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Panik an der Börse : Dax minus 10 Prozent – Handel an Wall Street ausgesetzt

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Krisentage an der Börse Bild: AP

Auch nach dramatischen neuen Maßnahmen der wichtigsten Notenbank der Welt fallen die Aktienkurse. Ein Ende ist nicht in Sicht.

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          Als Folge der sich zuspitzenden Coronavirus-Krise steht der deutsche Aktenmarkt am Montag abermals tief im Minus. Der deutsche Standardwerteindex Dax fiel gleich zum Handelsstart unter die Marke von 9000 Punkten und notiert aktuell knapp 10 Prozent tiefer als a Freitag mit 8.325 Punkten.

          An der Wall Street wurde der Handel kurz nach Beginn am Montag abermals ausgesetzt – zum dritten Mal binnen sechs Handelstagen. Zur Eröffnung hatte der Leitindex Dow Jones um beinahe 10 Prozent tiefer auf weniger als 21.000 Zählern notiert, der breiter gefasste S&P 500 um mehr als 8 Prozent schwächer auf weniger als 2500 Punkten und der Index der Technologiebörse Nasdaq um mehr als 6 Prozent im Minus auf weniger als 7400 Punkten.

          Die Notenbanken hätten es mit einem gleichzeitigen Nachfrage- und Angebotsschock wegen der Coronavirus-Krise zu tun, sagte Rob Mangrelli, Direktor des Finanz-Beratungsunternehmens Chatham Financial. „Es ist zu früh, um zu sagen, ob die Schritte
           der Fed überhaupt den in Not geratenden Branchen helfen.“ Vor allem kleine und mittlere Firmen dürften schwer unter der Einschränkung des öffentlichen Lebens leiden, mit denen die Ausbreitung des Virus gebremst werden sollen.

          Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent verminderte sich um beinahe 10 Prozent auf zuletzt 30 Dollar je Fass (159 Liter). Billiger war Öl zuletzt im Januar 2016, als der Preis kurzzeitig unter die Marke von 30 Dollar gefallen war. Auch die sonst angelaufenen sogenannten „sicheren Häfen“ sind davor nicht gefeit. Der Goldpreis gibt 5 Prozent auf 1475 Dollar nach, die amerikanische Währung gegen den Euro auf 1,1194 Dollar ab. Die Kryptoanlage Bitcoin gibt fast 15 Prozent auf 4705 Dollar nach.

          Gold

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          Am Montagmorgen waren bereits die Kurse in Asien weiter abgerutscht. Der japanische Leitindex Nikkei-225 verlor gut 2,5 Prozent auf 17.002 Punkte. In China ging es für den CSI mit den 300 wichtigsten Aktien der chinesischen Festlandbörsen um 4,3 Prozent auf 3727,84 Zähler nach unten.

          Am Sonntag hatte die amerikanische Notenbank angesichts der Rezessionsängste wegen der Virus-Krise zu drastischen Mitteln gegriffen. In einer Notfallaktion senkte sie den Leitzins überraschend um einen ganzen Prozentpunkt auf fast null Prozent und kündigte ein Maßnahmenpaket in Koordination mit anderen Notenbanken an. Doch auch dies beruhigte die Marktteilnehmer am Montag nicht.

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          Eigentlich waren die Beschlüsse der Notenbank Federal Reserve erst für Mittwoch geplant gewesen – und professionelle Marktbeobachter hatten nur mit einer Zinssenkung um 0,50 Prozentpunkte gerechnet.

          Die Entscheidungen gehen zudem weit über die Zinsen hinaus. Die Fed will die Wirtschaft mit einem 700 Milliarden Dollar schweren Anleihekaufprogramm stützen und Banken vorübergehend Notfallkredite gewähren – wie zuletzt nach der im Jahr 2008 eskalierten Finanzkrise. Auch ein Abkommen
          mit anderen Notenbanken zur Liquiditätsversorgung des Finanzsystems mit der Weltreservewährung Dollar ist vorgesehen.

          Das Echo ist aber allenfalls gemischt. „Die geldpolitischen Maßnahmen, so wirkungsvoll sie auch immer sein werden, schüren in einem ersten Schritt mehr Panik als dass sie zur Beruhigung beitragen", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Eine gefährliche Abwärtsspirale hat sich in Gang gesetzt."

          Am Montagnachmittag wollten die Finanzminister der Eurogruppe in einer Videokonferenz über ein umfassendes Krisenpaket gegen die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie beraten. Dies hatte Eurogruppenchef Mario Centeno am Wochenende angekündigt.

          Die EU-Kommission hatte am Freitag ein milliardenschweres Notprogramm vorgeschlagen, um Unternehmen und Bürgern in der Coronavirus-Krise zu helfen. So sollen europäische Schulden-, Defizit- und Beihilferegeln so großzügig wie möglich ausgelegt werden, damit die EU-Staaten eigene Nothilfen auflegen können. Darüber hinaus sollen Milliarden aus dem EU-Haushalt umgewidmet werden, um Unternehmen zahlungsfähig zu halten und Investitionen zu ermöglichen.

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