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Bitcoin wird 10 Jahre alt : Zwischen Goldrausch und Ernüchterung

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Die öffentliche Aufmerksamkeit und die Endlichkeit der Ressource Bitcoin, von denen nur 21 Millionen Einheiten generiert werden können, lösten in den vergangenen Jahren einen regelrechten Goldrausch aus. Der Kurs schnellte immer weiter in die Höhe. Zu den Konsequenzen gehörte auch, dass der Grafikkarten-Spezialst Nvidia plötzlich mit Engpässen bei einigen Top-Modellen zu kämpfen hatte, die besonders effizient beim „Schürfen“ der Bitcoin-Einheiten sind. Kriminelle Hacker, die heimlich Rechenleistung auf fremden Computern abzweigen, nutzen sie jetzt bevorzugt nicht mehr für den Massenversand zweifelhafter E-Mails, sondern zur Bitcoin-Produktion. Die ahnungslosen Nutzer können dafür mit höheren Stromrechnungen bezahlen.

Goldrausch-Stimmung noch nicht verflogen

Denn die Bitcoin-Produktion erfordert inzwischen nach dem von „Satoshi Nakamoto“ vorgesehenen Verknappungs-System die Rechenleistung von Server-Farmen. Zum Beispiel in Island mit seinem billigem Geothermie-Strom entstand daraus eine ganze Industrie. Der Strombedarf des Bitcoin-Systems ist enorm. Die Rechen-Prozesse verbrauchten nach seriösen Kalkulationen bereits pro Tag so viel Strom, wie gut 12.000 Vier-Personen-Haushalte in Deutschland im ganzen Jahr benötigten. Forscher der Universität von Hawaii kamen in einer diese Woche veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass die Bitcoin-Erzeugung ungefähr so viel Treibhaus-Gase freisetze wie zum Beispiel ganz Österreich. Obwohl ihre Berechnungsmethoden zum Teil angezweifelt wurden, ist das ein Weckruf: Denn das Bitcoin-System ist ja so konzipiert, dass mit der Zeit zum „Schürfen“ immer mehr Rechenleistung verbraucht wird.

Obwohl der Bitcoin in diesem Jahr rund zwei Drittel seines Werts verlor, ist die Goldrausch-Stimmung noch nicht verflogen: Schließlich könnten nach Einschätzung von Experten erst in rund 20 Jahren alle erstellbaren Bitcoin generiert sein. Zugleich warnen Regulierer regelmäßig vor Risiken für Verbraucher, die sich in den wechselhaften Bitcoin-Markt trauen.

Das technische Fundament des Bitcoin, die Blockchain-Idee, wird inzwischen auch von Banken sowie in vielen anderen Industrien von der Musik- bis zu Autobranche geprüft, um Prozesse abzusichern. Die Blockchain könnte auch Einzug in Behörden halten, um beispielsweise in einem Grundbuchamt die Übertragung von Grundstücken einzutragen. Erst kürzlich testeten die Deutsche Bundesbank und die Deutsche Börse die Abwicklung von Wertpapiergeschäften über Blockchain-Technologie. Die Bundesbank teilte danach, die zwei ausprobierten Verfahren seien für den Betrieb einer Finanzmarktinfrastruktur geeignet.

Dass System der Daten-Ketten sei allerdings zu aufwendig und langsam, warnen Kritiker. Befürworter entgegnen, dass die Probleme lösbar, aber die Sicherheitsvorteile groß seien. „Die Technologie steckt noch in den Kinderschuhen und muss zunächst ausreifen, indem sie für zusätzliche Anwendungszwecke weiterentwickelt wird“, sagt Prof. Christoph Meinel, Direktor des Hasso Plattner Instituts der Universität Potsdam.

Das wird auch in der Branche so gesehen: „Blockchain kann revolutionieren, wie alle - Unternehmen, Regierungen, Organisationen, Menschen - zusammenarbeiten“, schrieb die Investmentbank Goldman Sachs in einem Bericht. Denn sie biete einen einfachen und sicheren Weg, praktisch jede Art von Transaktion zu verifizieren. Das bedeutet auch: Durch die Speicherung der Kette an vielen Orten kann der Bedarf an zentralisierten Abwicklungsstellen entfallen, was das bisherige Geschäftsmodell vieler Firmen in Frage stellt.

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