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Kryptonanlagen : Fintech Nuri muss ins Insolvenzverfahren

Kristina Walcker-Mayer, die Chefin des Berliner Fintechs Nuri, das jetzt einen Insolvenzantrag gestellt hat. Bild: Nuri

Das Berliner Fintech Nuri vermittelte Kunden an die US-Krypto-Bank Celsius. Die ist insolvent, die Gelder deutscher Anleger sind eingefroren. Investoren in der laufenden Finanzierungsrunde hat das wohl abgeschreckt.

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          Das Berliner Fintech Nuri hat einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der Schritt sei notwendig, um den Weiterbetrieb der App und die Erfüllung der Verbindlichkeiten sicherzustellen, heißt es in einer Mitteilung. Gespräche mit Wagniskapitalgebern sind offenbar gescheitert. Nuri hat in den vergangenen Tagen und Wochen versucht, neues Kapital zu bekommen.

          Archibald Preuschat
          Redakteur in der Wirtschaft

          Investoren hat dabei offenbar auch der Reputationsschaden für das Berliner Fintech, das vormals unter dem Namen Bitwala firmierte, in Zusammenhang mit der Insolvenz der US-Kryptobank Celsius Network abgeschreckt. Das Fintech hat mit seinem Produkt Bitcoin-Ertragskonto Kunden an Celsius vermittelt. Deren Einlagen sind seit rund vier Wochen eingefroren.

          Nuri selbst bestätigt einen Zusammenhang nur indirekt: Negative Entwicklungen an den Kryptomärkten zu Beginn dieses Jahres, einschließlich erheblicher Abverkäufe von Kryptowährungen, der Implosion des Luna/Terra-Protokolls sowie der Insolvenz von Celsius und anderen großen Kryptofonds hätten einen Kryptobärenmarkt eingeleitet. Dieses herausfordernde Umfeld habe die Geschäftsentwicklung nachhaltig belastet.

          Das Fintech bot seinen Kunden neben dem klassischen Bankkonto auch Investments in Kryptowährungen an. Die Einlagen seien aber sicher, so das Fintech. Von der Insolvenz seien weder die Guthaben der Nuri-Kunden auf den Bankkonten (Euro), den Krypto-Wallets und -Vaults (Bitcoin und Ether) noch die Nuri-Pot-Investments betroffen. Auch während des Insolvenzverfahrens hätten Nuri-Kunden weiterhin garantierten Zugang zu ihren Einlagen und könnten sie jederzeit in vollem Umfang abheben.

          Keine eigene Banklizenz

          Nuri selbst verfügt über keine eigene Banklizenz, sondern ist ein „vertraglich gebundener Vermittler“ der Solarisbank. Durch sie seien sowohl Euro-Einlagen wie Kryptovermögen geschützt. „Bis auf Weiteres“ sollen auch die App sowie die Produkte und Dienstleistungen von Nuri unverändert fortgeführt werden.

          Die Insolvenz von Celsius Network und die Verwicklung von Nuri könnten aber mehr als nur ein Reputationsschaden sein. „Jeden Tag haben sich drei bis fünf Geschädigte bei uns gemeldet. In der Summe etwa 30“, sagt Walter Späth, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht. Seine in Berlin ansässige Kanzlei Dr. Späth & Partner nimmt sich der Nuri-Kunden an, deren Geld in den USA eingefroren ist. Diese sind vielfach überfordert, weil ihnen jetzt erste Briefe des Insolvenzverwalters ins Haus flattern. Aber es geht natürlich um mehr: um Schadenersatzansprüche gegen das Berliner Fintech selbst. „Da haben wir durchaus erste Anhaltspunkte gefunden“, schildert der Fachanwalt im Gespräch mit der F.A.Z.

          Zu den Fragen, die der Anwalt und sein Team zurzeit untersuchen, gehört, ob Kunden des Bitcoin-Ertragskontos darüber aufgeklärt wurden, wer überhaupt ihr Vertragspartner war. Und ob Nuri das Konzept von Celsius Network ordnungsgemäß überprüft hat, bevor es seine Kunden an das Kryptofintech in den USA vermittelt hat. „Außerdem stellt sich die Frage, ob Nuri seine Kunden über die wahrscheinlich erhaltene Rückvergütung für die Vermittlung informiert hat“, sagt Späth. In einer Sache ist sich der Fachanwalt für Kapitalrecht aber heute schon sicher: „Im Kryptosektor wird es noch zahlreiche böse Überraschungen geben. Das liegt auch ein bisschen an mangelnder Regulierung.“

          Bereits vor einigen Wochen hatte Nuri angekündigt, sich von einem knappen Viertel seiner einst 200 Beschäftigten trennen zu müssen. Damals hatte Nuri-Chefin Kristina Walcker-Mayer im Interview mit der F.A.Z. gehofft, dass es bei „diesem einen tiefen Schnitt“ bleiben könne. Nun will sie im Insolvenzverfahren „ein langfristig tragfähiges Sanierungskonzept entwickeln“.

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