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„Fincen-Files“ : Bankaktien geraten unter Druck

Wolken über den Doppeltürmen der Deutschen Bank in Frankfurt Bild: dpa

Die Enthüllungen namens „Fincen-Files“ über fragwürdige Geschäfte mit hochriskanten Kunden verunsichern die Anleger: Der Kurs der Deutschen-Bank-Aktien fällt um 6 Prozent und der von HSBC auf ein 25-Jahres-Tief.

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          Die Aktien der Deutschen Bank und anderer Großbanken haben am Montag nach Medienberichten über Datenlecks in der Bekämpfung von Geldwäsche deutlich an Wert verloren. Der Kurs der Deutschen Bank ging im frühen Handelsgeschäft um fast 6 Prozent zurück. Der Stoxx-Index für europäische Bankaktien fiel um knapp 5 Prozent und damit deutlicher als der Gesamtmarkt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aktienkurse der beiden in Asien stark engagierten britischen Banken HSBC und Standard Chartered waren schon an der Börse in Hongkong unter Verkaufsdruck geraten und gaben um jeweils 4 Prozent nach. Der Titel der HSBC sank zeitweise auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren. In den Dokumenten werden auch die beiden amerikanischen Institute JP Morgan und Bank of New York Mellon genannt.

          Über diese sogenannten „Fincen-Files“, die aus einem Datenleck des amerikanischen Finanzministeriums stammen und auf mehr als 2100 Geldwäsche-Verdachtsmeldungen aus den Jahren 2000 bis 2017 beruhen, hatte ein Recherchenetzwerk  unter Führung des amerikanischen Online-Nachrichtenprotals „Buzz Feed“ zuerst berichtet. Demnach sollen Banken aus aller Welt über Jahre hinweg trotz strenger Vorgaben Geschäfte mit hochriskanten Kunden abgewickelt haben. Die Vorgänge seien sehr zögerlich und zum Teil mit jahrelanger Verspätung erst gemeldet worden.

          Die "Süddeutsche Zeitung", die ebenfalls an der Recherche beteiligt war, berichtete, Geldwäscher hätten die globale Infrastruktur der Deutschen Bank den „Fincen-Files" zufolge über einen längeren Zeitraum und in größerem Umfang als bisher angenommen genutzt. In der Bank hätten Sicherheitssysteme versagt. Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing trage eine Mitverantwortung, da er damals Leiter der Konzernrevision gewesen sei.

          Deutsche Bank weist Bericht zurück

          Die Deutsche Bank wies den Bericht zurück. „Andeutungen, dass er für die späte Aufdeckung des Spiegelgeschäfts verantwortlich sei, sind konstruiert und falsch“, erklärte das Institut. „Als globaler Leiter der Konzernrevision war er 2014 weder
          direkt noch indirekt an der Prüfung unseres russischen Aktienhandels beteiligt.“ Die von dem Recherche-Netzwerk genannten Themen seien soweit sie die Deutsche Bank beträfen den Aufsichtsbehörden bekannt und würden untersucht.

          DT. BANK

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          „Wo nötig und angemessen, haben wir Konsequenzen gezogen. Die Bank hat massiv in die Verbesserung der Kontrollen investiert, und wir konzentrieren uns mit Nachdruck darauf, unseren Verantwortlichkeiten und Verpflichtungen nachzukommen." Die
          Bank HSBC verwies in einem Brief an die Nachrichtenagentur Reuters auf das Alter der Dokumente und auf konzernweite Schritte im Kampf gegen Finanzbetrug. Standard Chartered erklärt ebenfalls, umfangreiche Maßnahmen ergriffen zu haben.

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