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Bitcoin wird 10 Jahre alt : Zwischen Goldrausch und Ernüchterung

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Erst war der Bitcoin Spielwiese für Computer-Experten, dann für Spekulanten. In der Kneipe Room 77 in Kreuzberg kann man mit ihm auch das Bier bezahlen. Bild: dpa

Vor zehn Jahren legte ein Papier die Grundlage für den Bitcoin - eine Währung, die im Internet entstand. Während derzeit vor allem die Schwankungen beim Bitcoin-Kurs für Schlagzeilen sorgen, könnte die technische Grundlage dahinter die Welt viel stärker verändern.

          Die Digitalwährung Bitcoin ist zu einem der großen wirtschaftlichen Phänomene unserer Zeit geworden. Ihr sagenhafter Kursanstieg in den vergangenen Jahren befeuerte Träume von schnellem Reichtum, die massiven Wertschwankungen und ein Absturz in diesem Jahr weckten die Angst vor dem Platzen einer gewaltigen Spekulationsblase. Experten sehen aber in der Technologie hinter dem Bitcoin die Lösung für viele Sicherheitsprobleme.

          Der Grundstein für den Bitcoin wurde vor zehn Jahren gelegt. Jemand veröffentlichte unter dem Namen „Satoshi Nakamoto“ ein Papier, das die Prinzipien für autonomes digitales Geld beschrieb. Es war eine revolutionäre Idee: Keine Kontrolle durch eine Zentralbank, keine nationale Grenzen.

          Für Vertrauenswürdigkeit und Absicherung soll stattdessen ein Mechanismus mit dem Namen Blockchain sorgen. Grob beschrieben werden alle Transaktionen nacheinander registriert - versucht jemand, diese Kette von Datenblöcken zu manipulieren, fällt das sofort auf, weil es viele Kopien gibt. Bitcoin-Einheiten werden von den Nutzern selbst generiert, indem ein Computer komplexe mathematische Berechnungen durchführt. Ihre mögliche Menge ist beschränkt, und je mehr Bitcoin es gibt, desto aufwendiger wird der „Schürf“-Prozess.

          Wer ist „Satoshi Nakamoto“?

          Der Link zum „Satoshi“-Manifest wurde am 1. November 2008 angeblicher oder tatsächlicher Ortszeit in einer Mailing-Liste veröffentlicht, in den Vereinigten Staaten war es noch der 31. Oktober. „Satoshis“ E-Mail-Adresse stammte vom deutschen Anbieter GMX. Rund zwei Monate später stand die Software dazu. Der Vorstoß fiel in eine wirtschaftlich turbulente Zeit: Der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers unter der Last fauler Immobilienkredite in Amerika hatte das globale Finanzsystem in die Krise gestürzt. Der Bitcoin tauchte aus dem Nichts als eine Alternative auf.

          „Satoshi Nakamoto“ wird rund eine Million Bitcoin zugerechnet. Dieser Schatz - nach aktuellem Kurs wäre dieses Bitcoin-Paket rund 5,6 Milliarden Euro wert - blieb aber bisher unangetastet. Die Frage, wer hinter dem Namen steckt, wurde zu einem großen Rätsel, das viele lösen wollten. „Satoshi“ kommunizierte mit seinen frühen Mitstreitern stets nur elektronisch, bevor er sich nach einigen Jahren zurückzog.

          Diverse Krypto-Experten wurden einzeln oder gemeinsam als Bitcoin-Urheber vermutet. Das Magazin „Newsweek“ glaubte 2014, einen pensionierten kalifornischen Ingenieur, der früher tatsächlich Satoshi Nakamoto hieß, als Strippenzieher ausgemacht zu haben. Er stritt alles ab. Dann schien das Geheimnis im Mai 2016 gelüftet zu sein: Der in der Bitcoin-Szene gut bekannte australische Unternehmer Craig Wright erklärte, er sei „Satoshi“, und wollte die Behauptung unter anderem mit dem Krypto-Schlüssel des Erfinders untermauern. Doch ziemlich schnell meldeten Experten Zweifel an der Demonstration an. Wright kündigte erst an, als ultimativen Beweis Bitcoin aus dem „Satoshi“-Paket zu bewegen - und machte dann einen Rückzieher. So bleibt die Frage, wer „Satoshi Nakamoto“ ist, weiter offen.

          Zwei Pizzen für 10.000 Bitcoin

          Der Bitcoin-Einsatz kam nur langsam in Gang. Erst war es eine Spielwiese für Computer-Experten: Legendär ist die Geschichte vom Programmierer, der 2010 für zwei gelieferte Pizzen mit 10.000 Bitcoin bezahlt haben soll. Auf dem Höhepunkt der Bitcoin-Euphorie Ende 2017 wäre das Paket bis zu 170 Millionen Euro wert gewesen - und nach dem jüngsten Kurs-Verfall jetzt immer noch rund 56 Millionen Euro.

          Zu den ersten, die von den Vorzügen einer weitgehend anonymen Digitalwährung profitieren wollten, gehörten Online-Kriminelle. Auf Untergrund-Marktplätzen wie Silk Road konnten mit Bitcoin unter anderem Drogen oder Waffen bezahlt werden. Zugleich zeichnete sich der Bitcoin schon in den ersten Jahren durch extreme Kursschwankungen aus, die Spekulanten anlockten. Anfangs konnte der Bitcoin-Preis von wenigen Euro auf mehrere Dutzend springen - und zurück. Später wurden daraus Schwankungen von mehreren hundert oder sogar tausend Euro.

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