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Finanzskandale (4): Die Gebrüder Hunt : Die Hasardeure des Silbermarktes

Als der Silberpreis in den ersten vier Wochen des Jahres 1980 von 35 Dollar je Unze auf 50 Dollar stieg, zogen die Verantwortlichen der New Yorker Rohstoffbörse die Notbremse. Sie untersagten den Kauf von Siber in größeren Mengen und erlaubten nur noch Verkäufe. Außerdem verlangten sie von einem Tag auf den anderen weitaus höhere Sicherheitseinlagen für ihre Terminkontrakte. Die Aktion war äußerst umstritten, zeigte jedoch schnell Wirkung: Vom Hoch bei 50 Dollar im Januar sackte der Preis rasch auf 41 Dollar ab. Nelson Bunkers Kritik, die Börse spiele nicht fair, wenn sie mitten im Spiel die Regeln ändere, verhallte ungehört.

Den Kursrutsch verstärkte, dass immer mehr Anleger nervös wurden und aus dem Rohstoffmarkt ausstiegen. Nun wurden auch die Banken unruhig und verlangten zusätzliche Sicherheiten für ihre Kredite. Trotz der Durchhalteparolen, die „The big bunker“ mitsamt der Botschaft in den Markt schickte, der Silberpreis werde bald auf 200 bis 300 Dollar steigen, sank der Wert des Silbers immer weiter. Mitte März kostete eine Unze weniger als 20 Dollar. Nur wenige Wochen später konnten die Brüder nicht einmal mehr 100 Millionen Dollar für eine fällige Zahlung an ihren Silbermakler aufbringen. Das Hunt-Imperium war zusammengebrochen.

Der Silbermarkt hat sich bis heute nicht von Schock erholt

Die Nachricht von der Zahlungsunfähigkeiten der Spekulanten verbreitete sich wie ein Lauffeuer. In wenigen Minuten sank der Silberpreis auf 11 Dollar. Unterdessen verkehrten sich die Befürchtungen der Comex-Verantwortlichen ins Gegenteil: Nun beunruhigten sie nicht mehr die Silber-Engpässe, sondern die Frage, was passieren würde, wenn die klammen Hunt-Brüder ihren Silberberg auf einen Schlag an den Rohstoffbörsen abliefern würden. Um noch größere Turbulenzen zu vermeiden, wurde unter dem damaligen Notenbankchef Paul Volcker ein Bankenkonsortium gebildet, das den Hunts mit einem Kredit von 1,1 Milliarden Dollar zur Seite sprang. Im Gegenzug mussten die Brüder einen großen Teil ihres Privatvermögens verpfänden und sich verpflichten, ihre Silbervorräte bis 1990 geordnet zu verkaufen.

Die Silberspekulation blieb jedoch nicht ohne Folgen - weder für die Familie Hunt noch für den Silbermarkt, der sich nach Ansicht vieler Fachleute noch immer nicht von seinem Schock erholt hat. Am Ende blieb den Brüdern nicht einmal ihre Münzsammlung, die als die umfangreichste und wertvollste Privatsammlung antiker Münzen galt. Sie kam 1990 mitsamt den Überresten des Huntschen Silberschatzes und vielen anderen Kunstobjekten unter den Hammer.

1988 Verurteilung der Hunts wegen Verschwörung zur Preismanipulation

Zwar beteuern die Brüder bis heute, dass sie den Markt nicht manipulieren wollten. Sie wurden jedoch 1988 von einem amerikanischen Gericht wegen der Verschwörung zur Preismanipulation verurteilt.

Mittlerweile fliegen die Brüder wieder Linie anstatt Privatjet und können sich auch ihre teuren Hobbys wie den Pferderennsport nicht mehr leisten. Aber immerhin haben sie sich mit ihrer riskanten Spekulation einen Platz in der Finanzgeschichte gesichert, wenn auch einen tragischen: Der texanische Geschichtsprofessor Allen Coleman meint, er kenne keinen anderen Fall, in dem ein so großer Reichtum in so kurzer Zeit verplempert worden sei.

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