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Börsenkurse brechen ein : Schwarzer Donnerstag

  • Aktualisiert am

Verzweiflung an der Börse. Bild: AP

Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sorgt für dramatische Kursverluste an den Aktienmärkten. Der Dax verliert 12 Prozent, der Dow verzeichnet stärksten Kurssturz seit 1987.

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          Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sorgt für dramatische Kursverluste an den Aktienmärkten. Der deutsche Standardwerteindex Dax fiel um mehr als 12 Prozent auf 9.161 Punkte und schloss mit dem zweitgrößten Tagesverlust in seiner Geschichte. Auch an den amerikanischen Börsen war dieser Donnerstag einer der schwärzesten in der Börsengeschichte. Der amerikanische Leitindex Dow Jones verlor 10 Porzent auf 21.200 Punkte, das größte Minus seit 32 Jahren. Der marktbreite S&P-500-Index verminderte sich in ähnlicher Größenordnung. Die Ankündigung der New Yorker Filiale der amerikanischen Notenbank (Fed), neue Liquiditätsspritzen für Banken aufzulegen, konnte die Kursverluste nur vorübergehend eindämmen. Sowohl in Europa als auch in Amerika waren die Börsenumsätze deutlich höher als in den Monaten zuvor, was für eine substantielle und breite Marktbewegung spricht.

          Die Marktkapitalisierung der börsennotierten amerikanischen Unternehmen ist seit Mitte Februar um ungefähr 6 Billionen Dollar geschrumpft – dies entspricht dem Eineinhalbfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands. Wegen der schnellen und starken Kursverluste unterbrachen die amerikanischen Börsen den Aktienhandel wie schon am Montag um 15 Minuten.

          Die Angst davor, dass sich das Coronavirus weiter rund um die Welt schnell ausbreitet, hält auch die europäischen Anleger fest im Griff:

          Notenbanken reagieren

          Überdurchschnittlich stark verminderte sich der Börsenwert der Lufthansa. Der Aktienkurs der Deutschen Bank fiel auf den niedrigsten Stand aller Zeiten; insgesamt halten die Anleger Deutschlands größtes Geldhaus damit noch für ungefähr 11 Milliarden Euro wert. Die Anteile an den Automobilherstellern Volkswagen und Daimler, dem Zulieferer Continental oder dem Energieunternehmen RWE verbilligten sich ebenfalls im Handelsverlauf deutlich.

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          Auch der Ölpreis sank abermals – ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent kostete mit 32,57 Dollar 9 Prozent weniger als am Tag zuvor. Kursgewinne verzeichneten traditionell als ausfallsicher geltenden Schuldtitel wie etwa Bundesanleihen und amerikanische Staatsanleihen. Kurverluste erlitten hingegen italienische Staatsanleihen, deren Rendite sich erhöhte.

          Die Weltgesundheitsorganisation stuft die Folgen der Coronavirus-Ausbreitung mittlerweile als Pandemie ein. Der amerikanische Präsident Donald Trump kündigte am Mittwochabend an, dass Europäer aus dem Schengenraum vorübergehend nicht in die Vereinigten Staaten einreisen dürfen.

          Seit Anfang des Jahres ging es für den Dax damit um fast 30 Prozent nach unten. Das keine vier Wochen zurückliegende Rekordhoch von knapp unter 13.800 Punkten liegt heute in weiter Ferne. Wegen der Viruskrise haben die wichtigsten Zentralbanken der Welt ihre Geldpolitik gelockert. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve und die britische Notenbank senkten außerplanmäßig ihre Leitzinsen um jeweils einen halben Prozentpunkt.

          Die Führung der Europäischen Zentralbank beschloss auf ihrer Sitzung an diesem Donnerstag, die Wertpapierkäufe auszuweiten und Kredite für kleine Unternehmen zu erleichtern. Die EZB-Bankenaufsicht verkündete, die Kapitalanforderungen an die Finanzinstitute zu erleichtern. „Die Ausbreitung des Coronavirus COVID-19 war ein großer Schock für die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft und der Wirtschaft im Euro-Raum“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Von den Regierungen forderte sie eindringlich verstärkte Ausgaben im Kampf gegen die Krise. Es müsse finanzpolitisch eine „ambitionierte und abgestimmte“ Antwort geben.

          Die italienische Regierung ordnete wiederum an, dass alle Gaststätten das Landes vorübergehend geschlossen bleiben. Staatsführungen rund um den Globus schränken beinahe stündlich das Leben ein, indem Schulen oder Geschäfte geschlossen bleiben und Veranstaltungen abgesagt werden.

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