https://www.faz.net/-gv6-6zk3g

Folgen der Finanzkrise : Banken reißen sich um Ramschpapiere

  • -Aktualisiert am

New Yorks Notenbank versteigert erfolgreich „Giftpapiere“. Bild: ddp images/AP/Louis Lanzano

Die Deutsche Bank und andere Geldinistitute ersteigern Wertpapiere, die einst als toxisch galten. Jetzt machen sie damit Gewinn.

          Risiko ist an der Wall Street wieder en vogue. Große Banken, darunter die Deutsche Bank, reißen sich in diesem Jahr um „Schrottanleihen“, die noch vor dreieinhalb Jahren im Zentrum der Finanzkrise gestanden hatten. Die Deutsche Bank erhielt zusammen mit der britischen Großbank Barclays in der vergangenen Woche den Zuschlag für ein Paket komplexer Anleihen, welche die New Yorker Notenbank Fed im Jahr 2008 im Rahmen der Rettungsaktion für den Versicherer AIG erworben hatte (F.A.Z. vom 28. April). Besichert sind diese Anleihekonstrukte mit Hypotheken auf Geschäftsimmobilien.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Im ersten Quartal hatten bereits die Banken Goldman Sachs und Credit Suisse bei mehreren Auktionen insgesamt 10,3 Milliarden Dollar für komplexe Anleihen gezahlt, hinter denen zweitklassige Darlehen für Einfamilienhäuser stehen, sogenannte Subprime-Hypotheken. Diese Papiere gehörten zu den berüchtigtsten Produkten der Finanzkrise: Zahlungsausfälle von wenig kreditwürdigen Hausbesitzern hatten zu hohen Wertverlusten der Anleihen geführt und in einer Kettenreaktion Turbulenzen an den globalen Finanzmärkten ausgelöst. Auch deutsche Banken, die in Subprime-Papiere investiert hatten, waren in Schieflage geraten. Der jetzt von den Banken gezahlte Preis entsprach rund 50 Prozent des Nennwertes der Anleihen.

          Während der Krise hatten die Banken die Papiere an die Notenbank verkauft

          Die New Yorker Fed nutzte die allgemein gestiegene Nachfrage nach Risikoanleihen, um sich auch während der jüngsten Auktion mit Gewinn von den Papieren zu trennen. Konkrete Angaben zum Preis machte sie aber nicht. „Ich bin mit dem Interesse und den Ergebnissen dieses Verfahrens zufrieden, besonders mit der Stärke des Angebots, das den Zuschlag erhalten hat“, sagte William Dudley, der Präsident der New Yorker Fed. Das an die Deutsche Bank und Barclays verkaufte Anleiheportfolio mit dem Namen Maiden Lane III, benannt nach der Straße im New Yorker Finanzdistrikt, die sich hinter der Fed entlangzieht, hatte einen Nennwert von 7,5 Milliarden Dollar. Analysten des Wertpapierhauses Amherst Securities schätzen, das die Banken mehr als 4,9 Milliarden Dollar dafür gezahlt haben. Das entspräche knapp 66 Prozent des Nennwerts.

          Fachleute an der Wall Street gehen davon aus, dass die Banken die Papiere bereits vollständig bei anderen Investoren plaziert haben. Bei der Gesellschaft Sanford C. Bernstein glauben Analysten, dass die Banken die Komponenten des ersteigerten Portfolios stückweise mit Gewinn an ihre Kunden weiterverkaufen werden. Das könnte zu abermaliger Kritik an Banken führen, die bereits durch die Rettungsaktion der Fed ohne Verluste aus ihren Transaktionen mit der AIG herausgekommen waren. „Die Banken konnten in einer Zeit hoher Unsicherheit ihre Risiken auf die Steuerzahler abwälzen und jetzt wollen sie die Papiere zu einem niedrigeren Preis kaufen, wenn das Verlustrisiko begrenzt ist“, sagte Ann Rutledge von der Beratungsgesellschaft R&R Consulting kürzlich.

          Jetzt gelten die Wertpapiere als Schnäppchen

          Zu den Kunden der Banken, die an den Papieren interessiert sind, gehören Fondsgesellschaften, Pensionskassen, Versicherer und Hedgefonds. Die institutionellen Investoren wollen sich angesichts der aktuell niedrigen Zinsen für die kommenden Jahre attraktive Renditen sichern. Die Preise risikoreicherer Anlageklassen sind in diesem Jahr allgemein gestiegen. Dazu gehören neben Subprime-Anleihen auch Aktien sowie Anleihen von Unternehmen mit niedriger Bonität.

          Hedgefonds-Manager wie Greg Lippmann, der während der Finanzkrise mit Wetten gegen den Häusermarkt und Hypothekenanleihen Milliarden von Dollar für die Deutsche Bank verdient hatte, halten Subprime-Papiere für ein Schnäppchen. Der amerikanische Häusermarkt steht nach einem seit Mitte 2006 andauernden Preisverfall möglicherweise vor einer Erholung. Marktbarometer wie der Häuserpreisindex der Aufsichtsbehörde FHFA signalisierten zuletzt eine Stabilisierung der Preise. Trotz optimistischer Stimmen ist eine weitere Erholung der Krisen-Papiere aber kein Selbstläufer. Sollte die amerikanische Konjunktur schwächeln oder die Schuldenkrise in Europa eskalieren, könnten Anleger wieder in sichere Anlagen fliehen. Dazu gehen Anleihebesitzer ein Verlustrisiko ein, wenn in Washington eine breitangelegte Umschuldung für Hausbesitzer beschlossen werden sollte, deren Häuser weniger wert sind als ihre Hypotheken.

          Weitere Themen

          Ölpreis fällt deutlich

          Wachstumssorgen : Ölpreis fällt deutlich

          Sorgen um das Wachstum der Weltwirtschaft wegen der Eskalation des chinesisch-amerikanischen Konflikts lassen am Donnerstag die Ölpreise stark fallen.

          Die größten Börsengänge Video-Seite öffnen

          Das sind die Top 10 : Die größten Börsengänge

          Uber wird bei seinem Börsengang etwas mehr als acht Milliarden Dollar erlösen – und kommt damit nicht unter die Top 10 der größten Börsengänge. Die ersten vier Plätze belegen Konzerne aus China; aus Deutschland ist ein Unternehmen dabei.

          Topmeldungen

          Die Europäische Weltraumorganisation (Esa) plant eine internationale Basisstation auf dem Mond.

          Zukunftstechnologien : Mit Visionen gegen Dystopien

          Die Zukunft hält für uns derzeit vielfältige Drohszenarien bereit – aber das ist kein Grund, sich in Vergangenheit zu flüchten. Das Potential mutigen Denkens zeigt allein die Debatte um allgemeine KI.

          „Die Zerstörung der CDU“ : Das Rezo-Video im Faktencheck

          Klima, Wohlstand, Krieg und Protestkultur: Eine zornige Abrechnung wird zum Internethit. Was hält einer genaueren Betrachtung stand? Eine kritische Perspektive auf die vier zentralen Themen.

          Auf Youtube : CDU benutzte ungefragt Videomaterial von ARD und ZDF

          Auf ihren Youtube-Kanal warb die CDU mit Videos ihrer Politiker aus Talkshow-Auftritten in den öffentlichen Kanälen. Abgesprochen hatte sie das nicht – und damit offenbar gegen Urheberrecht verstoßen. Aufgefallen ist das einem Satiriker und Politiker.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.