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Fonds-Chef Al Kudsi im Gespräch : „Sam war nicht da, aber dafür ein anderer sehr guter Pianist“

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Nazem Fawwaz Al Kudsi Bild: Abu Dhabi Invest

Die Umbrüche in Nordafrika und im Nahen Osten sind in vollem Gange. Nazem Fawwaz Al Kudsi, Chef eines Staatsfonds in Abu Dhabi, spricht über den arabischen Frühling, einen neuen Finanzplatz in Casablanca und den Goldrausch in Kalifornien.

          Herr Al Kudsi, die Bilder von den Demonstrationen in Ägypten oder die Nachrichten über den Bürgerkrieg in Syrien verstören. Ist der arabische Frühling bisher erfolgreich?

          Wir sollten dafür zuerst darüber reden, was Frühling bedeutet. Das ist die Zeit nach dem Winter, der Boden ist tot, gefroren und beginnt erst ganz langsam wieder zu leben. Die Samen müssen aufwachen, in einer schweren Umgebung, Wurzeln bilden. Haben Sie jemals gesehen, wie das ist, wenn kleine Pflanzen zwischen Felsbrocken oder hartem Gestein wachsen?

          Ja.

          Und haben Sie sich jemals gefragt, wie stark so eine kleine Pflanze sein muss, wenn sie versucht, durch diese harte Materie zu brechen? Wir gehen daran oft achtlos vorbei, aber wenn wir einmal darüber nachdenken, staunen wir. Doch nun zurück zu dem, was in der arabischen Welt passiert. Zunächst: Die arabische Welt ist nicht homogen. Wenn Sie in ein Flugzeug steigen und von Dubai nach Marokko fliegen, was mehr als acht Stunden dauert...

          ...länger als ein Flug über Euro-Europa...

          ..., dann reden wir von verschiedenen Kulturen, die von verschiedenen Kolonialmächten beeinflusst wurden - britischer, französischer, italienischer Gesetzgebung. Einige dieser Länder waren nicht stabil, sie mussten sich ändern, die Zustände waren ungesund. Philosophisch gesprochen war es schlicht natürlich, dass diese Änderungen ausgelöst wurden. Lassen Sie uns dazu über die wirtschaftliche Situation reden, die sehr erhellend ist.

          Gerne.

          Sie haben eine Region, deren Bevölkerung wächst - im Gegensatz zum Beispiel zu Europa oder Japan. Der Anteil von Menschen unter 20 Jahren ist der größte auf der ganzen Welt. Das bedeutet, dass viele neue Arbeitsplätze hermüssen. Ohne bestimmte Länder zu nennen: Wenn Sie die Zahl der Arbeitsplätze nehmen, die von den Unternehmen der Region und den Staaten über die kommenden 30 bis 40 Jahre geschaffen werden müssen unter den demographischen Gegebenheiten und der Tatsache, dass das mit den bestehenden Strukturen nicht möglich ist, dann sind Sie über den arabischen Frühling, über die Umwälzungen gar nicht so überrascht.

          Wie läuft es denn in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo Sie wohnen?

          Das ist sicherlich der liberalste Staat der Region. Die Entscheidung der Verantwortlichen, in Infrastruktur zu investieren, wie zum Beispiel Krankenhäuser und Schulen, und Möglichkeiten zu schaffen für die Menschen, hat sich sehr positiv ausgewirkt und das Land zu einem „sicheren Hafen“ gemacht. Schauen Sie zum Beispiel nach Dubai, das ist der wichtigste Handelsumschlagsplatz in der Region - vergleichbar etwa mit dem Hongkong der 1960er Jahre. Hongkong hielt sich stabil während der Kulturrevolution in China, des Vietnamkrieges, des indonesischen Bürgerkriegs, also durch schwere Zeiten.

          Sind die Vereinigten Arabischen Emirate ein Vorbild für die Nachbarländer?

          Sie sollten es sein. Was wir in der Region brauchen, sind Investitionen in Infrastruktur, und zwar solche, die den breiten Massen nutzt und nicht nur ausgewählten kleinen Gruppen - wie Straßen, Brücken oder Breitbandtelekommunikation. Der arabische Frühling sollte sich in diese Richtung bewegen; die Gesellschaften müssen stärker werden. Ein positives Beispiel dafür ist übrigens auch Marokko.

          Obwohl dort ein König regiert?

          Ja, aber ein König, der sehr schnell auf die Aufstände in den anderen Ländern reagiert hat, indem er sehr schnell Änderungen der Verfassung auf die Tagesordnung brachte, um das Volk stärker am politischen Entscheidungsprozess zu beteiligen. Wir sind sehr optimistisch für das Land. Es ist übrigens gerade dabei, eine eigene Finanzhochburg aufzubauen in Casablanca. Wir wurden eingeladen, um uns das Konzept anzusehen.

          Hat es eine Chance, der Kapitalmarkt ist ja eine sehr internationale Angelegenheit?

          Die Marokkaner machen dabei eine sehr einfache Rechnung auf: Sie wissen um ihre geografische Position an Atlantik und Mittelmeer, sprechen Arabisch und Französisch und verfügen außerdem über Expertise, was Nordafrika angeht und Westafrika. Sie wollen einen in Euro denominierten Aktienmarkt schaffen. Und sie wollen Unternehmen der Region einladen, und gemeinsame Reportingstandards festlegen. Corporate Governance ist ja typischerweise ein großes Problem in Schwellenländern und ein Grund, warum Anleger vor Investition zurückschrecken.

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