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Fintech aus Estland : Modularbank findet prominente Investoren

Vilve Vene, Unternehmensmitgründerin und Chefin der Modularbank, mit ihrer Führungsmannschaft Bild: Modularbank

Skype und Transferwise kommen aus Estland. Und auch Finanz-IT hat das kleine Land zu bieten. Die Cloud-fähigen Kernbank-Lösungen der Modularbank richten sich nicht nur an Banken.

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          Ein kleines Fintech aus dem kleinen, technikaffinen Estland lässt aufhorchen: Die 2019 gegründete Modularbank hat gerade eine Eigenkapitalfinanzierung („späte Seed“) von 4 Millionen Euro erhalten. Nicht die Summe überrascht, sondern die Investoren: Neben den Venture-Capital-Gesellschaften Karma und Blackfin hat sich auch Plug and Play Ventures an Modularbank beteiligt. Der Investor und „Accelerator“ aus dem Silicon Valley hält seit der Start-up-Phase Anteile an Unternehmen wie Paypal, Dropbox und Lendico. Außerdem ist Ott Kaukver, der frühere Technik-Vorstand (CTO) des Cloud-Anbieters Twilio und des Internetkommunikationsdienstes Skype, als Investor („Angel“) dabei.

          Alle Investoren hat offenbar die Geschäftsidee der Modularbank überzeugt: Die rund 30 Mitarbeiter umfassende Mannschaft um die Vorstandsvorsitzende und Mitgründerin Vilve Vene hat ein offenes, aus vielen einzelnen Modulen bestehendes IT-System für Kernbankdienstleistungen entwickelt, die in der Cloud funktionieren. Damit scheint Modularbank im Trend zu liegen, hat doch gerade die Deutsche Bank eine Partnerschaft mit dem amerikanischen Technologiekonzern Google bekanntgegeben. Ein Ziel: IT-Systeme in die Google-Cloud verlagern.

          Warum in die Cloud?

          Ein Vorteil der Cloud-Technik: Die Nutzer erhalten einen internetbasierten Zugriff auf Speicherplatz und Rechenleistung, können also von überall auf die Daten in der Cloud zugreifen. Gleichzeitig zahlen sie nur für die Rechenleistung, die sie benötigen. Für die Auslagerung in die Cloud hinderlich ist allerdings das in vielen deutschen Bank noch übliche monolithische Kernbanksystem. „Die Banken können nicht so bleiben, wie sie sind“, sagt Vene im Gespräch mit der F.A.Z. Banken müssten weniger produktorientiert arbeiten und etwa IT-Anwendungen für Echtzeit-Zahlungsverkehr bieten.

          Doch viele kleine, moderne Plattformen zu bilden sei schwer mit veralteter IT, sagt Vene, die von 1992 bis 2002 zuletzt als IT-Leiterin in der Hansabank tätig war, die inzwischen der Swedbank gehört. Bevor Vene Modularbank gründete, tat sie das Gleiche mit Icefire – eine Art Fintech-Beratung, die für die digitale Infrastruktur des estnischen Steuersystems verantwortlich ist. Modularbank ist also ihre zweite Unternehmensgründung.

          Weg vom “Big Bang“

          Die Modularbank hilft dabei, eine Finanz-IT in Schritten zu modernisieren, Scheibe für Scheibe. Deutsche-Bank-IT-Vorstand Bernd Leukert nennt das Salamitaktik. Viele Kreditinstitute mit monolithischem Kernbanksystem müssen dagegen, wie zuletzt die Apotheker- und Ärztebank, nach einer mehrjährigen Umstellungsphase ihre IT auf einmal komplett auswechseln (“Big Bang“). Das ging in diesem Fall bekanntermaßen gründlich schief. Vene gibt außerdem zu bedenken, dass während einer Umstellungsphase keine Innovationen mehr in die IT-Systeme einfließen.

          Ähnlich wie die Solarisbank und der Dienstleister Mambu, der für N26 die digitale Infrastruktur bereitstellt, bietet Modularbank einen Kasten an IT-Dienstleistungen, auf den Banken zurückgreifen können. Doch das Banking-IT-Kernangebot richtet sich auch an Einzelhändler, Energieversorger und Anbieter von Telemedizin. Solche Unternehmen können die verschiedenen Module wie etwa ein Kredit-Tool in ihre eigene IT integrieren und brauchen dann weniger oft Banken. Allerdings benötigen sie selbst dafür Lizenzen von der Finanzaufsicht, denn über diese verfügt Modularbank nicht. Die strenge Regulierung des Finanzsektors gilt als große Hürde. Selbst Big Techs wie Google werden zumindest nach Einschätzung der Deutschen Bank deshalb keine Banklizenzen beantragen.

          Auch nach der Finanzierungsrunde halten die fünf Gründer von Modularbank die Mehrheit an dem Unternehmen. Mit dem frischen Geld wollen sie nach Großbritannien expandieren und über das im Januar eröffnete Büro in Berlin die Kundenakquise vorwiegend in Deutschland, Spanien und Frankreich vorantreiben. Bisher hat Modularbank sechs Kunden, darunter als neuesten den dänischen Zahlung- und Kartenabwickler Nets, in dem Concardis aufgegangen ist. Nach Venes Worten steht Modularbank mit drei weiteren Kunden kurz vor einem Vertragsabschluss.

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