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Finanz-Start-ups : Jetzt kommen die Lego-Banken

Auf solche Partner mit Banklizenz sind Fintechs und andere Online-Unternehmen immer dann angewiesen, wenn sie nicht nur eine nette App oder Homepage bieten wollen, sondern echte Geldgeschäfte mit ihren Kunden machen und sich dabei nicht selbst um Regulierung und Rechtsfragen kümmern wollen. Nicht immer gehen solche Kooperationen reibungslos. Dass Flatex und die BIW Bank heute unter einem Holding-Dach vereint sind, ist Folge eines langen Streits über die Gebühren, den die Flatex-Besitzer kurzerhand mit der Übernahme der BIW Bank erledigten.

Das Baustein-Modell

In anderen Fällen hakt die Zusammenarbeit daran, dass die Partnerbank mit dem hohen Tempo der Fintech-Pioniere, deren technischen Ideen oder auch deren Sprache nicht zurechtkommt. Die Berliner Fintech-Schmiede Finleap, die unter anderem für das Finanzportal Sawedo bekannt ist, hat nun kurzerhand eine eigene Bank gegründet, die sich ganz auf Fintechs und andere digitale Unternehmen konzentrieren soll. Im März hat die Solarisbank ihre Banklizenz von der Bafin erhalten und positioniert sich jetzt geradezu als Zulieferer von Geschäftsbausteinen für die digitale Wirtschaft.

Um das zu erklären greifen die Gründer Andreas Bittner und Marko Wenthin gerne auf Legosteine zurück. In ihrer Berliner Zentrale steht eine kleine bunte Skulptur, der Kühlschrank in der Teeküche trägt einen Lego-Kopf. Ziel sei es, einzelne Bankprozesse möglichst so aufzubauen, dass viele andere Unternehmen daraus Geschäftsmodelle aufbauen können, sagt Bittner - das lässt Skaleneffekte zu und spart Geld. „Wir würden nie einen Baustein bauen, der so speziell ist, dass ihn nur ein einziger Kunde nutzen kann.“ In der nächsten Woche sollen die ersten zwei großen Kunden damit anfangen. Viele Details geben die beiden Gründer noch nicht preis. Einer sei ein Gutscheinvertrieb, der mit Hilfe der Solarisbank elektronisches Geld verwenden kann. Der andere ist ein Online-Shop, dem die Bank Finanzierungsangebote für seine Kunden ermöglicht. Als weitere Bausteine nennen Bittner und Wenthin Know-Your-Customer-Prozesse, die Unternehmen der Aufsicht bei einigen Finanzgeschäften nachweisen müssen, und Forderungsverkäufe. Das Geld für solche Finanzierungsgeschäfte will die Solarisbank wiederum über ihre Schwestergesellschaft Sawedo einsammeln.

Mit der zunehmenden Professionalisierung der Fintechs nehmen sie auch die traditionellen Banken und die Bafin immer ernster. Nächste Woche will der Bankenverband, in dem Häuser wie die Deutsche Bank und die Commerzbank vertreten sind, gemeinsam mit 30 Fintechs das „Kommunikationsforum Digital Banking“ gründen. In regelmäßigen Treffen sollen Themen wie Standortpolitik, die nationale Umsetzung von EU-Richtlinien und die Zusammenarbeit mit der Aufsicht diskutiert werden. Am Ende sollen möglichst gemeinsame Positionen stehen.

Am Donnerstag hat das Bundesfinanzministerium in Berlin erstmals ein Fincamp veranstaltet, auf denen sich Vertreter von Fintechs untereinander und mit Mitarbeitern der Bafin austauschen konnten. Dass das Thema dort inzwischen sehr ernst genommen wird, zeigt, dass der Präsident der Bafin selbst, Felix Hufeld, sich den Fragen der Start-ups stellte, ebenso wie der Staatssekretär im Finanzministerium, Jens Spahn (CDU). Hufeld stellte eine neue Internetseite vor, über die Fintechs leichter Informationen über die Anforderungen erhalten sollen. Auch will die Bafin nun Ansprechpartner für die speziellen Fragen der Neulinge ausbilden. Er stellte aber auch klar, dass die Bafin keine Beratungsstelle sei. Auch Forderungen einzelner Fintechs nach einer entschlackten Regulierung erteilte er eine Absage. „Auch bei einem Robo-Berater stellt sich am Ende die Frage: Wer haftet, wenn etwas falsch läuft?“

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