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Folgen der Pandemie : Wohin mit dem ganzen Öl?

Ein Öltanker in der Bucht vor Fort Lauderdale im amerikanischen Bundesstaat Florida. Bild: AFP

Erstmals rutscht der Preis für amerikanisches Rohöl ins Minus. Der generelle Preiseinbruch spiegelt den Niedergang der Nachfrage infolge der Pandemie wider. Der Rutsch ins Negative allerdings ist das Resultat eines anderen Problems.

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          Der Preis für amerikanisches Rohöl ist am Montag dramatisch gefallen. Ölkontrakte der Sorte WTI, das für die Lieferung im kommenden Monat bestimmt sind, fielen sogar ins Negative. Das heißt Händler waren bereit, Kunden Geld dafür zu bezahlen, dass diese ihnen den Rohstoff abnahmen. Die Mai-Kontrakte standen am Ende des New Yorker Handels bei minus 37,63 Dollar das Fass (159 Liter). Ein historischer Wert.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der generelle Einbruch spiegelt den Niedergang der Nachfrage nach Rohöl infolge der Pandemie und das vergleichsweise hohe Produktionsniveau amerikanischer Produzenten wider. Der Rutsch ins Negative allerdings ist das Resultat eines anderen Problems: Amerikas Ölbecken sind bis zum Rand gefüllt. Der Preis für Rohöl aus Europa ist trotz des Negativtrends nach wie vor positiv. In Amerika aber finden die Händler im Moment keinen Platz, um das Öl zu lagern. Eine der größten Lagerstätten der Welt in Cushing, im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma, ist nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg an seine Kapazitätsgrenze angelangt.

          Ist die Quelle einmal angebohrt, sprudelt das Öl

          Allerdings spielt auch die Besonderheit der Ölförderung selbst eine Rolle. Sie ist nicht so einfach zu stoppen, wenn die Nachfrage ausbleibt: Ist die Quelle einmal angebohrt, sprudelt das Öl. Deshalb muss es ins Lager genommen werden. Auf den Meeren schwimmen jetzt schon zahlreiche randvolle Tanker ohne festes Ziel. Die größten können bis zu zwei Millionen Fässer Öl aufnehmen. Die Leasingraten für diese Frachter sind allerdings auch in die Höhe geschnellt.

          WTI Light Sweet Crude Öl

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          Das Lagerproblem ist nach Einschätzung der Händler allerdings nur kurzfristiger Natur. Schon für Juni bestelltes Rohöl kostet wieder mehr als 20 Dollar das Fass. Dieser Preis ist allerdings immer noch niedriger als der Durchschnitt der letzten Jahre. Der generelle Preisverfall von Rohöl hatte bereits im Januar dieses Jahres eingesetzt, verstärkt durch den Zwist zwischen der Opec, also dem Kartell der erdölproduzierenden Länder, und Russland über eine Limitierung der Fördermengen. Russland wollte die amerikanischen Fracker in die Schranken weisen, indem es Preise zuließ, die die Produktionskosten der Amerikaner unterschritten. Bearbeitet von Amerikas Öllobby handelte der amerikanische Präsident Donald Trump mit der Opec und Russland in der vorigen Woche eine historisch einmalige Senkung der Produktion aus.

          Die Einigung gilt vom 1. Mai an. Sie konnte allerdings den Preisverfall bisher nicht stoppen. Einige Analysten kommen zum Ergebnis, dass die beschlossene Senkung der täglichen Förderung um fast zehn Millionen Fass nicht ausreicht, um den Preis zu stabilisieren. Der Fachbegriff für die rare Marktsituation, in der aktuelle Spotpreise niedriger sind als die Future-Preise, heißt Contango: Rohöl für eine Lieferung im November kostet mehr als 30 Dollar das Fass. Wer über Lagerplatz verfügt, könnte jetzt also ein Vermögen machen. Amerikas Ölfracker allerdings, deren Produktionskosten höher sind als die der arabischen und russischen Konkurrenz, geraten zunehmend in Bedrängnis. Weitere Pleiten sind programmiert. 

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