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Finanzprodukte für jedermann (8) : Der Traum von den eigenen vier Wänden

Ein eigenes Haus bietet Schutz und Wertbeständigkeit in turbulenten Zeiten. Bild: Dieter Rüchel

Schuldenkrise und Angst vor Inflation erhöhen die Nachfrage nach Immobilien. Doch viele Käufer unterschätzen die langfristigen Zusatzkosten und die Risiken.

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          Kein Wunder, dass die Immobilie bei vielen Menschen hierzulande auf der Wunschliste derzeit ganz weit oben rangiert: Mit den Turbulenzen an den Finanzmärkten und der Aussicht auf eine Verschärfung der Schuldenkrise nimmt das Bedürfnis nach Sicherheit zu. Geldentwertung droht, und damit sind Immobilien so gefragt wie lange nicht mehr.

          Waren die Deutschen im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn jahrzehntelang eher Immobilienmuffel, ist besonders in den wirtschaftsstarken Regionen Deutschlands inzwischen ein Immobilienboom zu beobachten. „So wie die Leute den Währungen nicht mehr trauen und Gold kaufen, so setzen sie nun auch immer stärker auf Immobilien“, sagt Jens-Ulrich Kießling, Präsident des Immobilienverbands Deutschland. "In manchen Regionen wie in Hamburg ist die Nachfrage kaum noch zu bedienen, weil das Angebot einfach nicht da ist."

          Bild: F.A.Z.

          Gerade in begehrten Städten wie Hamburg ist das Immobilienangebot knapp, die Preise steigen, und mancher Käufer ärgert sich, nicht schon früher in Sachen Immobilienkauf zugeschlagen zu haben. In ländlichen, wirtschaftsschwachen Regionen fallen hingegen vielerorts die Preise.

          Billige Wertbeständigkeit

          Ob es der Bau eines eigenen Hauses ist oder der Kauf einer Wohnung - die Vorteile liegen auf der Hand: Eine Immobilie verspricht nicht nur Wertbeständigkeit in Zeiten, in denen es an den Börsen zu erheblichen Schwankungen kommt. Auch die Aussicht auf etwas Eigenes, also keine Miete mehr zahlen zu müssen und sich mit dem Vermieter zu ärgern, gilt als wichtiges Plus.

          Bild: F.A.Z.

          Hinzu kommt: Die sehr niedrigen Kreditzinsen in Deutschland machen den Kauf einer Immobilie so interessant wie lange nicht mehr. Ein Darlehen zum Beispiel mit einer zehnjährigen Zinsbindung kostet im Durchschnitt lediglich 3,2 Prozent, meldet die FMH Finanzberatung in Frankfurt. Die Höhe des Zinses hängt natürlich stets davon ab, wie viel Eigenkapital ein Kunde mitbringt. Doch langfristig betrachtet, sind die Zinsen auf einem Tiefstand - im Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre liegt der Zinssatz für 10-Jahres-Baugeld bei rund 6 Prozent. Kein Wunder, dass sich die Vermittler von Hypothekenkrediten nun über ein lebhaftes Geschäft freuen.

          Steigende Preise

          Gleichzeitig berichten auch Verbraucherschützer davon, dass Häuser und Wohnungen in Deutschland immer noch relativ günstig seien, die Preise rangierten auf einem ähnlichen Niveau wie Mitte der 1990er Jahre.

          Doch die steigende Nachfrage hat Konsequenzen: „Die Preise für Eigenheime und Eigentumswohnungen sind in Deutschland dieses Jahr zum Teil deutlich gestiegen", sagt Peter Kramer von Gewos, einem unabhängigen Beratungsinstitut für den Immobilienmarkt. „Allerdings gibt es erhebliche regionale Unterschiede: Während die Preise in den Großstädten wie München, Hamburg, aber auch in Orten wie Duisburg anziehen, sinken die Preise in Regionen wie dem Harz und dem Bayerischen Wald."

          Bild: F.A.Z.

          Die prosperierenden Ballungsräume in Deutschland, die gutbezahlte Jobs bieten und eine gut funktionierende Dienstleistungsbranche haben, oder auch Universitätsstädte waren in Deutschland immer als Immobilienstandort gefragt, die Preise daher stets etwas höher als im Rest des Landes.

          Von der Blase noch weit entfernt

          Diese Spreizung am deutschen Immobilienmarkt wird sich nach Einschätzung von Kramer noch verstärken: "Was bisher teuer war, wird noch teurer werden, derweil verlieren die günstigen Lagen zum Teil stark an Wert, besonders auf dem Land."

          Nachdem es gerade in den begehrten Lagen schon zu heftigen Preiskämpfen kommt, fürchten viele Menschen auch in Deutschland das Platzen einer Immobilienblase. "Im Vergleich zu Ländern wie Spanien und auch Großbritannien, wo die Preise überzogen hoch geklettert sind, ist die Preiseentwicklung in Deutschland aber immer noch moderat", sagt Kramer. "Alles in allem muss man sich in Deutschland noch keine Sorgen um eine Überhitzung am Immobilienmarkt machen."

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