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Finanzskandale (4): Die Gebrüder Hunt : Die Hasardeure des Silbermarktes

Versuch, auf dem Silbermarkt Preismacht zu erlangen

Die Idee des Inflationsschutzes rückte für die Hunt-Brüder im Laufe der Zeit in den Hintergrund; immer mehr dominierte vielmehr der Gedanke, dass derjenige, der in den Besitz einer genügend großen Mengen des Edelmetalls gelangen würde, irgendwann jeden Preis verlangen könne. Die Idee ist nicht neu: Schon im 14. Jahrhundert versuchten italienische Handelshäuser die Macht über die englische Wollproduktion an sich zu reißen, um die Preise in die Höhe zu treiben und ihre flämischen Wettbewerber auszubluten.

Besonders ungewöhnlich war, dass sich die Brüder Hunt das Edelmetall physisch ausliefern ließen. Zu den Usancen des Edelmetallhandels gehört, dass die Käufer normalerweise Kontrakte an Terminbörsen erwerben, die das Recht verbriefen, zum Zeitpunkt X gegen die Zahlung einer bestimmten Summe das Edelmetall einkaufen zu dürfen.

Weil die Hunt-Brüder immer größere Silberschätze anhäuften, kletterte der Preis rasch nach oben. Als sie 1979 noch einmal 40 Millionen Unzen Silber erwarben, verdoppelte er sich auf 16 Dollar je Unze. Um den Weltmarkt unter Kontrolle zu bekommen, reichte jedoch selbst das Vermögen der texanischen Ölbarone nicht aus. Nachdem Allianzen mit dem Schah von Persien und dem saudischen König Faisal nicht zustande kamen, kauften sie immer mehr auf Kredit. Als Sicherheiten setzten sie ihren schon vorhandenen Silberschatz ein. Die Banken und Makler spielten eifrig mit bei diesem Geschäft, das einen eingebauten Turbo besaß: Je höher die Hunts gemeinsam mit einigen Investoren den Silberpreis jagten, desto mehr gewann der Inhalt in den Tresoren an Wert und damit auch ihre hinterlegten Sicherheiten - die sie wiederum nutzten, um noch mehr Silber auf Pump zu kaufen.

Silber mit Boeing-Maschinen in die Schweiz geflogen

Da die Brüder von ihrem Vater auch dessen skurrile politische Ansichten geerbt hatten, hielten sie die Vereinigten Staaten wegen angeblich revolutionärer Umtriebe und kommunistischer Unterwanderung nicht für den richtigen Ort, um ihren Silberschatz zu bunkern. Sie charterten drei leere Boeing-707-Flugzeuge, mit denen sie 40 Millionen Silberunzen in die Schweiz ausflogen, wo sie das Edelmetall in Banktresoren einlagerten. Langsam wurden die Verantwortlichen für die Rohstoffbörsen in New York und Chicago unruhig. Die Silbervorräte in ihren Lagerhäusern waren mittlerweile so geschrumpft, dass die Rohstoffhändler ihre Lieferverpflichtungen kaum noch erfüllen konnten. Zunächst versuchten die Börsenmanager zu verhandeln. Sie wandten sich mit der Bitte an Nelson Bunker, dass er ihnen einen Teil seines Silberschatzes verkaufen sollte, damit sie ihre Lieferengpässe beheben könnten. Doch er lehnte ab.

Unterdessen sprangen immer mehr Trittbrettfahrer auf den Zug auf, um von der Silber-Hausse zu profitieren - so dass der Preis in rasender Geschwindigkeit stieg. Die Hunts besaßen zu diesem Zeitpunkt 15 Prozent der globalen Silbervorräte und zwei Drittel der amerikanischen im Wert von 5 Milliarden Dollar. Das Nettovermögen der Hunts war auf geschätzte 13 Milliarden Dollar angestiegen.

New Yorker Börse zieht nach Preisschock die Notbremse

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