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Fischerei : Japan will mehr Wale fangen

Der vor allem in westlichen Ländern weit verbreitete Gedanke, Wale besonders schützen zu müssen, stößt in weiten Teilen der japanischen Bevölkerung auf Unverständnis Bild: dpa

Seit 1985 ist der geschäftsmäßige Walfang untersagt. Japan versucht nun, das internationale Verbot zu lockern. Walarten, deren Existenz nicht mehr bedroht sei, sollen wieder geschäftsmäßig gejagt werden dürfen.

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          Japan versucht es wieder. Die Regierung hat bei der Internationalen Wahlfangkommission den Vorschlag eingereicht, die kommerzielle Jagd auf Wale zum Teil wieder zu erlauben. Japan steuert damit auf einen heftigen diplomatischen Konflikt mit Ländern wie Australien oder europäischen Staaten zu, die das Verbot des gewinnorientierten Walfangs beibehalten möchten. Seit 1985 gilt ein Moratorium für die kommerzielle Jagd auf Wale, um das Überleben der Wale zu sichern. Die japanische Regierung wendet dagegen ein, dass die Jagd auf und der Verzehr von Walen in Japan zur kulturellen Tradition des Landes gehören.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der japanische Vorschlag sieht vor, den kommerziellen Walfang für die Arten wieder zu erlauben, deren Bestände von einem Wissenschaftsausschuss der Walfangkommission als reichhaltig eingestuft werden. Japan zählt dazu etwa Minkwale. Die Regierung in Tokio schlägt ferner vor, die Abstimmungsmodalitäten in der Internationalen Walfangkommission zu ändern.

          Wichtige Entscheidungen wie Fangquoten oder der Schutz sollen künftig unter Bedingungen mit einfacher Mehrheit und nicht mehr mit Zweidrittelmehrheit beschlossen werden kann. Japan erhofft dadurch, die Beschlussfähigkeit der Walfangkommission zu verbessern. Tokio sieht das Verhältnis von Wahlkampfgegnern und Befürwortern in der Kommission nahezu ausgeglichen, so dass Entscheidungen oft blockiert würden. Über den Antrag wird bei der Sitzung des Internationalen Walfangkommission im September beraten.

          Japan hält sich seit 1988 an das Moratorium des kommerziellen Walfangs, im Gegensatz zu Norwegen und Island, die das Verbot unter Protest missachten. Das asiatische Land fängt aber Wale unter dem Titel Forschungszwecke, deren Fleisch in Japan an Schulen verteilt wird und auch in den Verkauf gelangt. Damit zieht das asiatische Land immer wieder scharfe Kritik von Umweltschützern auf sich.

          2014 untersagte der Internationale Gerichtshof Japan die Jagd und urteilte, dass das Fangprogramm keinen wissenschaftlichen Zwecken diene. Tokio scheiterte damals auch mit einem Antrag an die Walfangkommission, den kommerziellen Fang wieder zuzulassen. Zwei Jahre später nahm Japan das Programm unter veränderten Bedingungen wieder auf. Unter anderem wurde die Zahl der für Forschungszwecke gejagten Minkwale um zwei Drittel auf 333 reduziert. Nach der jüngsten Fangsaison geriet Japan unter Kritik, als bekannt wurde, dass von den 333 getöteten Walen 181 Weibchen waren. Rund zwei Drittel der Weibchen waren schwanger gewesen.

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