Ivar Kreuger : Der Untergang des Zündholzkönigs

Ivar Kreuger in seinem Büro Bild: GFDL

Ivar Kreuger war einer der berühmtesten Finanziers und Industriellen der Zwischenkriegszeit. Sein Imperium, das eine Zeit lang drei Viertel des Weltmarkts für Streichhölzer kontrollierte, war auf Schulden gebaut und kollabierte schließlich.

          Am Samstag, dem 12. März 1932, schritt André Kostolany bewegt über die Champs-Elysées. Die Franzosen hatten sich in großer Zahl auf der Prachtallee versammelt, um Abschied von ihrem verstorbenen Staatspräsidenten Aristide Briand zu nehmen. Kostolany, der schon damals eher ein praktischer denn ein sentimentaler Mensch war, nutzte die Gelegenheit, um bei seinem auf den Champs-Elysées gelegenen Börsenmakler vorbeizuschauen. Denn zu jener Zeit wurde samstags an der Börse gehandelt, wenn auch nur zwei Stunden lang.

          Gerald Braunberger

          Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Kostolany war erstaunt, denn der Handel verlief allgemein sehr träge, nur in einem Wert fanden außerordentlich hohe Umsätze statt: in der Aktie des berühmten schwedischen Finanziers und Streichholzfabrikanten Ivar Kreuger (1880 bis 1932), der Kreuger & Toll-Aktie. Doch was noch erstaunlicher war: Trotz der hohen Umsätze veränderte sich der Kurs nicht. Kostolany war schon damals Profi genug, um zu erkennen, was hier geschah. Offenbar bemühten sich Banken im Auftrag Kreugers, den Aktienkurs trotz der Verkaufswelle nicht unter einen bestimmten Betrag fallen zu lassen. Die Stützungskäufe mussten immens teuer sein.

          Tod einen halben Tag geheim gehalten

          Was weder Kostolany noch die stützenden Banken im Unterschied zu dem einen oder anderen Verkäufer wussten: Zu diesem Zeitpunkt lag Ivar Kreuger auf seinem Bett in seiner Pariser Wohnung nicht weit von den Champs-Elysées entfernt - mit einer Pistolenkugel im Herzen. Der Tod des damals weltberühmten Unternehmers wurde einen halben Tag offiziell geheim gehalten; allerdings sickerten wohl genügend Informationen an interessierte Kreise durch, die schnell noch durch die Verkäufe ihrer Aktien Kasse machen wollten.

          Der Tod Kreugers und der anschließende Zusammenbruch seiner Unternehmensgruppe wurden damals zu Ereignissen, die die Schlagzeilen der Weltpresse beherrschten. Die Rede war vom „größten Schwindler der Welt“ (Time Magazine), und schon bald tauchten bis heute kursierende Verschwörungstheorien auf, wonach Kreuger entgegen den offiziellen Angaben der Pariser Polizei gar nicht Selbstmord begangen habe, sondern im Auftrage finsterer Hintermänner ermordet worden sei. Die Argumente für und gegen die jeweilige These können an dieser Stelle nicht aufgelistet und beurteilt werden. Tatsache bleibt, dass Kreuger Gründe besessen hätte, sich umzubringen, und dass auch andere Hinweise für einen Selbstmord sprechen.

          Vom Bau zum Streichholz

          Ivar Kreuger wurde am 2. März 1880 im schwedischen Kalmar als Sohn eines Zündholzfabrikanten geboren. Die Familie hieß ursprünglich Kröger und war im 17. Jahrhundert aus Mecklenburg nach Schweden gekommen. Der junge Ivar zeigte schon in der Schule außerordentliche Leistungen und schloss mit gerade 20 Jahren ein Studium als Bergbauingenieur ab. Dann zog er mehrere Jahre durch die Welt, nach Amerika (wo er eine junge Frau aus dem Mississippi rettet), nach Südafrika (wo er den Bau des damals größten Hotels der Welt leitete), Indien, Mexiko und Großbritannien.

          Schließlich kehrte Kreuger nach Schweden zurück und gründete dort mit seinem Freund Paul Toll das Bauunternehmen Kreuger & Toll. Im Jahre 1913 übernahm er zudem die Unternehmensgruppe seines Vaters, die auf der Herstellung von Zündhölzern beruhte, die damals ein lukrativer Wirtschaftszweig waren. Kreuger baute das Unternehmen zielstrebig aus. Zu einem weltberühmten Mann wurde er jedoch erst in seiner Eigenschaft als Finanzier.

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