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Finanzskandale (11): James Fisk : Vom Wanderzirkus zur Wall Street

Drew und Fisk nutzten ihre wiedergewonnene Macht, um eine Wandelanleihe im Wert von 10 Millionen Dollar zu begeben. Das Argument, damit Stahl für neue Schienen kaufen zu wollen, diente ihnen nur als Vorwand. In Wirklichkeit sollte das Geld ihre Kriegskasse gegen Vanderbilt füllen. Wieder wurde die Wertpapierpresse angeworfen, und Vanderbilt kaufte reichlich. Er erwarb 100 000 Papiere, die später für ungültig erklärt wurden. Am Ende kostete der sogenannte Erie-Krieg gegen Fisk und seine Freunde den Commodore 8 Millionen Dollar.

Zwei Jahre später gelang es Fisk und Gould, nicht nur einen einzigen Mann um den Großteil seines Vermögens zu bringen, sondern die gesamte Wall Street in Panik zu versetzen. Ihr Versuch, den amerikanischen Goldmarkt zu kapern, ging als Schwarzer Freitag von 1869 in die Geschichte ein.

Insider-Geschäfte

Die amerikanische Regierung hatte den Bürgerkrieg mit Inflation finanziert. Sie hatte mehr Banknoten gedruckt, als durch Gold gedeckt waren. Das widersprach zwar dem Goldstandard, doch die Bevölkerung vertraute darauf, dass die Regierung die Papiernoten nach dem Krieg wieder gegen Gold eintauschen würde. Um die Bürger zu beruhigen, gab Präsident Ulysses S. Grant als eine seiner ersten Amtshandlungen das Versprechen ab, die Papiernoten so schnell wie möglich wieder aus dem Verkehr zu ziehen und gegen Gold einzutauschen. Daraufhin sank der Goldpreis auf 130 Dollar je Unze und damit auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren.

Weil der Goldmarkt mit einem Volumen von 15 Millionen Dollar ziemlich klein und ein Großteil der Barren in ihrem Besitz war, konnte die Regierung durch ihr Auftreten am Markt die Preisentwicklung steuern. Wenn sie Edelmetall verkaufte, sank der Preis. Reduzierte sie jedoch das Angebot, trieb sie den Preis in die Höhe.

Allerdings wusste keiner, wann die Regierung agieren würde. Gould und Fisk erkannten, dass Insider mit ihrem Wissen über den richtigen Zeitpunkt ein Vermögen verdienen konnten. Sie überzeugten Abel Corbin, den Schwager des Präsidenten, in ihr Gold-Investment einzusteigen. Sie wollten den Kontakt zu Grants Schwager nutzen, um den Präsidenten dahin gehend zu beeinflussen, mit dem Goldverkauf noch zu warten. Außerdem konnte Corbin Grant davon überzeugen, ihren Verbündeten Daniel Butterfield zum Assistenten des Finanzministers zu ernennen, der für die Goldverkäufe zuständig war. Butterfield sollte ihnen einen Tipp geben, sobald die Regierung den Goldverkauf plante.

Auf dem Parkett macht sich Panik breit

Im Spätsommer begann Gould damit, große Mengen Gold zu kaufen. Nur wenige Wochen nach Grants Amtsantritt war der Preis des Edelmetalls um 30 Prozent gestiegen. Doch Grant durchschaute den Plan und gab dem Finanzminister den Befehl, Gold im Wert von 4 Millionen Dollar zu verkaufen. Als die Nachricht die Börse erreichte, fiel der Preis des Edelmetalls innerhalb weniger Minuten von 160 auf 133 Dollar je Unze. Auf dem Parkett machte sich Panik breit. Der Crash auf dem Goldmarkt führte auch zu einem Einbruch bei den anderen Rohstoffpreisen und zog die Aktienkurse in die Tiefe. Viele Spekulanten gingen pleite, unter anderen auch Corbin.

Gould und Fisk konnten ihre Gewinne jedoch vorher sichern. Allerdings konnte Fisk seinen Erfolg nicht lange genießen. 1872 wurde er mit nur 37 Jahren von dem Geliebten seiner Lebensgefährtin, der ehemaligen Prostituierten Josie Mansfield, erschossen. Dabei ging es natürlich nicht um Liebe, sondern um Geld.

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