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Schäden der Versicherer : Fluten könnten teurer werden als im Jahr 2002

Zerstörte Autos in Dernau, Kreis Ahrweiler Bild: dpa

In der Geschichte gab es schon höhere Pegelstände der Ahr. Aber die ausgelösten Schäden könnten zu den höchsten Zahlungen der Versicherer wegen Hochwassers führen. Verschiedene Unternehmen legen Hilfsfonds auf.

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          Die Flutkatastrophe am Rhein und den anliegenden Flüssen dürfte zu einem der teuersten Versicherungsschäden der vergangenen Jahre in Deutschland werden. Der Versichererverband GDV erwartet nach ersten Schätzungen einen Milliardenbetrag, um die Schäden in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zu begleichen.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          „Wir rechnen momentan mit versicherten Schäden in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Jörg Asmussen, am Mittwoch in Berlin. Es sei wahrscheinlich, dass die Schadenhöhe diejenige des Augusthochwassers im Jahr 2002 übertreffen wird. Damals hatten die Wassermassen Auszahlungen von 4,7 Milliarden Euro ausgelöst.

          „Tief ‚Bernd‘ gehört damit zu den verheerendsten Unwettern der jüngeren Vergangenheit“, sagte Asmussen. Darin sind die Schäden in Sachsen und Bayern durch das dortige Hochwasser noch nicht erfasst. In der kommenden Woche will der Verband eine aktualisierte Schadenschätzung vorlegen.

          Großteil der Schäden aus Policen gegen Naturgefahren

          „Das Gros der versicherten Schäden kommt aus der (erweiterten) Elementarversicherung, ein kleinerer Teil aus der Kfz- und Transport-Sparte“, sagte Onnen Siems, Geschäftsführer des Aktuarsbüros und der Branchenspezialisten Meyerthole Siems Kohlruss. „Elementargefahren haben in der Wohngebäude- und besonders in der Hausratversicherung nur eine geringe Anbindung. Das Gleiche gilt für gewerbliche Sachrisiken.“

          Der Schadenbetrag der Versicherer belaufe sich somit auf deutlich weniger als 40 Prozent des theoretisch versicherbaren Schadens. Die höchsten Summen zahlten Versicherer zuletzt nach den Hochwassern vor 19 und vor acht Jahren. Auch der Wintersturm Kyrill im Jahr 2007 ist der Branche in Erinnerung geblieben.

          „Damit liegt die Wiederkehrperiode für das Schadenereignis ‚Bernd‘ bei drei bis fünf Jahren“, sagte Siems: „Nach sieben unterdurchschnittlichen Schadenjahren hat 2021 das Potential, das langjährige Mittel von 3,7 Milliarden Euro für die deutschen Versicherer zu übersteigen.“

          Es gab Jahre in der Geschichte mit höheren Pegelständen an der Ahr

          Damit war das Ahr-Hochwasser aber nicht das gravierendste in der Historie. „Schaut man in die Geschichtsbücher, findet man aber auch noch stärkere Sommerhochwasser der Ahr in den Jahren 1910 und 1804 mit einem ähnlichen Schadenbild“, sagte Siems.

          Verschiedene Versicherungsunternehmen haben inzwischen Hilfsfonds aufgelegt, mit denen sie die Situation in den Hochwassergebieten verbessern wollen. „Unsere Rolle als großer Versicherer in der Region geht über die Verantwortung für unsere Kundinnen und Kunden hinaus“, sagte Oliver Schoeller, Vorstandsvorsitzender des Gothaer Konzerns. „Wir werden uns in den nächsten Wochen gesellschaftlich engagieren, um beim Wiederaufbau zu unterstützen und den Menschen zu helfen, ihre Existenzen zurückzugewinnen.“ Die Mittel aus dem mit 500.000 Euro dotierten Fonds sollen durch Vertriebspartner vor Ort eingesetzt werden.

          2021 dürfte eines der schadenträchtigsten Jahre für Versicherer werden

          „Insgesamt dürfte dieses Jahr mit Stürmen, Überschwemmung, Starkregen und Hagel zum schadenträchtigsten Jahr seit 2002 werden“, sagte GDV-Geschäftsführer Asmussen. Vor zwei Jahrzehnten hatte der versicherte Unwetterschaden 10,9 Milliarden Euro betragen. Zurückhaltend äußerte er sich zur Debatte um eine Pflichtversicherung gegen Elementarschäden. „Als einzelnes Instrument lehnen wir sie ab, weil sie den Anreiz nimmt, sich gegen Flut- und andere Extremwetterrisiken abzusichern“, sagte er.

          Mit ihren Policen haben fast alle Eigentümer in Deutschland ihre Wohngebäude gegen Sturm und Hagel abgesichert. Dagegen besitzen nur 46 Prozent eine Versicherung vor weiteren Naturgefahren wie Starkregen und Hochwasser. „Es ist zwar erfreulich, dass inzwischen fast die Hälfte der Gebäudebesitzer Schutz vor weiteren Naturgefahren hat. Aber für die anderen gilt, dass sie ihren Versicherungsschutz überprüfen und anpassen sollten“, sagte Asmussen.

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