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Finanz-Start-ups : Jetzt kommen die Lego-Banken

Bunte Banker: Die Vorstände Andreas Bittner, Marko Wenthin und Peter Grosskopf wollen miit ihrer Solarisbank vor allem Fintechs bedienen. Bild: Max Threlfall

Finanz-Start-ups experimentieren mit Smartphone-Apps, Handykonten und Robo-Beratern. Jetzt bündeln die Fintechs ihre Kräfte - und treten mit den klassischen Banken in den Wettbewerb.

          Wer ein Konto bei Number26 eröffnet, kann fast alle seine Bankgeschäfte über eine sehr übersichtliche App auf dem Smartphone erledigen. Der kann kostenlos Bargeld in vielen Supermärkten und anderen Geschäften an der Kasse abheben und günstig Geld ins Ausland überweisen. Mit solchen Angeboten, die sich vor allem an jüngere Leute richten, die ohnehin alles mit dem Handy machen, dürfte Number26 innerhalb kurzer Zeit zu der Bank mit dem stärksten Kundenwachstum in Deutschland geworden sein - zumindest prozentual. Anfang 2015 auf den Markt gegangen, haben im vergangenen Jahr nach Angaben des Start-ups schon 100.000 Kunden ein Konto dort eröffnet. Allein im ersten Quartal dieses Jahres sollen 60.000 weitere dazugekommen sein.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei ist Number26 genaugenommen gar keine Bank. Es gibt zwar Gerüchte, wonach das Berliner Fintech eine Banklizenz bei der Aufsicht Bafin beantragen will. Aber dazu schweigt sich Gründer und Vorstandsvorsitzender Valentin Stalf im Gespräch mit der F.A.Z. noch aus. Bislang kommt das Unternehmen auch ganz gut ohne eine eigene Lizenz aus - es holt sich einfach von anderen Fintechs, was es braucht. Für das Konto- und Kartengeschäft nutzt Number26 den schon etablierten Münchner Zahlungsanbieter Wirecard und dessen Bank. Für günstige Überweisungen ins Ausland leitet die App die Kunden an den Kooperationspartner Transferwise weiter. Und das Geldabheben im Supermarkt funktioniert durch die clevere Idee des ebenfalls in Berlin sitzenden Fintechs Barzahlen. So kann Number26 über seine App schon ziemlich viel von dem anbieten, was die traditionellen Banken können.

          Und nach und nach sollen durch weitere Partnerschaften immer mehr Angebote hinzukommen. Demnächst sollen auch Spar- und Anlagemöglichkeiten auf Number26 verfügbar sein. So könne er sich vorstellen, mit Autobanken zu kooperieren, weil die derzeit die besten Tagesgeldkonditionen böten, sagt Stalf, oder mit Robo-Beratern, die den Kunden vollautomatisiert ein Anlageportfolio aus verschiedenen Indexfonds (ETF) zusammenstellen.

          Digitale Geschäftssparten über Links bündeln

          „Bislang haben sich viele Fintechs auf einzelne Bereiche des Banking konzentriert“, sagt Stalf. „Wir glauben aber, dass der Kunde nicht jeweils eine App für Sparen, Kredite oder Geldanlage haben will, sondern drehen diese Entflechtung jetzt wieder zurück und bieten viele Dienste auf unserer Plattform mit einem Klick an.“ So mausert sich das Fintech, das erst vor kurzem mit der Kombination aus Handykonto und Karte an den Markt gegangen ist, nach und nach zur Vollbank - und ist mit dem Zusammenwürfeln der Kräfte nicht allein in der hippen neuen Finanzwelt. Die Fintechs nutzen aus, dass digitale Geschäftssparten relativ leicht über Links gebündelt werden können.

          So erweitert auch die Frankfurter Fintech Group ihre einst als reiner Online-Broker gestartete Flatex seit kurzem um weitere Dienstleistungen. Die Kunden können dort jetzt auch Kredite aufnehmen und Geld anlegen. Die Fintech Group greift dafür auf die ebenfalls zu ihr gehörende BIW Bank zurück, die mit ihrer Banklizenz auch sonst als Partner für andere Fintechs auftritt, um für sie das streng regulierte Geschäft mit Kundeneinlagen und Krediten zu erledigen.

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