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Finanzskandale (10): Bankgesellschaft Berlin : Schrottimmobilien und der Berliner Filz

Das Ende: Demontage des Bankgesellschafts-Logos Bild: picture-alliance/ dpa

Die Bankgesellschaft Berlin sollte ein Erfolgsmodell werden. Doch mit faulen Krediten und zweifelhaften Fonds war die Bank nach nur sieben Jahren ruiniert.

          6 Min.

          Der Prozess dauerte nur knapp eine Stunde. Der Fondsinitiator Jürgen Hanne bekannte sich des Prospektbetruges schuldig, und das Berliner Gericht gewährte ihm eine milde Bewährungsstrafe. Verstehen konnten das die Anleger kaum, die von Hanne Fondsanteile für Seniorenresidenzen in den neuen Bundesländern gekauft hatten und Wohnsiedlungen mit hohen Leerständen bekamen.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehr als 30 weitere Verfahren und Zivilklagen waren zeitweise gegen den kanadischen Staatsbürger anhängig und Hanne war seinerzeit schon in Zürich auf der Flucht verhaftet worden. Kurz nach dem ersten Urteil aber setzte Hanne sich in sein Heimatland ab.

          Die Bank, die es nicht hätte geben dürfen

          Einem der Geprellten war es möglicherweise ganz recht, dass die Sache nicht weiterverfolgt werden konnte: der Bankgesellschaft Berlin. Sie steht im Zentrum des größten Bankenskandals in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Rund 500 Millionen Mark hatte Hanne von dem Finanzinstitut geliehen, das es eigentlich gar nicht hätte geben dürfen.

          In einer Hand: Klaus-Rüdiger Landowsky, einst sowohl CDU-Fraktionsvorsitzender als auch Chef der Berlin-Hyp

          Denn der Zusammenschluss der öffentlich-rechtlichen Landesbank, für die der hochverschuldete Stadtstaat Berlin noch in der Gewährträgerhaftung war, mit den privatrechtlich organisierten Instituten Berliner Bank und Berlin-Hyp unter dem Mantel einer privatrechtlichen Aktiengesellschaft verstieß nach Ansicht von Rechtsexperten gegen geltendes Recht.

          Weg von der „Banque de Blamage“

          Ermöglicht hatte die Gründung die einzigartige Verflechtung von Politik und Wirtschaft in dem gerade wieder zur Hauptstadt gewordenen Berlin. Maßgeblicher Initiator war Klaus-Rüdiger Landowsky, Fraktionsvorsitzender der CDU im Abgeordnetenhaus, einer der großen „Strippenzieher“ in Berlin - und gleichzeitig Vorstandsvorsitzender der Berlin-Hyp.

          Die Bankgesellschaft sollte zum Prestige und zur Sanierung des finanziell angeschlagenen Stadtstaats beitragen. Doch die Berliner Banken waren 1994 nicht in guter Verfassung. Die Berliner Bank drückte eine hohe Risikovorsorge. In ihrer Expansionswut hatte sie viele riskante Firmenkredite vergeben. Spöttisch wurde das Kürzel „BB“ auch als „Banque de Blamage“ übersetzt. Die Berlin-Hyp war 1992 aus der Pfandbriefbank entstanden, die aufgrund des Wegfalls der BerlinFörderung ihr angestammtes Geschäft verloren und wenig Erfahrung im Immobiliengeschäft hatte.

          Großzügige Kreditvergabe

          Von Anfang an funktioniert die neue Bankgesellschaft nicht, zumal sich der Immobilienmarkt immer mehr abschwächt. Doch das ist nicht der wesentliche Grund, dass die neu gegründete Bankgesellschaft in den kommenden Jahren meist ihre Prognosen verfehlt, der Verwaltungsaufwand trotz aller Sparprogramme ständig steigt und die Risikovorsorge immer wieder unerwartet hoch ausfällt.

          Die drei Banken unter dem Dach einer vierten, die keine „Global Player“, sondern eher Lokalgrößen sind, arbeiten mehr gegen- als miteinander - und die Geschäftspraxis ist haarsträubend. So bewilligt die Berlin-Hyp zwischen 1991 und 1993 dem Wohnungsbauer Schliffkowitz ohne ausreichende Bonitätsprüfung Kredite in einem Gesamtvolumen von 208 Millionen Mark.

          Als 1993 für einen weiteren 100-Millionen-Kredit Bonitätsunterlagen verlangt werden - zu diesem Zeitpunkt ist Schliffkowitz bereits mit einem Millionenbetrag im Rückstand -, bleibt das Unternehmen die Unterlagen schuldig. Ausbezahlt wird der Kredit trotzdem. 1996 beantragt die BerlinHyp die Zwangsversteigerung eines Objekts - im gleichen Jahr genehmigt die Landesbank einen weiteren Kredit über 120 Millionen Mark. Auch die Hanne-Gruppe wird trotz Zahlungsschwierigkeiten am Leben erhalten.

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