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„Finanzwende“ kritisiert : Versorgungsanstalt legt nicht nachhaltig an

Gerhard Schick hat die Bürgerbewegung „Finanzwende“ ins Leben gerufen, um die Finanzmärkte bürgerfreundlicher zu gestalten. Bild: Wolfgang Eilmes

Fast fünf Millionen Versicherte im öffentlichen Dienst erwerben Zusatzrentenansprüche. Doch wo ihr Geld angelegt wird, ist schwer herauszufinden. Die Bürgerbewegung „Finanzwende“ bezweifelt, dass es nachhaltig geschieht.

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          Die Bundesregierung verspielt die Chance, über Investments in der betrieblichen Altersversorgung öffentlich Angestellter mehr für den Klimaschutz zu tun. So sieht es die Bürgerbewegung „Finanzwende“ und äußerte an der Nachhaltigkeitsstrategie der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder am Donnerstag scharfe Kritik. Eine der größten Zusatzversorgungseinrichtungen in Deutschland, die für 4,7 Millionen Versicherte und 1,3 Millionen Rentner eine Zusatzvorsorge erwirtschaftet, vernachlässige das Thema Nachhaltigkeit. Für die Anwärter gebe es keine Auskunftsrechte über Details der Geldanlage - zum Beispiel dazu, ob bestimmte Anteile ihres Vorsorgevermögens in ökologische oder soziale Geldanlagen investiert werden. Solche Belange müssten auch nicht im Risikomanagement berücksichtigt werden, zudem gelte die EU-Berichtspflicht über Nachhaltigkeitsrisiken von Finanzprodukten.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Die Bürgerbewegung, die von dem früheren Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick ins Leben gerufen wurde, kritisiert die Rolle der von der Bundesregierung bestellten Gremiumsmitglieder der Versorgungsanstalt. Das Finanzministerium beaufsichtigt die Anstalt und entsendet zwei Personen in den Vorstand der Einrichtung, davon eine in den hauptamtlichen, der auch für die Geldanlage verantwortlich ist. Zwar bekenne sich die Anstalt in ihren Statuten zu Nachhaltigkeitskriterien, sie schließe aber nur den Kauf von Anteilen an Streumunitions- und Minenherstellern sowie Bio- und Chemiewaffenherstellern aus. Investitionen in Kohle, Rüstung oder Kinderarbeit dagegen seien nicht ausgeschlossen.

          Viele institutionelle Investoren haben in den vergangenen Jahren ihre Kapitalanlage nach sogenannten ESG-Kriterien umgestellt. Die drei Buchstaben stehen für die englischen Begriffe für Ökologie, Soziales und Unternehmensführung. Mit unterschiedlicher Intensität nehmen sie Einfluss auf Unternehmen, in deren Wertpapiere sie investiert haben. Einige haben auch feste Grenzen gezogen, wie hoch etwa der Umsatzanteil eines Unternehmens durch kohlelastige Geschäfte sein darf. Die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder hat die Überprüfung solcher Fragen nach Informationen von „Finanzwende“ auf einen externen Dienstleister ausgelagert, den sie allerdings nicht benennt. Auf diese Weise wolle sie Einfluss auf Unternehmen ausüben.

          Die Bürgerbewegung bezweifelt, dass der Einfluss groß ist, da die Anstalt nur an drei Unternehmen einen Beteiligungsanteil von mehr als 3 Prozent halte. „Auf andere börsennotierte Unternehmen in Deutschland dürfte der Einfluss äußerst begrenzt sein, weil die VBL vermutlich keine oder keine ausreichenden Anteile besitzt“, heißt es in einer Mitteilung. Anwärter, die eine Auskunft darüber begehrten, hätten keine Aussichten darauf und könnten wegen einer Pflichtmitgliedschaft auch nicht zu einer anderen Versorgungseinrichtung wechseln.

          „Finanzwende“ fordert die Bundesregierung dazu auf, verbindliche Standards der Geldanlage für die fast fünf Millionen Versicherten festzulegen. Das norwegische Parlament hatte den staatlichen Ölfonds kürzlich dazu verpflichtet, Geld aus Kohle- und Ölunternehmen abzuziehen und in erneuerbare Energien zu investieren.

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